Boden gut machen

Wenn wir die Klimakrise bewältigen wollen, müssen wir uns dringend um unsere Böden kümmern. Denn sie können mehr Kohlenstoff binden als die Atmosphäre und alle Pflanzen zusammen.

 

NINA MANNHEIMER ist Co-Gründerin bei Klim und als Chief Product Officer dafür verantwortlich, die Plattform für Landwirte nach deren Bedürfnissen stetig weiterzuentwickeln.
NINA MANNHEIMER ist Co-Gründerin bei Klim und als Chief Product Officer dafür verantwortlich, die Plattform für Landwirte nach deren Bedürfnissen stetig weiterzuentwickeln.
Nina Mannheimer Redaktion

Ein Drittel der weltweiten Landfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Leider wurde die industrielle Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten so exzessiv praktiziert, dass mehr als die Hälfte dieser Böden ausgelaugt ist und der gespeicherte Kohlenstoff in Form von CO2 immer weiter in die Atmosphäre entweicht. Unter anderem deshalb ist der Agrarsektor für zirka ein Viertel der weltweiten Emissionen verantwortlich.

Landwirtschaftliche Böden können also beides sein: Klimasünder oder -retter. Es kommt ganz darauf an, wie Betriebe wirtschaften. In jedem Fall bekommen diejenigen, die sie bearbeiten, die Auswirkungen des Klimawandels mit Trockenheit und anderen Extremwetterereignissen als eine der ersten zu spüren. Die entscheidende Frage ist also: Wie können wir das Potenzial der Landwirtschaft als Kohlenstoffsenke nutzen, um den Klimawandel zu bremsen, während wir gleichzeitig eine gesunde Ernährung für eine wachsende Bevölkerung sicherstellen?
 

»Regenerative Landwirtschaft hat das Potenzial, jedes Jahr bis zu elf Gigatonnen CO2 weltweit in unseren Böden zu speichern.«


Möglich ist das mit der Regenerativen Landwirtschaft. Sie hat das Potenzial, jedes Jahr bis zu elf Gigatonnen CO2 weltweit in unseren Böden zu speichern. Das ist ungefähr so viel wie der Agrarsektor insgesamt an Emissionen verursacht. Realisierbar ist dies mit Maßnahmen, welche die Bodengesundheit verbessern: etwa der Anbau vielfältiger Fruchtfolgen, eine ganzjährige Bodenbedeckung und die Reduzierung von Bodenbearbeitung, chemischen Pestiziden und Düngemitteln. Dadurch wird die CO2-Speicherkapazität im Boden erhöht und gleichzeitig die Wasserspeicherkapazität und Resilienz gegenüber Klimakatastrophen verbessert. Kurz gesagt: Die Regenerative Landwirtschaft ist eine der wichtigsten Strategien im Kampf gegen den Klimawandel und sinkende Erträge.

Wenn die Vorteile dieser Art der Landwirtschaft so offensichtlich sind, wieso setzen sie die meisten Betriebe dann noch nicht um? Genau das haben wir uns auch gefragt, als wir 2020 erschrocken feststellten, dass die meisten Landwirte, von Verbrauchern ganz zu schweigen, den Begriff Regenerative Landwirtschaft noch nicht mal gehört hatten.

Aus diesem Grund haben wir Klim gegründet: eine App für Landwirte, die sie bei der Umstellung zur Regenerativen Landwirtschaft unterstützt, indem sie ihnen Zugang zu Wissen, einer Gemeinschaft und Finanzierung zur Verfügung stellt. Denn obwohl Betriebe langfristig profitabler werden, brauchen sie zunächst eine Brückenfinanzierung, um die nötigen Investitionen tätigen zu können. Diese Finanzierung stammt von Lebensmittelunternehmen, die ihre Lieferketten klima-, umweltfreundlicher und resilienter machen wollen. Wir sind überzeugt: Nur wenn alle wichtigen Akteure gemeinsam arbeiten, können wir den Impact erzielen, den wir in der Lebensmittelbranche dringend brauchen.
 

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