Datenschutz und Künstliche Intelligenz – Kein Widerspruch

Oktober 2020 | Handelsblatt | IT-Security & Cloud Management

Datenschutz und Künstliche Intelligenz – Kein Widerspruch

Risikoeinschätzung im Datenschutz neu gedacht

RA Prof. Dr. Jochen Deister, CEO, Privacy Solutions GmbH
Privacy Solutions GmbH / Beitrag

Herr Prof. Deister, Sie sind seit über 20 Jahren im Datenschutz tätig, bei großen Kanzleien und internationalen Unternehmen, jetzt bei der Privacy Solutions GmbH und DMZ Legal. Was hat sich durch die Datenschutzgrundverordnung geändert?
Die DSGVO bewegt Unternehmen zum respektvollen Umgang mit personenbezogenen Daten, ob sie es wollen oder nicht. Wer sich darauf einlässt, wird zukunfts-fähig.

 

Datenschutz als geschäftsfördernd – ist das nicht eine steile These?
Nur vordergründig. Vor Amazon existierte Kundenservice nur als Kostenfaktor. So ist es auch mit dem Datenschutz, der oft als mühsam und kostenintensiv gesehen wird. Aber: Worüber wollen Sie sich denn differenzieren in unserer dynamischen Welt? Über Ihr in einem Jahr veraltetes Produkt, ihre in sechs Monaten überholte Technologie? Langfristigen Erfolg haben Sie nur, wenn Sie Ihre Kunden und Mitarbeiter respektvoll behandeln. Und dazu gehört heutzutage eben der respektvolle Umgang mit deren Daten.In meinen Lean-IT-Startup-Seminaren wird Datenschutz inzwischen ganz selbstverständlich von Beginn an mitgedacht und als respektvoller Umgang mit Kunden und Mitarbeitern verstanden.

 

Wir leben in einer Welt der künstlichen Intelligenz und Big Data. Daten gelten als die Währung der Zukunft. Ist das nicht ein Widerspruch?
Das muss es nicht sein. Ich bin Mitgründer der Privacy Solutions GmbH, einem erfolgreichen, internationalen Startup. In unserer Datenschutzmanagementsoftware Privacy Suite nutzen wir künstliche Intelligenz, um datenschutzrechtliche Risiken besser zu erkennen. KI und Datenschutz sind bei uns also kein Widerspruch, sondern gehen Hand in Hand.

 

Wie soll das gehen?
Das Land Hessen hat uns nach einem zweistufigen Experten-Auswahlprozess für eine Innovationsförderung ausgewählt, damit wir eine Wissensbasis über datenschutzrechtliche Bewertungen aufbauen. Die Einschätzungen aller beteilig-ten Datenschutzexperten fließen ein, das Wissen wird mit KI gebündelt und steht damit auch kleineren Unternehmen zur Verfügung, ohne dass auch nur die kleinste vertrauliche Information offenbar wird. Ein Win-Win für alle.

 

So technologisch wird Datenschutz aber bisher selten betrieben.
Richtig – und gerade deshalb ist es eine große Chance. Wer den respektvollen Umgang mit Daten ernst nimmt, der muss erst einmal genau wissen, wo welche Daten warum und wie verarbeitet werden. Das geht nur mit hochspezialisierter Software wie der Privacy Suite.

 

Was leistet denn Ihre Datenschutzmanagementsoftware?
In der Privacy Suite werden Datenverarbeitungsprozesse erfasst. Das kann durch Datenschutzbeauftragte, Fachabteilung oder betreuende Juristen geschehen. Diese Prozesse werden regelbasiert analysiert und bewertet, zukünftig zudem unter Einsatz von KI. Bei datenschutzrechtlich riskanten Prozessen werden Maßnahmen zur Risikominimierung vorgeschlagen. So hat man jederzeit einen guten Überblick über die eigene Datenverarbeitung – und erkennt, wo Verbesserungspotenziale liegen.


www.privacy-solutions.org