Gewusst woher

Gerade bei Lebensmitteln, die nicht regional erzeugt werden, ist es schwer, Nachhaltigkeitsaspekte zu kontrollieren. Hier spielen vor allem die sozialen Aspekte in den produzierenden Ländern eine wichtige Rolle.

Illustration: Laura Neuhäuser
Illustration: Laura Neuhäuser
Julia Thiem Redaktion

Es ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre her, dass die Netflix-Dokumentation Seaspiracy für Schlagzeilen gesorgt und vielen Menschen den Appetit auf Fisch erst einmal verdorben hat. Denn obwohl Fisch als gesunde und gute Alternative zu Fleisch gilt, kann man als Verbraucher kaum bewerten, woher der Fisch kommt, unter welchen Bedingungen er gefangen wurde oder ob und wie Menschen für die Extraportion Omega-Fettsäuren ausgebeutet werden. Was Regisseur Ali Tabrizi da aufgedeckt hat, ist zum Teil erschreckend, aber kein Einzelfall und schon gar nicht auf die Fischindustrie beschränkt. So war einer der größten börsennotierte Fleischproduzenten, die brasilianische JBS, kürzlich in einen großen Korruptions- und Abholzungsskandal verwickelt, Arbeiter auf den Kaffee- und Kakaoplantagen kommen oft ungeschützt mit Fungiziden und Pestiziden in Kontakt und in Südamerika werden ganze Dörfer zugunsten der lukrativen, aber wasserintensiven Avocado-Produktion von der Wasserversorgung abgeschnitten. Hier entstehen mittlerweile regelrecht mafiöse Strukturen, wo Bedrohungen und Entführungen zur Tagesordnung gehören.

Genau hinschauen

Wer also als Verbraucher bei den Lebensmitteln auch mal zu einem „Exoten“ greifen will – und hierzu zählt tatsächlich alles, was nicht regional produziert werden kann – sollte genau hinschauen, was er da kauft. Und das tun die Deutschen offensichtlich auch. So gaben Verbraucher im vergangenen Jahr 2,36 Milliarden Euro für Fairtrade-Produkte aus – dem wohl bekanntesten Label für Waren aus fairem Handel, bei deren Herstellung soziale, ökologische und ökonomische Kriterien berücksichtigt werden. Das Fairtrade-Siegel kennt man vor allem von Kaffee und Kakao, aber auch Bananen, Nüsse, Öle, Reis, Quinoa, Gewürze oder Tee werden von der Initiative bewertet, die Verbrauchern somit eine Orientierung gibt, wie nachhaltig Produkte tatsächlich sind.

Exoten direkt vom Erzeuger

Einen anderen Weg gehen mittlerweile einige Lebensmittelproduzenten wie Followfood, die ihre Tiefkühlprodukte mit einem Tracking-Code versehen, sodass sich Verbraucher vor dem Verzehr genau über Herkunft, Anbau, Fang und Verarbeitung informieren können. Alternativ kann man natürlich auch direkt beim Erzeuger kaufen. Ohne Zwischenhändler oder Supermarkt ist das beispielsweise bei der spanischen Plattform Crowdfarming möglich. Ob Kaffee direkt vom kolumbianischen Bauern, kanarische Bananen oder philippinische Schokolade – als sogenannter Adoptant weiß man genau, welche Produkte man bekommt und wer sie hergestellt hat. Theoretisch kann man seinen Kakaobaum auf den Philippinen sogar besuchen. Sogar Veganer kommen hier in puncto Schokolade auf ihre Kosten, denn die Zartbitter-Varianten bestehen ausschließlich aus Criollo-Kakao und bio-zertifiziertem Muscovado-Zucker. Aber auch Vollmilch- und weiße Schokolade bekommt man mittlerweile als vegane Variante – beispielsweise von Gepa, wo man sich außerdem auch auf einen fairen Handel der Rohstoffe verlassen kann.

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