Schau zu, mach mit

Unser Essverhalten wird in den ersten Lebensjahren geprägt. Umso wichtiger, dass Familien auf eine gesunde Ernährung achten. Das ist gar nicht so schwer – und auch noch gut fürs Klima.

Illustration: Laura Neuhäuser
Illustration: Laura Neuhäuser
Dr. Ulrike Schupp Redaktion

Lernen durch das Vorbild: Das gilt auch für die Ernährung. Der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) zufolge werden die Weichen für das Essverhalten schon in den ersten beiden Lebensjahren gestellt. Wer als Kind gesund isst, hat später weniger Stress: Es fällt leichter, ein normales Gewicht zu halten, und Fast Food oder Süßigkeiten sind keine ständige Versuchung, wenn man früh gelernt hat, Brokkoli und Blaubeeren zu lieben. Gesundes Essen von klein auf verringert außerdem das Risiko, später an den Folgen von Übergewicht oder an Diabetes zu erkranken. Auch etwas ältere Kinder lernen am besten durch gemeinsame Mahlzeiten am Familientisch. Was den Eltern schmeckt, mögen oft auch die lieben Kleinen. Selbst wenn sie sich später kaum daran erinnern, bekommen sie zudem genau mit, ob Papa oder Mama in der Küche steht, ob Essen ein gemeinsames Erlebnis ist oder nebenbei vor dem Bildschirm erledigt wird. Was aber, wenn sich die Eltern mit gesunder Ernährung gar nicht auskennen?

Der AOK-Familienstudie von 2022 zufolge gibt es ein großes Wissensdefizit vor allem im Hinblick auf nachhaltige Ernährung. Die ist nicht nur gut für den Menschen, sondern auch für den Planeten. Bei nachhaltiger Ernährung spielen Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte die Hauptrolle. Fleisch und Milchprodukte kommen in deutlich reduziertem Umfang auf den Tisch. Hoher Fleischkonsum fördert nicht nur Diabetes, Herz-Kreislauf- und Darmerkrankungen. Er schadet auch dem Klima. Tierische Lebensmittel wie Fleisch und Milchprodukte verursachen wesentlich mehr Treibhausgasemissionen als pflanzliche und beschleunigen so den Klimawandel.

Mehr Aufklärung gefragt

Einen großen Einfluss auf die Ernährung in den Familien hat der Bildungsgrad der Eltern, wie die AOK-Studie zeigt. Während für 39 Prozent der Befragten mit Hochschulreife nachhaltige Ernährung eine große Bedeutung hat, ist das nur bei 23 Prozent derjenigen mit Hauptschulabschluss der Fall. Unabhängig vom Bildungsgrad machen sich 39 Prozent der Eltern Sorgen, ob nachhaltige Ernährung ungesund für ihre Kinder sei. Um hier für mehr Aufklärung zu sorgen, wäre es wichtig, schon in Kitas und Grundschulen nachhaltige Ernährung in die Lehrpläne und die Tagesabläufe zu integrieren. Außerdem können die Hausärztin oder der Kinderarzt eine Ernährungsberatung empfehlen. Viele Krankenkassen übernehmen dann zumindest einen Teil der Kosten. Übrigens: Wer in Sachen Ernährung theoretisch fit ist, aber eine praktische Lösung für den stressigen Alltag sucht, darf locker bleiben. Gemeinsam Essen nur am Wochenende? Zusammen genießen verbindet auch, wenn es nicht täglich passt. Weder Zeit zum Kochen noch zum Einkaufen und keine Idee fürs Pausenbrot? Fertige vegetarische Brotaufstriche, Pasta und Saucen möglichst in Bioqualität können helfen, ebenso wie das Kochen größerer Mengen für die Tiefkühltruhe und ein Grundvorrat. Gemüse liefert der nächstgelegene Bioservice. Es lohnt sich, nachzurechnen, ob so ein Service wirklich teurer ist, wenn man den Konsum tierischer Produkte deutlich verringert sowie konsequent auf saisonale und regionale Angebote achtet.

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