Wie tierlieb sind wir wirklich?

Juni 2020 | stern | Mein Haustier

Wie tierlieb sind wir wirklich?

Die einen streicheln, die anderen essen: Wie Speziesismus Tiere diskriminiert

Mit Hunden teilen wir unser Zuhause, während wir andere Tiere essen.
PETA Deutschland e.V. / Unternehmensbeitrag

Denken wir an das beruhigende Schnurren der Katze auf dem Schoß oder an den herzerwärmenden Blick des Hundes beim Streicheln, verwundert es kaum, dass viele Menschen ihr Zuhause mit vierbeinigen oder gefiederten Mitbewohnern teilen. Und nahezu jeder Mensch spricht sich gegen Tierquälerei aus, wünscht sich ein liebevolles Zuhause für heimatlose Hunde und ist empört, wenn „Haustiere“ schlecht gehalten oder misshandelt werden. Somit schreiben wir zumindest manchen Tieren bereits bestimmte Rechte zu, etwa das auf Leben oder das auf Unversehrtheit. Doch obwohl Tiere zweifelsohne leidensfähig sind, haben die Bedürfnisse einiger nicht-menschlicher Lebewesen in unserer Gesellschaft einen geringeren Stellenwert als die des Menschen. Sie werden wegen ihres Nutzens für den Menschen zu Objekten degradiert, kategorisiert, ausgebeutet und getötet.


Obwohl es keine Notwendigkeit gibt, wird Füchsen, Mardern, aber auch Hunden oder Katzen ihr Fell teils bei lebendigem Leib vom Körper gezogen. Und obwohl tierische Produkte nicht lebensnotwendig sind, werden jährlich Milliarden Tiere – viele bei vollem Bewusstsein – ihres Fleisches wegen getötet. Es gibt zahlreiche tierfreie Freizeitangebote, aber dennoch werden Elefanten, Affen und viele weitere Tiere zu Unterhaltungszwecken eingesperrt und gequält. Wir teilen unser Zuhause mit Hunden und Katzen und schmelzen beim Anblick von Tierkindern sprichwörtlich dahin, konsumieren jedoch Kosmetik, die in grausamen Experimenten an ihren Artgenossen getestet wurde. Ergreifende Geschichten über Tiere rühren uns alle, und doch kaufen wir Milchprodukte, für die Kühe eingesperrt, mehrfach gegen ihren Willen künstlich geschwängert und die Kuhkinder kurz nach der Geburt von ihren Müttern entrissen wurden. Wie würden wir uns entscheiden, wenn wir miterleben müssten, wie die beiden tagelang nacheinander schreien?


All dies geschieht, obwohl das Tierschutzgesetz es untersagt, Tieren ohne „vernünftigen Grund“ Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Doch der „vernünftige Grund“ ist nicht klar definiert. Wir begegnen tierischen Mitbewohnern empathisch, damit sie als empfindungsfähige Wesen ein schönes Leben führen können. Doch warum sollte sich das Mitgefühl auf „Haustiere“ beschränken, wenn andere Spezies ebenso empfindungsfähig sind? Die fehlgeleitete Annahme, dass die Bedürfnisse einer Spezies wichtiger seien als die einer anderen, erinnert an diskriminierende Denkschemen wie Rassismus oder Sexismus und wird als Speziesismus bezeichnet – dieses Unterdrückungsmuster begründet den Großteil allen Tiermissbrauchs.


Sich von Speziesismus zu distanzieren, bedeutet, die Interessen von Tieren anzuerkennen und ihr Recht zu achten, frei von Missbrauch und Ausbeutung zu leben – und zwar unabhängig von ihrem Nutzen für uns. Denn auch Kühe oder Elefanten wollen angst- und schmerzfrei leben – und es liegt in der Verantwortung des Menschen, sie nicht darin zu behindern. Schon kleine Entscheidungen können den Unterschied zwischen Mitgefühl und Grausamkeit ausmachen. Wir können Tiere mit Respekt und Mitgefühl behandeln, indem wir tierversuchsfreie Kosmetik verwenden, uns vegan ernähren, Zoos und Zirkusse meiden und Kleidung aus tierfreundlichen Materialien kaufen. Es fühlt sich gut an, diskriminierende Denkmuster zu erkennen, aus ihnen auszubrechen und sich von der Ausbeutung unserer Mitlebewesen zu befreien.

 

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