Ein onkolytisches Virus als Helfer

Juli 2016 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Ein onkolytisches Virus als Helfer

Interview mit Prof. Dr. Volker Schirrmacher, Prof. Dr. Stefaan van Gool und Dr. Wilfried Stücker

Immunologisches Onkologisches Zentrum Köln (IoZK) / Anzeige

Herr Professor Schirrmacher, was ist das für ein onkolytisches Virus, das Sie für die Krebstherapie favorisieren?

 

Prof. Schirrmacher: Das Newcastle Disease Virus (NDV) ist ein Geflügelvirus, das besondere Anti-Tumoreigenschaften besitzt und gleichzeitig das Immunsystem des Patienten aktiviert. Es wird bereits seit 50 Jahren in den USA, in Euro-pa und in China zur Krebsbehandlung eingesetzt. Dieses am längsten klinisch erprobte onkolytische Virus zeichnet sich durch ein hohes Sicherheitsprofil mit nur geringen Nebenwirkungen aus.  

 

Was hat das IOZK mit diesem Virus an Neuem erreicht?

 

Dr. Stücker: Wir sind europaweit, wahrscheinlich sogar weltweit, die ersten und einzigen, die es geschafft haben, das Virus nach den höchsten medizinischen Qualitätsanforderungen herzustellen. Nach 5 Jahren entsprechender Arbeiten und Investitionen verfügt das IOZK seit 2015 über eine Herstellungserlaubnis für die Anwendung einer Impfung mit Dendritischen Zellen in Kombination mit autologen Tumorantigenen und NDV. Der Impfstoff, als VOL-DC bezeichnet, muss für jeden Patienten individuell hergestellt werden, damit er hoch spezifisch ist.

 

Wie gut ist dieses Konzept wissenschaftlich fundiert?

 

Prof. Schirrmacher:  Sehr gut. Seit nunmehr 30 Jahren, zunächst am DKFZ in Heidelberg und danach am IOZK, wurden von mir und meinen Mitarbeitern die Grundlagen der Immuntherapie und die Wirkungsweise des Virus erarbeitet und in mehr als 75 Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Nach prä-klinischen Studien an Tiertumoren wurden seit 1990 Untersuchungen an menschlichen Zellen in Kultur sowie in Kooperation mit Universitätskliniken klinische Studien an Krebspatienten durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in 18 Veröffentlichungen publiziert. 

 

Worin besteht der Wirkmechanismus?

 

Prof. van Gool:  Durch Infektion von Tumorzellen mit NDV kommt es zur Tumorzell-Zerstörung (Onkolyse). Diese erfolgt in besonderer Weise, sodass es anschließend zu einer Stimulation natürlicher und später spezifisch-adaptiver Immunabwehr-Mechanismen kommt. Somit werden sowohl direkte wie auch indirekte Anti-Tumor Effekte erzielt. Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die Etablierung eines Tumor-spezifischen immunologischen Gedächtnisses, weil dieses zu Verbesserungen im Langzeit-Überleben führt.

 

Was wird der nächste Schritt sein für das IOZK?

 

Dr. Stücker:  Seit 2013 ist die Immuntherapie als ein Verfahren zur Krebsbehandlung allgemein anerkannt,  vor allem dank des klinischen Erfolges der neuen Antikörper vom Typ „Checkpoint-Inhibitor“. Diese neuen Antikörper funktionieren offenbar aber nur in Patienten, die vorher schon eine gegen den Tumor gerichtete Immunantwort entwickelt haben. Die Kombination von unserer Immuntherapie mit Checkpoint Inhibitoren soll daher der nächste Schritt sein, um die Effektivität der Behandlung noch weiter zu steigern.

 

www.iozk.de