Technik muss begreifbar werden

Sophie Charlotte Keunecke forscht an Mensch-Roboter-Zusammenarbeit – und zeigt, wie frühe Einblicke junge Menschen für MINT begeistern können.

Die Mechatronikerin Sophie Charlotte Keunecke, 30, forscht am Lehrstuhl und Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik der RWTH Aachen.
Die Mechatronikerin Sophie Charlotte Keunecke, 30, forscht am Lehrstuhl und Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik der RWTH Aachen.
Casio-Projekt „Women do Science“ Beitrag

Frau Keunecke, Sie sind Promovendin an der RWTH Aachen und forschen an der Integration und sicheren Zusammenarbeit von Mensch und Roboter. Gleichzeitig engagieren Sie sich im Projekt „Women do Science“. Woher kommt Ihre Begeisterung für Technik?

Die war immer da. Dieses typische: anfassen, ausprobieren, auch mal Dinge zerlegen, die man vielleicht nicht hätte zerlegen sollen. Wichtig war aber auch mein Umfeld. Meine Mutter hat mich unterstützt und mir gezeigt, was möglich ist. Und es gab an meiner Schule eine Roboter-AG – da konnten wir mit Lego-Systemen arbeiten, hatten Ziele, aber konnten alles selbst ausprobieren. Wir konnten im Prinzip nichts falsch machen, genau das hat den Spaß ausgemacht.
 

War Ihr Weg von Anfang an klar?

Überhaupt nicht. Ich habe viel recherchiert, wusste aber nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Dann bin ich über eine Berufsübersicht auf den Begriff Ingenieur gestoßen – und plötzlich war da ein Bild mit genau den Robotern, die ich kannte. Da habe ich gemerkt: Das passt. Von da aus habe ich angefangen zu vergleichen und mich bewusst für Mechatronik entschieden.
 

Gab es auch Gegenwind?

Ich erinnere mich an eine Mitschülerin, die früh Maschinenbau machen wollte und dafür schräg angeschaut wurde. Und auch später habe ich erlebt, dass Mädchen sagten: „Das ist nichts für mich.“ Oder dass ihnen sogar eingeredet wurde, sie könnten das nicht. Da fehlt oft einfach Wissen darüber, was hinter diesen Berufen steckt.
 

Was hätte Ihnen damals geholfen?

Mehr Information und mehr Einblicke. Man kennt Lehrer oder Ärzte, aber was Ingenieurinnen konkret machen, ist für viele sehr abstrakt. Deshalb ist es so wichtig, dass jemand vor einem steht und erzählt, wie der eigene Weg aussieht. Das ist nur ein Beispiel, aber es gibt einen Einstieg.
 

Wie lässt sich Interesse für MINT wecken?

Durch Sichtbarkeit und eigenes Ausprobieren. Ein kurzer Vortrag reicht nicht. Die Leute müssen etwas machen können. Wenn Schülerinnen selbst einen Roboter programmieren oder sehen, wie Sensoren funktionieren, merken sie plötzlich: Ich kann das ja. Dieses Erlebnis ist entscheidend.
 

Ist das auch Ihre Motivation für „Women do Science“?

Ja, absolut. Ich habe schon im Studium viel in Schulen gearbeitet, AGs geleitet, Workshops gemacht. Mir hat das immer Spaß gemacht, vorne zu stehen und zu zeigen, wie Technik funktioniert. Bei „Women do Science“ geht es genau darum: sich zeigen, den eigenen Alltag sichtbar machen und erklären, warum das Spaß macht.
 

Was möchten Sie den Schülerinnen mitgeben?

Ich will niemanden in eine Richtung drängen, sondern zeigen: Das ist eine Möglichkeit. Schau es dir an, probier es aus. Wenn man einmal versteht, wie etwas funktioniert, entsteht oft ganz von allein Interesse.
 

Woran arbeiten Sie aktuell?

Ich beschäftige mich viel mit Cobots, also Robotern, die direkt mit Menschen zusammenarbeiten. Unser IDEA-Projekt zielt darauf ab, Menschen mit körperlichen Einschränkungen stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Robotik soll unterstützen, nicht ersetzen.
 

DIE WELT DER WISSENSCHAFT STEHT ALLEN OFFEN

Roboter programmieren, Klimamodelle analysieren oder neue Materialien erforschen: Die Welt der MINT-Berufe ist vielfältig – doch Frauen sind dort noch immer unterrepräsentiert. Das Projekt „Women do Science“, initiiert von Casio, soll dieses Manko ändern. Es zielt darauf ab, Mädchen und junge Frauen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Im Mittelpunkt stehen Begegnungen mit Wissenschaftlerinnen, die Einblicke in ihre Arbeit geben und von ihrem eigenen Werdegang erzählen. In Workshops, bei Schulbesuchen und auf Messen wird experimentiert, erklärt und diskutiert. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um die Erfahrung, dass Interesse wachsen kann. Durch Ausprobieren, Neugier und Vorbilder, die zeigen, wie unterschiedlich Wege in die Wissenschaft aussehen können – inklusive Umwegen. Das Projekt startete 2025 als Pilot in Nordrhein-Westfalen, mittlerweile wird es bundesweit ausgebaut.

casio-education.de/women-do-science/
 

Karriere
Juli 2025
Jonas Treixler, Geschäftsführer von SKOLAWORK, hat MBA-Abschlüsse in Health Management sowie BGM und einen Bachelorabschluss in Sportwissenschaften.
Beitrag

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