Herr Funk, Herr Dr. Stenzel, worum geht es bei der Cogthera-App?
Stenzel: Die App wurde entwickelt für Menschen mit einer leichten kognitiven Störung – auch MCI genannt, kurz für Mild Cognitive Impairment – oder einer leichten Alzheimer-Demenz. Das betrifft vor allem ältere Personen ab rund 50 Jahren. Unsere App kann das Gedächtnis der Betroffenen nachweislich verbessern – sie ist kein Allheilmittel, sondern ein Baustein in der Demenzbehandlung.
Welche medizinischen Erkenntnisse stehen dahinter?
Stenzel: Wir arbeiten mit dem Meta-Memory-Ansatz, der alle drei Arten des Gedächtnisses berücksichtigt: Das sensorische, das Arbeits- und das Langzeitgedächtnis. Diese Methode wirkt nachhaltig, weil sie den Transfer in den Alltag ermöglicht. Herkömmliches Gedächtnistraining fokussiert meist nur auf einen Aspekt. Wer beispielsweise regelmäßig Sudokus löst, wird seine kognitiven Fähigkeiten insgesamt nicht verbessern – sondern besser im Lösen von Sudokus werden. Es ist wie beim Sport: Übungen, die ausschließlich den Bizeps stärken, fördern die Leistungsfähigkeit des Körpers viel weniger als ein ganzheitliches, funktionelles Training für den gesamten Bewegungsapparat.
Ist der Nutzen des Meta-Memory-Ansatzes wissenschaftlich belegt?
Funk: Ja. Die Grundidee haben drei südkoreanische Wissenschaftler maßgeblich entwickelt und die Wirksamkeit in Studien nachgewiesen. Nach der Validierung in diversen analogen Settings kam der Gedanke auf, alltägliche digitale Tools zu nutzen – Smartphones.
Kommen die Menschen Ihrer Zielgruppe damit denn klar?
Funk: Ihre digitale Affinität ist weniger stark ausgeprägt, daher funktioniert der klassische Aufbau vieler Apps nicht: Click and Play, von einem Screen zum nächsten springen, viele Tasten drücken. Das haben unsere mehr als 200 User-Tests klar gezeigt. Unsere App lässt sich daher intuitiv nutzen: Sie operiert nahezu vollständig mit Sprache und sagt den Anwendern, was sie wissen müssen und tun sollen.
Was bietet die App den Nutzern konkret?
Stenzel: Sie fördert das Gedächtnis nach drei Prinzipien: Im Bereich Educating, also Aufklären, erklärt sie, wie das Gedächtnis aufgebaut ist, im Bereich Exercising, dem Üben, trainieren die Anwender Gedächtnisstrategien ein, das als Equipping bezeichnete Befähigen schließlich hilft ihnen, das Erlernte im Alltag anzuwenden.