Wenn Tiere Menschen helfen

… dann sollen sie das freiwillig tun.
Das gebietet die Verantwortung gegenüber den Tieren.

Illustration: Anne Reibold
Olaf Strohm Redaktion

Immer mehr Psychotherapeutinnen und -therapeuten binden Tiere in ihre Therapiekonzepte mit ein. Vor allem, wenn Kinder mit psychischen Auffälligkeiten betroffen sind. Warum, erfährt man beim Institut für soziales Lernen mit Tieren: „Tiere schaffen durch ihr authentisches Wesen eine Atmosphäre, in der Vertrauen wachsen kann“, heißt es dort. Auf dem Bauernhof in der Nähe von Hannover werden im Rahmen von Kurrzeittherapien Kinder behandelt. Sie lernen im Umgang mit Tieren soziale Kommunikation und Interaktion. „Tiere setzen klare Signale und somit direkte Grenzen. Durch den hohen Aufforderungscharakter der Tiere arbeiten die Klient:innen meist äußerst konzentriert mit“, so das Institut. „Sie sind bereit, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und helfen sich gegenseitig im Umgang mit den Tieren.“ Diese Kernkompetenzen werden im Rahmen dieser so genannten „Tiergestützten Interventionen“ gestärkt, indem hier erlebte, positive Erfahrungen auf den Alltag übertragen werden.

Schon Sigmund Freud stellte fest: „Das Kind gesteht dem Tiere ohne Bedenken die volle Ebenbürtigkeit zu; im ungehemmten Bekennen zu seinen Bedürfnissen fühlt es sich wohl dem Tiere verwandter als dem ihm wahrscheinlich rätselhaften Erwachsenen“. Der Urvater der Psychotherapie ahnte, dass Tiere gesundheitsfördernde und wohltuende Effekte auf Menschen, speziell auf Kinder, haben können. Besonders kleine Kinder reagieren stark auf Tiere, aber auch viele Erwachsene stellen fest, dass sie sich einem Vierbeiner oder Kleinsäuger ungezwungener zuwenden und anvertrauen. Viele sind im Austausch mit einem Tier auch achtsamer, sie bemühen sich um seine Aufmerksamkeit und reflektieren ihre Körpersprache.

Das Angebot an tiergestützten Therapien wächst. Um die Angebote von seriös ausgebildeten Personen oder Einrichtungen auf dem schnell wachsenden Markt von unseriösen unterscheidbar zu machen und die Qualität der Weiterbildung zu sichern, hat sich der „Berufsverband Tiergestützte Interventionen“ gegründet. Doch es geht nicht nur um Qualitätssicherung für die Ausbildung, sondern auch um das Wohlergehen der Tiere. Denn oft werden Tiere der Begegnung mit fremden Menschen einfach schutzlos ausgeliefert.

Ein Beispiel ist die Delfin-Therapie. Bei Delfinen ist artgerechte Haltung kaum möglich. Sie erleiden in Gefangenschaft Stress, Delfintherapie ist daher in Deutschland verboten. Aber auch für Meerschweinchen oder Kaninchen können Begegungen mit Menschen zu starkem Stress führen. Die Therapeuten achten daher darauf, dass nur Tiere eingesetzt werden, die von sich aus Kontakt zu Menschen aufnehmen. „Freiwilligkeit“ lautet die Devise. Das Tier muss sich jederzeit zurückziehen können.

Geeignet sind daher am ehesten „klassische“ Haustiere wie Hunde, außerdem Pferde. Bei Pferden ist die therapeutische Wirkung gut untersucht. Eine Studie der Universität Köln belegte, dass Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose von der Hippotherapie profitierten, einer speziellen Krankengymnastik auf dem Pferderücken. Auch in der Psychotherapie kann die Einbeziehung von Pferden „mit katalytischen Wirkungen auf therapeutische Prozesse einhergehen“, berichtet die Ärztezeitung über eine qualitative Studie von 2019, die auf Basis von Interviews mit sechs Therapeutinnen und 16 Patientinnen erstellt wurde. Kein Wunder: Pferde stehen für Stärke und Sanftheit zugleich. Im Alltag mit all seinen Unsicherheiten bieten sie einen Raum, in dessen Schutz sich nicht nur Kinder ungezwungen ausleben können.

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