Smartes Wohnen

Der Einsatz intelligenter Haustechnik liegt im Trend. Dabei geht es nicht nur um Wohnkomfort, sondern immer öfter auch um das Thema Energieeffizienz. Eine Herausforderung bleibt der Datenschutz.
Illustration: Nicole Pfeiffer
Illustration: Nicole Pfeiffer
Laura Puttkamer Beitrag

Über 3,3 Millionen Deutsche wohnen bereits in einem Smart Home, über 42 Prozent der Haushalte nutzen intelligente Haushaltstechnik. Das beginnt bei automatisierten Temperaturen und geht über vorprogrammierbare Kaffeemaschinen bis hin zu intelligenter Beleuchtung. Doch was ist eigentlich genau mit dem Begriff Smart Home gemeint? Wie kann ein intelligentes Zuhause aussehen und welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen bringt es mit sich?

Ein intelligentes Zuhause oder Smart Home nutzt die Möglichkeiten der Technologie, um die Lebensqualität seiner Bewohnerinnen und Bewohner zu erhöhen. Dazu gehören etwa Sprachassistenten wie Siri und Alexa. Mit einem fröhlichen „Guten Morgen, es ist 8 Uhr und die Wettervorhersage ist gut“ kann man so in den Tag starten. Per Sprachbefehl lässt sich Musik spielen, eine To-do-Liste abhaken oder ein Nachrichtenüberblick anfordern.

Je nach persönlicher Vorliebe lassen sich inzwischen fast alle Haushaltsgeräte mit dem Internet verknüpfen. Das geht per App, die als Zentrale des Smart Homes dient. Wer sich für Geräte von der gleichen Marke entscheidet, hat es dabei besonders leicht, da diese in der gleichen App zu bedienen sind. Sei es die Vorprogrammierung der Waschmaschine, die Steuerung der Zimmertemperatur aus der Ferne oder ein Blick in die Überwachungskameras – per Knopfdruck ist die gewünschte Aktion erledigt.

Darüber hinaus ist es möglich, weitere Geräte wie etwa das elektrische Auto, den intelligenten Rasenmäh- oder Staubsaugroboter und das Heimkino als Teil des Smart Homes per App zu bedienen. Dank Künstlicher Intelligenz erlernen immer mehr Smart-Home-Technologien die Vorliebe der Hausbewohnerinnen und -bewohner. Zudem lassen sich häufige Abläufe als Routinen abspeichern und dann immer wieder abspielen – etwa ein abendliches Heißgetränk mit einer Meditation bei sanfter Beleuchtung.

Wer sich für das Smart Living in einem intelligenten Haus entscheidet, wählt nicht nur Komfort, sondern auch Energieeffizienz und langfristig niedrigere Kosten. Zwar ist die Anschaffung der nötigen Technologie nicht günstig, aber sie führt schnell zu Energieersparnissen. So lassen sich Energieverluste vermeiden. Zudem gelingt es etwa mit einem intelligenten Kühlschrank, günstiger einzukaufen und Lebensmittel optimal zu nutzen. So lassen sich bis zu 30 Prozent Energie einsparen.

KLIMAZIELE ERREICHEN

Intelligente Häuser sind ein Muss für die Energiewende in Deutschland. Sie helfen dabei, die ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen und die globale Erderwärmung aufzuhalten. Förderprogramme unterstützen etwa den Einbau von  Wärmepumpen und Solarzellen. Diese Technologien lassen sich leicht mit dem Smart Home kombinieren, sodass die grüne Energie so effizient wie möglich eingesetzt wird.

Neben der Energieeffizienz ist auch die erhöhte Sicherheit eine wichtige Chance, die das Smart Home bietet. Insbesondere für ältere Menschen sind Technologien wie Notfallknöpfe, Drucksensoren und Matratzen, die Gesundheitswerte untersuchen, oft eine große Hilfe. Die Geräte rufen bei Bedarf Hilfe, was etwa im Fall eines Sturzes unerlässlich ist.

Die Übersicht des Hauses aus der Distanz ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Sei es die Videoüberwachung, die korrekte Lüftung selbst aus dem Urlaub oder die schnelle Bewässerung des Gartens bei Hitzewellen – das Smart Home ermöglicht seinen Bewohner:innen spontane längere Abwesenheiten, was viel Freiheit und Sicherheit gibt.

Und: Immer mehr Anbieter im Bereich Entertainment, TV und Streaming setzen auf intelligente Häuser mit vernetzten Social-Media-Plattformen. Wer zum Beispiel gemeinsam mit seinem Freundeskreis einen virtuellen Filmabend plant, bei Videospielen wetteifern oder Fotos teilen möchte, kann dies dank Smart-Home-Technologien im Handumdrehen tun.

Trotz der vielseitigen Möglichkeiten, die ein intelligentes Haus bietet, gibt es gute Gründe dafür, warum noch nicht jedes Haus in Deutschland smart ist. Zum einen ist die Technologie noch nicht so weit ausgereift, dass die Verknüpfung verschiedener Geräte immer einfach ist. Obwohl über die Hälfte der Deutschen ein Smart-TV besitzen, ist das Gerät oft nicht mit anderen Technologien verknüpft. Das liegt an unterschiedlichen Marken, aber auch an fehlendem Bewusstsein über das Potenzial eines Smart Homes.

Zum anderen gibt es auch Datenschutzbedenken beim Smart Living. Häufig ist nicht klar, wie genau Anbieter mit den Nutzerdaten umgehen. Unverschlüsselte Passwort-übertragungen, Datenlecks sowie die Angst vor Hackern führen dazu, dass viele Menschen den Umstieg auf ein intelligentes Zuhause eher zögerlich angehen.

Dabei handelt es sich um ein Paradox: Das intelligente Haus funktioniert nämlich nur dann, wenn alle Geräte Daten sammeln und austauschen dürfen. Auf diese Weise lernen sie voneinander und verbessern die Nutzererfahrung. Weniger Daten führen zu einer schlechteren Erfahrung und zu fragmentierten Insellösungen statt komplementären Technologien.

 

»Immer mehr Anbieter setzen auf vernetzte Social-Media-Plattformen.«


FRAGMENTIERTER MARKT

Wer auf der sicheren Seite bleiben möchte, sollte beim Kauf von Smart-Home-Technologie auf Sicherheitslabel und Prüfstellen-Siegel achten. Zudem gilt es, die Hersteller in die Verantwortung zu nehmen und durch konkrete Nachfragen für mehr Rechenschaftspflichtigkeit zu sorgen. Dies ist aber nicht nur Aufgabe der Konsumierenden, sondern auch der Politik. Der fragmentierte Smart-Home-Markt sowie die oft internationalen Hersteller machen es schwierig, allgemeingültige Regeln zum Datenschutz durchzusetzen.

Auch die schnelle Entwicklung von Smart-Home-Technologie führt bei manchen zu Bedenken. Daher ist es empfehlenswert, zunächst einmal in „Evergreens“ zu investieren, wie etwa intelligente Gebäudetechnik oder erneuerbare Energien. Diese lassen sich bei späteren Updates weiterentwickeln, während einzelne Geräte irgendwann obsolet werden könnten. Beratungsangebote im Bereich Smart Home unterstützen dabei, die richtige Wahl für den Einzelfall zu treffen.

Wie geht es  weiter im Bereich Smart Home? Fest steht, dass das Interesse trotz einiger Herausforderungen sehr groß ist. Nachrichten wie der letzte IPCC-Bericht zur Dringlichkeit des Klimawandels unterstreichen den Bedarf an effizienteren, intelligenteren Häusern, die es Privatpersonen erlauben, proaktiv gegen den Klimawandel vorzugehen. Wer in ein energiesparendes Haus investiert, spart nicht nur Kosten, sondern schont auch die Umwelt.

Damit dies eine attraktive Option ist, müssen Smart-Home-Technologien noch intelligenter und vor allem leichter miteinander verknüpfbar werden. Künstliche Intelligenz sowie die Kombination der Geräte mit Big Data werden künftig neue Funktionen ermöglichen. So kann das intelligente Haus der Zukunft selbst vorschlagen, wann auf welche Temperatur geheizt oder gekühlt wird, welche Geräte wann ein- und ausgeschaltet werden und wann das Beschattungssystem für die Fenster aktiviert werden sollte. Dieser Komfort wird dazu führen, dass das Energiesparen künftig sogar Spaß macht.

HEIMAT IM BÜROALLTAG

Trends wie das Metaverse, eine Art Paralleluniversum im virtuellen Bereich, werden das Smart Home ebenfalls beeinflussen. Entertainment kann künftig mithilfe von Virtual-Reality-Brillen, Sensoren und intelligenten Handschuhen deutlich immersiver werden. Mithilfe von Gesichts- und Bilderkennung wird es möglich sein, vom eigenen Haus aus mit Freund:innen und Familienmitgliedern zu inter-
agieren, auch wenn viele Kilometer Abstand zwischen den Teilnehmenden liegen.
Die Coronapandemie hat gezeigt, dass das Smart Home inzwischen eine ganz neue Bedeutung hat. Denn wir leben nicht nur in ihm, sondern arbeiten auch vermehrt im Homeoffice. Daher muss das Haus auch für den Büroalltag funktionieren, ohne seine Eigenschaft als Heimat für die ganze Familie zu verlieren.

 

»Trends wie das Metaverse, eine Art Paralleluniversum im virtuellen Bereich, werden das Smart Home ebenfalls beeinflussen.«



Noch steht das Smart Home vor technologischen, aber auch gesellschaftlichen und sozialen Hindernissen. Neben den vielen Insellösungen, die nicht immer kompatibel sind, führen auch Datenschutzbedenken sowie fehlendes Wissen zu zögerlichem Fortschritt.

Aber: Mit Mut, Entschlossenheit und klaren Standards für das Smart Living gelingt es, das Haus der Zukunft zu gestalten. Fest steht, dass diese Häuser zukunftsfähig sind, was Trends wie die Digitalisierung, die Globalisierung und die Energieeffizienz angeht. Zudem sind Smart Homes alle Teil der Smart City, die viele Lebensbereiche intelligent miteinander vernetzt. Je mehr Daten es gibt und je besser die Häuser mit der Stadt kommunizieren, desto eher ist es möglich, sich die Technologie zu Nutze zu machen und komfortabler, sicherer und umweltfreundlicher zu leben. Die Chancen sind groß – nun müssen wir sie auch nutzen.

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