Kollege Gamechanger

Die Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz wachsen mit jedem Tag – und nehmen so auch immer stärkeren Einfluss auf die Arbeitswelt.

Illustration: Marcela Bustamante
Illustration: Marcela Bustamante
Frank Burger Redaktion

Als das kalifornische Unternehmen OpenAI im November 2022 seinen mit einer künstlichen Intelligenz (KI) operierenden Chatbot ChatGPT für jedermann frei zugänglich machte, registrierten sich innerhalb der ersten zwei Monate laut einer Studie der Bank UBS 100 Millionen monatliche Nutzer:innen. Es ist ja auch faszinierend: Eine Anwendung, die fast wie eine lebendige Person kommuniziert, wissenschaftliche Abhandlungen verfasst, Gedichte schreibt oder Businesspläne entwirft – Fehler inklusive, was ChatGTP umso humanoider erscheinen lässt. Der konsequente Gedanke: Wenn eine KI zu solchen menschenähnlichen Leistungen imstande ist, kann sie dann auch die Arbeit von Menschen übernehmen?

Google-CEO Sundar Pichal sagte schon 2018 in einem Interview mit CBS, dass KI bald bedeutender sein werde als die Erfindungen Feuer oder Elektrizität – interessengetrieben vielleicht, aber fraglos ist der Einfluss von KI auf die Arbeitswelt riesig. Bereits jetzt trägt sie in der Industrie 4.0 zur Wartung bei, verbessert und automatisiert Produktionsprozesse sowie Services und Qualitätsprüfung. Versicherungen prüfen Schadensfälle mit Hilfe von KI, Fluglinien analysieren und koordinieren damit die Abläufe vor dem Start einer Maschine, in Bäckereien optimiert KI Einkauf, Herstellung, Verkauf und Personaleinsatz als Unterstützung gegen Fachkräftemangel und Lebensmittelverschwendung.

Künftig werde KI, so der Internationale Währungsfonds, weltweit fast 40 Prozent der Arbeitsplätze betreffen, einige würden ersetzt, andere ergänzt. Die Innovationspotenziale verteilen sich auf mehrere Felder: KI-Systeme können routinemäßige, repetitive Aufgaben wie die Datenpflege übernehmen, wodurch die Mitarbeiter:innen mehr Zeit für Anspruchsvolleres haben. Auch Hilfe bei sensiblen menschlichen Entscheidungen ist denkbar, sowohl im Management als auch in der Medizin, etwa wenn Ärzte bei der Therapiewahl für Patient:innen auf KI-Empfehlungen eingehen, die zigtausende vergleichbarer Fälle analysiert. Das letzte Wort hat der Arzt mit seiner Erfahrung, seinem Einfühlungsvermögen und seinen ethischen Prinzipien, die der Maschine abgehen.

Im Bereich Human Resources kann KI in Applicant-Tracking-Systemen Bewerbungen analysieren und sogar Kandidaten für eine Vorauswahl bewerten, anschließend sind sogar automatisierte Jobinterviews per Chatbot möglich. Die neu eingestellten Mitarbeitenden können dann von personalisierten Onboarding-Programmen profitieren, die gesamte Belegschaft von exakt auf jede Person zugeschnittenen Weiterbildungsangeboten, für die eine KI aber auch permanent die Arbeitsperformance des Menschen anhand quantifizierbarer Kriterien beurteilt – und so möglicherweise ebenso Einfluss auf Bonus- oder Beförderungsentscheidungen nimmt.

Des Weiteren werden Berufsfelder wie Data Science oder Machine Learning Engineering an Bedeutung gewinnen und es wird Menschen geben, die sich beruflich mit Fragen der KI-Ethik auseinandersetzen, denn Moral kennt die Maschine nicht. Noch nicht.

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