Netzwerken der Zukunft

Netzwerken wird oft als oberflächlich, anstrengend und nur für Extrovertierte angesehen – und gerade für Frauen oft eine Hürde. Doch ich bin der Meinung: Netzwerken kann Spaß machen und uns enorm beflügeln. Das WIE ist entscheidend. Zeit für einen Perspektivwechsel.

BIRGIT AMELUNG, Gründerin der Beratungsagentur AWAKE und des Frauennetzwerks The HER KLUB
BIRGIT AMELUNG Gründerin der Beratungsagentur AWAKE, und des Frauennetzwerks The HER KLUB
Birgit Amelung Redaktion

Als Gründerin eines Frauennetzwerks, einer Beratungsagentur und seit über einem Jahrzehnt selbstständige Unternehmerin habe ich mir über die Jahre ein starkes Netzwerk aufgebaut, das ich als äußerst wertvoll empfinde. Mein Netzwerk trägt maßgeblich zu meinem beruflichen Erfolg und vor allem auch zu meiner persönlichen Entwicklung bei. Als ich mich mit Mitte 20 selbstständig gemacht habe, empfand ich das klassische Networking eher als anstrengend. Mittlerweile macht es mir Freude und ist eins meiner Kernthemen geworden. Auch, weil ich verstanden habe, dass Netzwerken sehr vielfältig ist und ich es so betreiben kann, dass ich mich damit wohlfühle! Es geht nicht primär um Selbstvermarktung, vielmehr geht es um echte Verbindung, beflügelnden (Wissens-)Austausch und wertvolle Impulse – und das kann über so viele unterschiedliche Kanäle stattfinden. Wir müssen dafür nicht extrovertiert sein oder Event-Marathons betreiben. Deshalb bin ich überzeugt: Jede:r kann netzwerken!

Netzwerken ist lebensverlängernd. Diese These habe ich kürzlich auf einem Panel bei Google im Rahmen einer Veranstaltung meines Frauennetzwerks geteilt. Kurz zuvor hatte ich die Netflix-Dokumentation „Wie wird man 100 Jahre alt? Die Geheimnisse der Blue Zones“ angeschaut und fand es faszinierend zu erfahren, wie sehr ein starkes Netzwerk auf unsere Langlebigkeit einzahlt. Die 'Blue Zones' sind 5 Regionen auf der Welt, wo Menschen überdurchschnittlich lange und gesund leben. Dabei spielen – neben u. a. Ernährung und Bewegung – starke soziale Bindungen und Unterstützung eine zentrale Rolle. Durch regelmäßigen Austausch mit anderen Menschen fördern wir nicht nur unser psychisches Wohlbefinden, sondern auch unsere Gesundheit. Sich austauschen, gemeinsam zu lachen und Zeit zu verbringen trägt enorm zu unserer Vitalität bei.

Genau das ist in meinen Augen Netzwerken: Es geht darum, echte und nachhaltige Verbindungen aufzubauen. Und das macht auch viel mehr Spaß als nur das Einsammeln von (digitalen) Visitenkarten. Ich erlebe es immer häufiger, dass wir uns nicht mehr profilieren müssen, um erfolgreich zu sein. Authentizität ist der Schlüssel zu wahrhaftigen Verbindungen.
Statt nur um das „Was machst du?“ zu kreisen, sollten wir uns vielmehr dem „Wer bist du?“ widmen. Frage dich also, bevor du in ein Gespräch gehst: Was sind meine Stärken? Wofür stehe ich? Was bewegt mich aktuell? Wo wünsche ich mir Unterstützung und wo kann ich unterstützen? Und Voilà – schon ist die Gesprächsgrundlage eine ganz andere – dein Gegenüber wird es dir danken. „Muss ich denn überhaupt noch ‚offline‘ Netzwerken, reicht denn nicht mein LinkedIn-Profil?“ magst du dich jetzt fragen. Dazu habe ich eine klare Haltung: LinkedIn & Co. mögen beim Aufbau eines Netzwerks hilfreich sein, haben aber keinen Einfluss auf die tatsächliche Qualität unserer Beziehungen. Digitale Medien können zwischenmenschliche Begegnungen nicht ersetzen. Ziel ist es, ‚in real life‘ authentische Verbindungen zu knüpfen ohne uns dabei selber unter Druck zu setzen.

Das Schöne: Netzwerken kann ganz individuell vonstatten gehen. Ich sage immer: Such dir die Gelegenheiten, die zu dir passen! Das muss nicht automatisch die trubelige Abendveranstaltung oder große Bühne sein. Netzwerken geht auch klein und fein, im 1:1 Gespräch mit Kollegen und Kolleginnen, beim Mittagessen, indem ich mich im Unternehmen intern engagiere oder im Verein. Qualität schlägt Quantität beim Aufbau belastbarer Beziehungen: Während viele oberflächliche Kontakte zwar eine breite Palette an Bekanntschaften bieten können, sind es letztendlich die tiefen, bedeutungsvollen Beziehungen, die uns emotionale Stabilität und langfristige Zufriedenheit bringen. Und das gilt im beruflichen und privaten Kontext gleichermaßen. Wie können wir es also schaffen, mit mehr Leichtigkeit zu netzwerken und damit eine neue Haltung einzunehmen? Ganz einfach: Indem wir einfach mal die Agenda rausnehmen. Denn wenn wir ohne Erwartungen und dafür mit Neugier an die Sache herangehen, entstehen bereichernde Verbindungen von ganz allein. Und ein langes Leben gibt’s als Bonus noch dazu.
 

Über die Autorin

Birgit Amelung ist Gründerin der Beratungsagentur AWAKE und des Frauennetzwerks The HER KLUB, das landesweit Events und Workshops organisiert und mit der E-Learning-Plattform HER KLUB HOUSE Frauen in ihrem persönlichen und beruflichen Wachstum unterstützt. Amelung hostet außerdem den Podcast CONNECT TO GROW und tritt als Speakerin auf.

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