E-Health: Smart am Start

Best Ager wollen heute möglichst lange gesund, mobil und autonom bleiben. Digitale Begleiter wie Wearables, Gesundheits-Apps, E-Bikes – aber auch Hightech-Rollatoren und moderne Elektrorollstühle – helfen dabei.

Illustrationen: Laura Neuhäuser
Illustrationen: Laura Neuhäuser
Silke Amthor Redaktion

Dass das Altern ein eher schleichender Prozess ist, erleben die meisten von uns. Obwohl wir uns eigentlich noch ganz fit fühlen, muckt das Knie plötzlich nach einer längeren Wanderung und die 25-Jährige vor uns erklimmt die Treppe deutlich leichtfüßiger. Das Herz schlägt manchmal mit seltsamen Extra-Beats, ohne Lesebrille sind wir inzwischen aufgeschmissen und der Schlaf war auch schon mal besser. Auch wenn der Alterungsprozess bereits ab dem 20. Lebensjahr beginnt – ab 50 spüren ihn die meisten auch im Alltag. Anfangs moderat, später dann deutlicher. Was fast alle Best Ager eint: Sie wollen keinen ruhigen „Lebensabend“ zu Hause mit Kreuzworträtseln verbringen, sondern so lange wie möglich körperlich und geistig fit, unabhängig und mobil bleiben und auch mit der einen oder anderen gesundheitlichen Einschränkung selbstbestimmt leben und den Alltag aktiv managen. Statt Krankheit und Pflegebedürftigkeit stehen heute in der Generation 50+ Prävention, Mobilität und Lebensqualität, aber auch Technik-Kompetenz und digitale Teilhabe im Vordergrund. E-Health (Electronic Health) mit innovativen smarten Helfern spielt dabei eine wichtige Rolle.
 

KLEINE CHECKER: WEARABLES & SMARTE SHIRTS


Eine Säule von E-Health sind Wearables, kleine elektronische Geräte, die man direkt am Körper trägt. Neben Fitnesstrackern sind Smartwatches besonders beliebt. Laut einer Bitkom-Studie trägt fast ein Drittel aller 50- bis 64-Jährigen bereits eine Smartwatch am Handgelenk. Geräte der neuesten Generation verfügen neben dem klassischen Aktivitätstracking über zahlreiche Health-Funktionen wie etwa eine kontinuierliche Herzfrequenz- und Blutdruckmessung, die Möglichkeit, Vorhofflimmern zu erkennen, oder die Analyse von Schlafphasen und -mustern. Einige Smartwatches messen kontinuierlich die Körpertemperatur sowie die Sauerstoffsättigung im Blut und haben oft auch eine Sturzerkennung mit automatischer Notruffunktion eingebaut. Dass so eine Uhr weit mehr als ein tolles Trend-Accessoire ist, bestätigt auch der Kardiologie-Professor Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung: „Moderne Smartwatches entwickeln sich zunehmend in Richtung kleiner medizinischer Diagnosegeräte. Sie können helfen, den Herzrhythmus kontinuierlich aufzuzeichnen und dabei einen unregelmäßigen Herzschlag festzustellen, der auf Vorhofflimmern hindeutet.“ Wichtig dabei: Die Geräte sollen den Arzt nicht ersetzen, sondern  ergänzen. „Nur er kann aus den Messungen die richtigen Schlüsse für die weitere Diagnostik und Therapie ziehen“, so der Herz-Spezialist. Im Hinblick auf die kommenden Jahre sollte man beim Kauf unbedingt auf benutzerfreundliche Wearables setzen, die mit großen, gut lesbaren Displays, einfacher intuitiver Navigation und langer Batterielaufzeit punkten.

Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch smarte Bekleidung. Statt eines lästigen Brustgurts gibt es heute Sport-BHs mit winzigen integrierten digitalen Sensoren, die die Herzfrequenz überwachen. Ähnlich einer Smartwatch agieren Hightech-Fitness-Shirts, die ein EKG aufzeichnen können, Atemfrequenz und -volumen sowie die Schlafqualität überwachen. Interessant für alle, die schnell mal frösteln, sind beheizbare Unterwäsche und Socken, die sich über eine App auf dem Smartphone steuern lassen. Und wer auf Yoga setzt, für den gibt es eine mit Sensoren versehene Yoga-Hose, die vibriert, wenn man eine Übung nicht korrekt ausführt.

Illustrationen: Laura Neuhäuser
Illustrationen: Laura Neuhäuser
Illustrationen: Laura Neuhäuser
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GESUNDHEITS-APPS AUF REZEPT: DIGA


Neben Wearables nutzen Best Ager vor allem Smartphones und Computer, wenn es um die Gesundheit geht. In einer Online-Befragung der Uni Potsdam und der MSH Medical School Hamburg 2025 von 206 Personen im Alter von 50 bis 82 Jahren gaben rund 53 Prozent an, ihren Computer für gesundheitliche Zwecke zu nutzen, zwei Drittel der Befragten setzen dafür auf ihr Smartphone. Beispielsweise für DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen), die Deutschland 2020 als erstes Land überhaupt einführte. Dahinter verbergen sich Gesundheits-Apps auf Rezept, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Dafür müssen sie vorher vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Sicherheit, Risiko und natürlich den Nutzen für den Patienten geprüft und zugelassen werden. Besonders viele dieser Health-Apps wie etwa „deprexis“ oder „Invirto“ zielen auf psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Ängste, sollen die oft lange Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder – im besten Fall – Face-to-face-Sitzungen beim Psychologen ganz überflüssig machen. Beim Management von weit verbreiteten chronischen Erkrankungen wie Diabetes (rund 8,9 Millionen Betroffene in Deutschland) können DiGA wie „Vitadio“, „zanadio“ oder „HelloBetter Diabetes“ eine Hilfe sein. Mit digitalen Tagebüchern, Videos und personalisierten Empfehlungen möchten sie zu einer Lebensstiländerung in Sachen Ernährung und Bewegung anregen, manche der Apps bieten auch ein persönliches Coaching mit Diabetes-Beratern per Chat oder Telefon an. Einige sind kompatibel mit modernen digitalen CGM-Messsystemen (Continuous Glucose Monitoring) und können so Blutzuckerwerte in Echtzeit anzeigen, analysieren und notfalls Alarm schlagen, andere lassen sich mit Fitnesstrackern oder Smartwatches koppeln.
 

GEGEN DEN STILLSTAND: E-BIKES, ROLLATOREN & CO.


Mobil bleiben – auch dafür gibt es viele digitale Helfer. Wem das Radeln mit einem herkömmlichen Fahrrad aus unterschiedlichen Gründen schwerfällt, dem kann ein E-Bike helfen. Im Jahr 2024 besaßen laut einer E.ON-Umfrage 27,4 Prozent aller 50- bis 64-Jährigen ein E-Bike oder Pedelec, bei den über 65-Jährigen waren es sogar 27,7 Prozent. Bei der Auswahl sollten Menschen der Generation 50+ auf ein paar Dinge achten: Ein Tiefrahmen erleichtert den Einstieg, die Sitzposition sollte aufrecht sein, um Gelenke und Rücken zu entlasten. Wichtig sind zudem gut sichtbare Anzeigen und eine einfache Steuerung, eventuell auch mit App-Integration. Da E-Bikes durch Motor und Akku rund 6 bis 10 Kilogramm schwerer als klassische Fahrräder sind, kann eine integrierte Schiebehilfe für längere Bergauf-Strecken oder Treppen sinnvoll sein. Für Menschen mit Gleichgewichtsproblemen gibt es auch E-Bikes mit drei Rädern. Immer smarter werden auch Rollatoren und Rollstühle. Die können manchmal auch bei relativ guter Gesundheit nötig sein, etwa nach einer OP oder zur Prävention. E-Rollatoren mit bis zu 10 Kilometer Akku-Reichweite sind zwar mit rund 15 Kilogramm keine Leichtgewichte, können aber dank ihres elektrischen Antriebs Steigungen, Bordsteine und längere Wege müheloser machen – und das sogar mit schweren Einkäufen. Mit an Bord sind oft eine intuitive Bedienung mit großen Symboltasten und für mehr Sicherheit ein integriertes Notrufsystem sowie GPS-Ortung. Wer permanent oder temporär auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kennt das Problem: Bei hohen Bordsteinen, einer Treppe, unebenen Waldpfaden oder einem Sandstrand endet die Fahrt. High-End-Elektrorollstühle mit Raupen- und Allrad-Antrieb können solche Barrieren überwinden. Nachteile: Solche Geräte ähneln in Aussehen, Gewicht und Platzbedarf kompakten Geländemodellen, passen nicht zu jeder Treppenstufe – und sind mit 15.000 bis über 30.000 Euro ganz schön teuer. Auch wenn solche Lösungen ihre Grenzen haben, zeigen sie doch, wie sehr moderne Technik unseren Spielraum für ein aktives Alter bereits erweitert. Und keine Sorge: Man muss kein Technikprofi sein. Ein wenig Neugier reicht oft, um digitale Helfer zu entdecken, die den Alltag spürbar leichter machen.

 

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