Wir alle kennen noch die Nokia-Handys und das „Connecting People“ früherer Tage. Das ist nicht mehr Ihr Geschäftsgebiet – was sollten wir heute über Nokia wissen?
Nokia hat sich von „Connecting People“ zu „Connecting Intelligence“ weiterentwickelt: Heute steht Nokia als europäischer Champion für die schnelle, sichere und intelligente Verbindung von Menschen, Maschinen und Daten. Wir bieten hochentwickelte Konnektivitätslösungen für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz an. Für Netzbetreiber, Regierungen und Unternehmen in Deutschland und weltweit sind wir ein wichtiger Technologiepartner. Gemeinsam wollen wir eine souveräne, sichere und nachhaltige digitale Gesellschaft für das 21. Jahrhundert schaffen.
Sie sagen, Nokia sei ein europäischer Champion – aber ist Nokia als Weltkonzern nicht ebenso ein US-amerikanisches oder chinesisches Unternehmen?
Nokia ist ein unabhängiger europäischer Technologiekonzern mit Hauptsitz in Finnland. Aktuell beschäftigen wir in Europa mehr Mitarbeiter als in anderen Regionen. In Deutschland verfügen wir über bedeutende Forschungs- und Entwicklungsstandorte beispielsweise in Ulm für Mobilfunknetze und in Nürnberg für optische Netzwerke.
Als privatwirtschaftliches, europäisches Unternehmen unterliegen wir keiner politischen oder staatlichen Steuerung – das kann man nicht von allen Mitbewerbern behaupten.
Unsere Produkte fertigen wir möglichst lokal für die entsprechenden Märkte, etwa in Finnland und Rumänien für Europa. Als internationales Unternehmen sind auch der amerikanische Markt und sein Innovationsökosystem für uns sehr wichtig, um als Technologieunternehmen an der Spitze zu bleiben, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, die für 6G von zentraler Bedeutung sein wird.
Künstliche Intelligenz und 6G sind gute Stichworte: Welchen Einfluss wird KI auf die Vernetzung und letztlich auf die Wirtschaft insgesamt haben und wie gehen Sie damit um?
Künstliche Intelligenz wird die Wirtschaft grundlegend verändern. Sie wird global einen Mehrwert in Höhe von Billionen Dollar generieren und sich auf alle Sektoren und Branchen auswirken. Ein wichtiger Treiber für diese Transformation ist die Fähigkeit künstlicher Intelligenz, die Produktivität durch extreme Automatisierung zu steigern, Abläufe effizienter zu machen und völlig neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen hervorzubringen. In unserer Branche geht es hier etwa um Netze, die sich hinsichtlich Leistung und Energieverbrauch selbst optimieren.
Dies erfordert erhebliche Investitionen in die digitale Infrastruktur und schafft neue hochbezahlte Arbeitsplätze im Bereich KI, wird aber auch bestehende Rollen neu definieren. Die Geschwindigkeit, Genauigkeit und Skalierbarkeit von Maschinen in Verbindung mit menschlicher Kreativität und Urteilsvermögen wird zu intelligenteren, flexibleren und kosteneffizienteren Wirtschaftssystemen führen.
Was bedeutet das für Nokia?
Wir betrachten Künstliche Intelligenz als eine grundlegende Kraft, die die Konnektivität in den nächsten zehn Jahren und darüber hinaus verändern wird. Einfach ausgedrückt: Die universelle Verfügbarkeit von KI stellt enorme Anforderungen an die Konnektivität und wird die Leistungsfähigkeit der Netze auf ein neues Niveau heben. Andererseits können wir KI aber auch nutzen, um leistungsfähigere Netzwerke zu bauen. Wir werden das wie gesagt bei 6G sehen. Nokia spielt in beiden Bereichen eine Schlüsselrolle.
Wir sind überzeugt, dass wir dank unserer Innovationsfähigkeit, unserer Führungsrolle in Bereichen wie der Kombination von KI mit Funknetzen („AI-RAN“) und durch Partnerschaften wie der kürzlich angekündigten mit Nvidia in einer einzigartigen Position sind, um diesen Trend anzuführen.
Welche Chancen sehen Sie für Deutschland im Rahmen des KI-Trends?
Der KI-Trend bietet Deutschland erhebliche Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft. Der Erfolg wird davon abhängen, wie effektiv die Potenziale genutzt werden. Eine Frage ist, wieviel KI aus Deutschland kommt und wieviel aus anderen Regionen, wo also die Wertschöpfung stattfindet.
Im globalen KI-Wettbewerb führen Länder wie die USA und China. Will man hierzulande den Anschluss an die internationale Spitze halten, werden Investitionen und Innovationen benötigt. Ich denke, Europa kann im globalen Wettbewerb nur zusammen bestehen. Dazu muss man sich ansehen, wo bereits Stärken vorhanden sind und wo es Aufholbedarf gibt.
Das lässt sich in diesem Rahmen nicht umfassend beantworten, aber beispielsweise verfügt Europa im Bereich der Vernetzung über Champions – Nokia ist einer davon. KI-Rechenzentren müssen vernetzt werden. Und wie schon gesagt kann KI insgesamt nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn leistungsstarke Netze zur Verfügung stehen.
Europa und Deutschland verfügen auch über einige vielversprechende Startups im KI-Bereich. Es werden aber dringend gut ausgebildete Fachkräfte im Bereich KI benötigt, um Innovationen zu generieren und die Chancen nutzen zu können.
Aktuell steht Netztechnik von sogenannten „High-Risk Vendors“ in Deutschland wieder auf dem Prüfstand – Stichwort Vertrauenswürdigkeit. Wäre Nokia in der Lage, wenn es zum Austausch käme, in Deutschland höchste Qualität in großem Maßstab zu liefern?
In diesem Fall wären die Kapazitäten von Nokia kein limitierender Faktor. Nokia hat nachweislich bereits groß angelegte Projekte sehr erfolgreich umgesetzt. Wir haben es beispielsweise geschafft, innerhalb von zwölf Monaten 110.000 5G-Funkstandorte in Indien zu errichten. Zum Vergleich: in Deutschland gibt es weniger als 100.000 Standorte insgesamt.
Wir haben auch in Deutschland unsere Fähigkeit zur Modernisierung von Zehntausenden von Standorten bereits unter Beweis gestellt. Erst kürzlich haben wir unsere Partnerschaft mit Telefónica Germany um weitere 5 Jahre bis 2030 verlängert, um deren 5G-Netz mit neuester Technik auszustatten.
Was ist mit den jüngsten Nachrichten, dass Nokia seinen Betrieb verkleinert – kann Deutschland sich bei kritischen Technologien wirklich auf Nokia verlassen?
Auf jeden Fall! Die aktuellen Anpassungen sind Teil eines langfristigen Prozesses, der bereits vor einigen Jahren begonnen hat. Der technologische Fortschritt in unserer Branche ist rasant. Deshalb müssen wir uns ständig neu erfinden und uns auf die Bereiche konzentrieren, in denen wir uns gegenüber dem Wettbewerb differenzieren können, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. Dazu gehören leider auch strukturelle Anpassungen, die zu solch schwierigen Entscheidungen führen.
Nokia investiert auch weiterhin gezielt in Schlüsseltechnologien und lokale Partnerschaften in Deutschland. Das Ergebnis ist ein agiles Unternehmen, das Deutschland und Europa in einem wichtigen Technologiebereich als weltweit führend positioniert.
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