Effizientes Eigenheim

Der unsanierte Altbau mit der Ölheizung aus den 1980er-Jahren ist bei den aktuellen Energiepreisen wortwörtlich ein Geldverbrenner. Aber wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, ist damit bald Schluss. Einsparpotenzial gibt es beim Thema Heizen jede Menge.

Illustration: Sara Nahid Abtahi
Illustration: Sara Nahid Abtahi
Julia Thiem Redaktion

Spätestens seit 2022 ist die Energieeffizienz der eigenen vier Wände nicht mehr nur eine Frage des grünen Gewissens, sondern auch eine des Geldbeutels. Schon im vergangenen Februar sind die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich gestiegen, bei importierter Energie um 129,5 Prozent, bei hierzulande erzeugter Energie um 68 Prozent, und Privathaushalte mussten mit einem Plus von 22,5 Prozent irgendwie zurechtkommen. Im Januar dieses Jahres sind dann die Erzeugerpreise für Erdgas noch einmal um knapp 51 Prozent, für Strom um über 27 Prozent und für Mineralölprodukte um knapp 13 Prozent gestiegen, rechnet das Statistische Bundesamt vor.

Für die Bundesbürgerinnen und -bürger wird das teuer, weil rund die Hälfte noch immer mit Gas, jeder vierte sogar noch mit Öl heizt. Auch deshalb will die Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energien in den deutschen Eigenheimen forcieren. Während Photovoltaik auf den Dächern für grünen Strom sorgt, sollen Wärmepumpen ab sofort das Heizen übernehmen – idealerweise flächendeckend. Denn schon im kommenden Jahr sollen keine konventionellen Öl- oder Gasheizungen mehr verbaut werden dürfen, dafür rund 500.000 neue Wärmepumpen pro Jahr. So lauten die ehrgeizigen Ziele auf Bundesebene. An einer Konkretisierung dieser Pläne sowie an entsprechenden Gesetzen wird aktuell gearbeitet.

Wärmepumpe für alle?

Wobei Papier wie immer geduldig ist. Denn zunächst müssen die Gerätehersteller überhaupt in der Lage sein, in diesen Größenordnungen zu produzieren, und auch Handwerker sind ohne Zusatzausgaben in dieser Dimension bereits heute schwer zu kriegen. In den ersten drei Quartalen 2022 wurden in Deutschland knapp 243.000 Wärmepumpen produziert, weist das Statistische Bundesamt aus. Das ist zwar immerhin ein Zuwachst von knapp 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, allerdings auch noch sehr deutlich vom Ziel der Bundesregierung entfernt.

Hinzu kommt, dass Wärmepumpen vor allem bei neuen Wohngebäuden die primäre Heizenergiequelle stellen. Bei Bestandsgebäuden sieht die Lage hingegen ganz anders aus. Die dort verbauten Heizkörper, in der Regel noch Konvektoren oder Radiatoren, brauchen viel höhere Wassertemperaturen, was die bisherigen Wärmepumpen oft nur mit mehr Strom und damit höheren Betriebskosten schaffen.

Illustration: Sara Nahid Abtahi
Illustration: Sara Nahid Abtahi
Illustration: Sara Nahid Abtahi
Illustration: Sara Nahid Abtahi

Technologie-Upgrade

Wobei es auch hier mittlerweile gute Neuigkeiten gibt: Die namhaften Hersteller haben mittlerweile Geräte entwickelt, die auch Wassertemperaturen zwischen 65 und 75 Grad schaffen und damit grundsätzlich auch ältere Heizkörper effizient erwärmen können. Hinzu kommt der Trend zum neuen Kältemittel „R290“. Das weist im Verhältnis zu den bisher verwendeten synthetischen Kältemitteln nicht nur eine höhere Energieeffizienz auf, sondern ist auch deutlich umweltfreundlicher (siehe unten).

Dennoch: Mit dem Go für eine Wärmepumpe gerade bei Bestandsgebäuden ist es für Hausbesitzer leider nicht getan. Der Weg zu Energieeffizienz ist hier deutlich vielschichtiger, als man auf den ersten Blick vermuten mag.

Energieeffizienz: Ein ganzheitliches Thema

Das Beispiel Wärmepumpe zeigt sehr deutlich: Eine neue Technologie macht noch kein energieeffizientes Zuhause. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren. Und genau die hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in seinem Projekt „WPsmart im Bestand – Wärmepumpenfeldtest – Fokus Bestandsgebäude und smarter Betrieb“ von Dezember 2014 bis Juli 2019 unter die Lupe genommen.

Dabei ging es vor allem um die Frage, welche Effizienzwerte elektrisch angetriebene Wärmepumpen bei unterschiedlich sanierten Bestandsgebäuden erreichen. Dafür wurden insgesamt 56 Wärmepumpen mit verschiedenen Wärmequellen untersucht, 42 davon in Einfamilienhäusern mit einer mittleren beheizten Fläche von 172 Quadratmetern. Die Quintessenz der Forscher: „Es ist keine Komplettsanierung auf einen energetischen Neubaustandard notwendig, um Wärmepumpen zweckmäßig in Bestandsgebäuden zu betreiben.“ Es habe aber auch Beispiele gegeben, welche die Grenzen für einen ökologisch zweckmäßigen Wärmepumpenbetrieb aufgezeigt haben. Daher empfehlen die Forscher, die Planung der Wärmepumpe möglichst mit einem Fahrplan zur Gebäudesanierung zu verbinden.

Rechtliche Vorgaben werden kommen

Gebäudesanierung ist hier ein wichtiges und dringliches Stichwort, sagt auch Barbara Metz von der Deutschen Umwelthilfe: „Wir müssen vor allem bei der Gebäudesanierung dringend schneller vorankommen, und zwar nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand. Der Gebäudesektor verschlingt fast ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland. Deshalb brauchen wir dringend ambitionierte und verbindliche sektorale Effizienzziele mit jahresscharfem Reduktionspfad.“ Die Deutsche Umwelthilfe fordert daher gemeinsam mit zwölf weiteren Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsverbänden in einem Brief an Bundeskanzler Scholz ein Gesetz zur Energieeffizienz – und zwar möglichst schnell.

Für Eigenheimbesitzer kann es aber schon viel früher konkret werden. Denn das EU-Parlament hat Mitte März verkündet, dass Wohngebäude in der EU bis 2033 aufwendig energetisch saniert werden sollen – mit erheblichen Kosten für die Besitzer. Die staatliche Förderbank KfW rechnet für Deutschland damit, dass die Kosten für die klimafreundliche Sanierung insgesamt rund 254 Milliarden Euro betragen könnten. Allerdings können Hausbesitzer wohl auf Förderungen vom Staat hoffen, auch wenn noch nicht feststeht, wie diese genau ausgestaltet werden.

Wider den Sanierungsstau

Auch deshalb ist es wichtig, dass Hausbesitzer sich mit dem Thema zeitnah auseinandersetzen. Denn nichts schadet dem eigenen Geldbeutel mehr als ein immenser Sanierungsstau, wenn rechtliche Vorgaben verbindlich werden.  Daher ist es ratsam, nach und nach die eigenen vier Wände zu modernisieren. Und vermutlich ist es dabei klug, in kleinen Schritten vorzugehen, etwa mit einem Invest in intelligente Thermostate. Sie sind in der Regel mit allen gängigen Heizkörpertypen kompatibel und können – smart verknüpft – bis zu 30 Prozent Energie einsparen. Zudem schaffen sie unter Umständen sogar ein Umdenken im Hinblick auf Energieverbrauch – etwa, indem sie per Push-Nachricht auf das Smartphone dafür sensibilisieren, dass die Heizung heruntergeregelt werden sollte, wenn ein Fenster offen ist.

Und genau dieses „Nudging“, also ein Anstoßen der Verbraucher, sei eine wichtige Maßnahme für mehr Energieeffizienz, sagt auch eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Der wichtigste Hebel für mehr Einsparungen setze am größten Problem des jetzigen Energiebewusstseins und -verhaltens an: Verbraucher haben keinen Einblick in ihren täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Verbrauch und anders als an der Tankstelle spürten oder sähen sie die tägliche Preisentwicklung nicht. „Regelmäßiges Feedback zum Energieverbrauch ist der Ausgangspunkt und kann mit weiteren Nudges wie der Selbstverpflichtung, einem sozialen Nachbarschaftsvergleich oder auch mit Energiespartipps kombiniert werden“, heißt es von den Studienmachern. Sogar der Gamification-Faktor wäre effektiver, wenn Verbraucher ein direktes Feedback zu ihrem Verhalten bekämen. Wettbewerbe würden zum Sparen anregen. Vielleicht werden dann bald die „modernste Wärmepumpe“ oder die „umfangreichste Sanierungsmaßnahme“ der Straße prämiert. Gut für Umwelt und Geldbeutel wäre es allemal.

 

Kein Kühl-, sondern ein Kältemittel

Kühlmittel, Kältemittel – ist das nicht dasselbe? Nein! Ein Kühlmittel kann Kälte lediglich transportieren, respektive Wärme abführen, ein Kältemittel kann Kälte hingegen erzeugen. Genau diese Eigenschaft machen sich die Wärmepumpen zu nutze. Das Kältemittel gelangt in flüssiger Form in einen Verdampfer, wo es genau das tut und dabei latent Wärme aufnimmt. Der Verdampfer ist dabei der Wärmeüberträger, der Wärme aus der Umgebung aufnehmen kann. Anschließend wird das gasförmige Kältemittel komprimiert, wird also wieder flüssig, und gibt die gespeicherte Wärme wieder ab. Im Gegensatz dazu funktioniert der Kühlkreislauf eines Autos mit einem Kühlmittel, das sich durch den Motor aufheizt und die Wärme anschließend an die kühlere Umgebung abgibt.

F-Gase-Verordnung

Wer als Hausbesitzer mit einer Wärmepumpe liebäugelt, sollte schon einmal was von der EG-VO 517-2014 gehört haben. Diese EU-Verordnung, auch als F-Gase-Verordnung bekannt, zielt darauf ab, den Industriesektor umweltfreundlicher zu gestalten, indem die Emissionen durch teilfluorierte Treibhausgase gesenkt werden. Das betrifft auch Wärmepumpen, die häufig auf synthetische Kältemittel wie PFAS (per- und polyflourierte Chemikalien) zurückgreifen. PFAS ist umweltschädlich und ein Verbot in der Diskussion. Auch deshalb stellen immer mehr Hersteller ihre Wärmepumpen auf das Kältemittel R290 (Propan) um. R290 gilt als zukunftssicherer Ersatz für synthetische Kältemittel, weshalb es sicherlich ratsam ist, bei einer Neuanschaffung bereits darauf zu achten.

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