Nur ganzheitliches Gedächtnistraining ist effektiv

Wie die App von Cogthera bei leichter kognitiver Beeinträchtigung und leichter Alzheimer-Demenz helfen kann, erklären CEO Hannes Funk und CPO Dr. Lukas Stenzel.

CEO Hannes Funk und CPO Dr. Lukas Stenzel.
CEO Hannes Funk und CPO Dr. Lukas Stenzel.
Cogthera Beitrag

Herr Funk, Herr Dr. Stenzel, worum geht es bei der Cogthera-App?

Stenzel: Die App wurde entwickelt für Menschen mit einer leichten kognitiven Störung – auch MCI genannt, kurz für Mild Cognitive Impairment – oder einer leichten Alzheimer-Demenz. Das betrifft vor allem ältere Personen ab rund 50 Jahren. Unsere App kann das Gedächtnis der Betroffenen nachweislich verbessern – sie ist kein Allheilmittel, sondern ein Baustein in der Demenzbehandlung.
 

Welche medizinischen Erkenntnisse stehen dahinter?

Stenzel: Wir arbeiten mit dem Meta-Memory-Ansatz, der alle drei Arten des Gedächtnisses berücksichtigt: Das sensorische, das Arbeits- und das Langzeitgedächtnis. Diese Methode wirkt nachhaltig, weil sie den Transfer in den Alltag ermöglicht. Herkömmliches Gedächtnistraining fokussiert meist nur auf einen Aspekt. Wer beispielsweise regelmäßig Sudokus löst, wird seine kognitiven Fähigkeiten insgesamt nicht verbessern – sondern besser im Lösen von Sudokus werden. Es ist wie beim Sport: Übungen, die ausschließlich den Bizeps stärken, fördern die Leistungsfähigkeit des Körpers viel weniger als ein ganzheitliches, funktionelles Training für den gesamten Bewegungsapparat.
 

Ist der Nutzen des Meta-Memory-Ansatzes wissenschaftlich belegt?

Funk: Ja. Die Grundidee haben drei südkoreanische Wissenschaftler maßgeblich entwickelt und die Wirksamkeit in Studien nachgewiesen. Nach der Validierung in diversen analogen Settings kam der Gedanke auf, alltägliche digitale Tools zu nutzen – Smartphones.
 

Kommen die Menschen Ihrer Zielgruppe damit denn klar?

Funk: Ihre digitale Affinität ist weniger stark ausgeprägt, daher funktioniert der klassische Aufbau vieler Apps nicht: Click and Play, von einem Screen zum nächsten springen, viele Tasten drücken. Das haben unsere mehr als 200 User-Tests klar gezeigt. Unsere App lässt sich daher intuitiv nutzen: Sie operiert nahezu vollständig mit Sprache und sagt den Anwendern, was sie wissen müssen und tun sollen.
 

Was bietet die App den Nutzern konkret?

Stenzel: Sie fördert das Gedächtnis nach drei Prinzipien: Im Bereich Educating, also Aufklären, erklärt sie, wie das Gedächtnis aufgebaut ist, im Bereich Exercising, dem Üben, trainieren die Anwender Gedächtnisstrategien ein, das als Equipping bezeichnete Befähigen schließlich hilft ihnen, das Erlernte im Alltag anzuwenden.

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Hannes Funk ist CEO von Cogthera. Zuvor hat er in diversen Managementpositionen im Finanzbereich eines großen deutschen Technologieunternehmens gearbeitet.
Hannes Funk ist CEO von Cogthera. Zuvor hat er in diversen Managementpositionen im Finanzbereich eines großen deutschen Technologieunternehmens gearbeitet.
Dr. Lukas Stenzel ist CPO von Cogthera. Er hat an der Universität Halle über app-basierte Interventionen promoviert und das Start-up Mindance mitgegründet.
Dr. Lukas Stenzel ist CPO von Cogthera. Er hat an der Universität Halle über app-basierte Interventionen promoviert und das Start-up Mindance mitgegründet.

Wie sieht das Training aus?

Stenzel: Unter anderem lernen die User in spielerischen Übungen Wortlisten auswendig. Dabei greifen sie etwa auf Verknüpfungstechniken zurück und bilden mithilfe ihrer Vorstellungskraft aus mehreren Wörtern eine Geschichte. Eine andere Übung simuliert das Einkaufen mit vielen potenziell störenden Hintergrundgeräuschen. Die Anwender sollen sich in die Rolle des Kassierers hineinversetzen und sich die verschiedenen Waren merken. Bei einer dritten Übung präsentiert die App zu einzelnen Wörtern ein eigentlich unpassendes Bild: Beispielsweise wird der Begriff „Ziegelstein“ verbunden mit der Darstellung eines Ziegelsteins in einer Waschmaschine – die ungewöhnliche Verknüpfung verankert das Wort tiefer im Gedächtnis und erleichtert den Abruf.
 

Ist die Cogthera-App in Deutschland als digitale Gesundheitsanwendung, kurz DiGA, anerkannt?

Funk: Noch nicht, aber wir befinden uns in den allerletzten Schritten unserer Bewerbungsvorbereitung und hoffen, im zweiten Halbjahr 2026 als vorläufige DiGA gelistet zu werden. Als DiGA werden die Kosten der App dann bei einer entsprechenden ärztlichen Diagnose und Verschreibung von den Krankenkassen übernommen.

cogthera.de

 

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