»Zukunftssichere Prävention: Arbeitsmedizin neu denken«

Betriebe finden oft keinen Betriebsarzt – vor allem auf dem Land. Wie Telemedizin helfen kann, Versorgung zu sichern, und warum moderne Technik kein Widerspruch zum persönlichen Kontakt ist.

Dr. med. Cornelius Weiß, Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin und Sprecher des Medizinbeirats der Arsipa Gruppe
Dr. med. Cornelius Weiß, Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin und Sprecher des Medizinbeirats der Arsipa Gruppe
Arsipa Beitrag

Herr Dr. Weiß, die Belastung in Unternehmen steigt, gleichzeitig fehlen vielerorts Arbeitsmediziner. Wie erleben Sie die Situation?

Die Lage ist angespannt und wird sich weiter verschärfen. Wir haben einen deutlichen Mangel an Arbeitsmedizinern, und die Altersstruktur verschärft das zusätzlich. Viele stehen kurz vor dem Ruhestand, während der Nachwuchs nur langsam nachkommt. Gleichzeitig steigt der Bedarf, weil Arbeitsprozesse komplexer werden und Unternehmen stärker in der Verantwortung stehen. Besonders schwierig ist die Situation für kleine und mittlere Betriebe außerhalb der Ballungsräume. Dort finden viele Unternehmen schlicht keinen Betriebsarzt mehr – selbst dann nicht, wenn sie aktiv suchen. 
 

Was bedeutet das konkret für die Unternehmen – gerade mit Blick auf ihre gesetzlichen Pflichten?

Es entsteht ein echtes Dilemma. Die Unternehmen sind verpflichtet, arbeitsmedizinische Vorsorge sicherzustellen, und viele sehen das glücklicherweise auch darüber hinaus als ihre Verantwortung, aber in der Praxis scheitert es oft daran, dass sie niemanden finden, der sich den Bedürfnissen des Unternehmens flexibel anpassen kann. Das heißt: Sie wollen, aber sie können nicht. Gerade kleinere Betriebe investieren viel Zeit in die Suche, sprechen verschiedene Anbieter an und versuchen, Lösungen zu organisieren – und stehen am Ende dennoch ohne Versorgung da. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem, das sich zunehmend verschärft.
 

Viele sprechen von Telemedizin. Wo kann sie konkret entlasten?

Wir werden das Problem nicht kurzfristig durch mehr Ärzte lösen, das dauert Jahre. Deshalb müssen wir vorhandene Ressourcen besser nutzen. Telemedizin kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Sie ermöglicht es, Beratungsgespräche, oder wiederkehrende Vorsorgen ortsunabhängig durchzuführen. Das spart Wege, verkürzt Wartezeiten und erhöht die Reichweite der bestehenden Strukturen. Nicht nur für Betriebe in ländlichen Regionen ist das relevant, sondern auch für große, modern organisierte Betriebe mit viel Remote-Arbeit oder vielen deutschlandweit verteilten Filialen. Viele dieser Mitarbeiter bekommen erst durch Telemedizin wieder standardmäßigen Kontakt zur arbeitsmedizinischen Versorgung, das wird von vielen unterschätzt.
 

Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es inzwischen dafür?

Die Rahmenbedingungen haben sich in jüngster Vergangenheit glücklicherweise weiterentwickelt. Bestimmte Leistungen können heute auch digital erbracht werden, insbesondere im Bereich der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Gleichzeitig ist klar geregelt, wo die Grenzen liegen. Sobald bestimmte Diagnostiken erforderlich sind oder sich im Gespräch Hinweise auf gesundheitliche Auffälligkeiten ergeben, muss auch der persönliche Kontakt möglich sein. Diese Abgrenzung ist wichtig, um Qualität und Sicherheit zu gewährleisten und Vertrauen in die neuen Formate zu schaffen.
 

Wo liegt also der richtige Mix?

Es geht nicht um Ersatz, sondern um Ergänzung. Die Zukunft liegt in hybriden Modellen. Telemedizin kann viele standardisierte Prozesse effizient abbilden und Kapazitäten freimachen. Viele Unternehmen und Arbeitnehmer schätzen das sehr, gerade auch in eher klassischen produzierenden Großbetrieben, die sich so modern aufstellen wollen. Am Ende entscheidet immer der Arzt, ob ein Fall digital ausreichend betreut werden kann oder ob eine persönliche Untersuchung notwendig ist. Diese ärztliche Verantwortung bleibt zentral.
 

Können Sie das an einem Beispiel konkret machen?

Bleiben wir bei unserem produzierenden Großbetrieb: Nehmen wir eine wiederkehrende Vorsorge bei möglicher Belastung durch Schweißrauche. In vielen Fällen handelt es sich um eine Routine-Nachuntersuchung, die sich gut digital begleiten lassen. Wenn sich dabei jedoch Hinweise ergeben, dass sich der Gesundheitszustand verändert hat, reicht das digitale Setting nicht mehr aus. Dann erfolgt eine weiterführende Diagnostik. Telemedizin ist hier ein sinnvoller Einstieg, aber kein Ersatz für die Untersuchung vor Ort. 
 

Was sollten Unternehmen jetzt konkret tun, um ihre arbeitsmedizinische Versorgung langfristig abzusichern?

Unternehmen müssen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage – die herausfordernd bleiben wird – sich auch in diesem Aspekt modern und zukunftssicher aufstellen. Sie sollten ihre Arbeitsplätze genau analysieren und prüfen, welche Anforderungen bestehen. Wir bei der Arsipa helfen dabei bundesweit und entwickeln darauf aufbauend individuelle Lösungen. Ziel ist ein durchdachtes Zusammenspiel der beiden Ansätze Digital und Präsenz. Wer frühzeitig beginnt, solche Strukturen aufzubauen, stellt sich modern und effizient auf, kann Versorgungslücken besser schließen und gleichzeitig sicherstellen, dass Qualität und gesetzliche Anforderungen eingehalten werden. Auch in Zukunft.
 

ARSIPA: ARBEITSMEDIZIN DIGITAL UND VOR ORT

Arsipa kombiniert deutschlandweit mit über 70 Standorten klassische arbeitsmedizinische Betreuung mit digitalen Lösungen. Ziel ist es, Unternehmen bestmöglich zukunftssicher aufzustellen. Kern des Ansatzes ist ein hybrides Modell: Standardisierte Vorsorgen, Beratungen und Anamnesen können digital erfolgen, während alle medizinisch notwendigen Untersuchungen weiterhin vor Ort stattfinden können. So sollen Wege verkürzt, Termine schneller verfügbar gemacht und bestehende Kapazitäten effizienter genutzt werden.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie können ihre gesetzlichen Pflichten verlässlicher erfüllen, ohne auf Qualität zu verzichten. Gleichzeitig bleibt die ärztliche Entscheidungshoheit gewahrt – jede digitale Konsultation kann bei Bedarf in eine persönliche Untersuchung überführt werden. Arsipa setzt damit auf ein Zusammenspiel aus Telemedizin und klassischer Betreuung, um Versorgungslücken zu schließen und arbeitsmedizinische Versorgung effizient langfristig abzusichern.

arsipa.de
 

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