Warum Radio als Werbekanal an Relevanz gewinnt

Plattformen, Algorithmen und künstliche Intelligenz dominieren den Werbemarkt. Stefan Mölling, CEO von RMS, erklärt, warum Radio trotzdem Zukunft hat.

Stefan Mölling, CEO von RMS
Stefan Mölling, CEO von RMS
RMS Beitrag

Herr Mölling, Radio hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert. Wie behauptet sich RMS in diesem Umbruch?

Radio war nie altmodisch, sondern immer ein Innovationsmedium. Radio ist ein etabliertes Medium, das im Alltag der Menschen so stark verankert ist, dass die Innovationen oft ganz unbemerkt Einzug halten. Zum Beispiel die selbstverständliche Audionutzung über das Smartphone oder die Smart Speaker. Unsere Aufgabe als Vermarkter ist es, diese Vielfalt zu bündeln, technisch wie inhaltlich. Gleichzeitig steht Audio für etwas, das in digitalen Umfeldern oft fehlt: Vertrauen. Kein Betrug, keine Bots, keine fragwürdigen Platzierungen. Diese Qualität sorgt dafür, dass Audio relevant bleibt. Und das Vertrauen, dass Menschen hier Inhalte für Menschen machen, macht den Unterschied zu Umfeldern, in denen Algorithmen bestimmen, was Nutzer sehen und hören. Bei uns gilt: geprüfte Inhalte, echte Reichweiten, keine Blackbox.
 

Alle reden von Reichweite, Sie von Wirkung. Wie lässt sich belegen, dass Audio wirkt?

Wir haben inzwischen eine solide Datenbasis. Audio ist eines der am besten erforschten Werbemedien in Deutschland. Über unsere Forschungsinitiative „Audioeffekt“ analysieren und messen wir regelmäßig die Wirkung von Kampagnen in repräsentativen Panels. Dabei zeigt sich: Audiowerbung wirkt emotional stärker, bleibt länger im Gedächtnis und führt nachweislich zu mehr Handlung als andere Medien. Ein aktuelles Beispiel ist unsere Kampagne für die Tourismusplattform GetYourGuide: Die Buchungsbereitschaft stieg um mehr als sechzig Prozent. Und wir sehen auch, dass Audio das Suchverhalten im Netz signifikant verstärkt. Diese Verbindung aus Emotion und messbarem Effekt macht das Medium so spannend. Für uns ist entscheidend, dass Forschung und Praxis zusammenfinden – dass Werbekunden nachvollziehen können, wie Audio über alle Kanäle hinweg wirkt.
 

Viele Werbekunden kombinieren heute klassische und digitale Kanäle. Welche Rolle spielt das bei RMS?

Eine immer größere. Wir sehen in unseren Daten sehr deutlich, dass Kampagnen erfolgreicher sind, wenn sie Radio und Digital Audio gemeinsam nutzen. Klassisches Radio sorgt für Reichweite und emotionale Nähe, während digitales Audio gezieltere Ansprache und intensivere Wirkung ermöglicht. Wer beides kombiniert, erreicht Menschen häufiger und konsistenter über den Tag hinweg – im Auto, beim Sport, zu Hause oder unterwegs. Das gilt auch für die regionale Aussteuerung. Nationale Kampagnen machen Marken flächendeckend bekannt und erlauben zugleich lokale Akzente. Eine deutschlandweite Marke kann also nationale Aufmerksamkeit aufbauen und gleichzeitig in einzelnen Regionen spezifische Botschaften platzieren – über denselben Buchungsprozess und mit einheitlicher Aussteuerung. Für Werbekunden ist das effizient und transparent zugleich. Die Ergebnisse sprechen für sich: Crossauditive Kampagnen erreichen höhere Erinnerungswerte und lassen Marken messbar wachsen. Unser USP ist unter anderem, diese Verbindung zwischen linearem und digitalem Audio möglichst einfach nutzbar zu machen – ein Ansprechpartner, eine Buchung, ein Reporting.
 

Sie sprechen vom „Open Web“. Warum ist das so wichtig für den digitalen Werbemarkt?

Wir finden, dass es hier um eine der zentralen Fragen der digitalen Zukunft geht. Wir glauben an ein offenes, transparentes Werbeökosystem, in dem gleiche Regeln für alle gelten – auch für große Plattformen. Solange diese eigene Standards und Messmethoden definieren, bleibt der Wettbewerbverzerrt. Das ist kein Fortschritt, sondern ein Systemfehler. Wir brauchen endlich verbindliche Standards, damit alle Marktteilnehmer unter den gleichen Bedingungen agieren. Nur so entsteht ein fairer Wettbewerb und Vertrauen in digitale Werbung. 
 

Sie investieren stark in neue Technologien. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei RMS?

KI ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um kreative Prozesse effizienter zu machen. Mit unserem neuen KI-Spot-Creator können unsere Kunden heute in Minuten sendefertige Spots erstellen oder Allongen produzieren, die regional, sprachlich oder thematisch angepasst sind. Auch gleich in großer Anzahl. Dadurch können Kampagnen schneller, präziser und kostengünstiger umgesetzt werden, selbst wenn man keine Erfahrung mit Spot-Gestaltung oder -Produktion hat. Wichtig ist uns dabei Transparenz: Wir legen offen, wie die Systeme arbeiten, achten auf Fairness, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit. KI soll den kreativen Prozess unterstützen, nicht ersetzen. Entscheidend bleibt am Ende immer die Idee – und die Nähe zum Publikum.
 

Wenn Sie auf die Branche blicken: Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es für eine faire Zukunft?

Wir brauchen gleiche Spielregeln für alle. Das gilt für internationale Plattformen ebenso wie für nationale Anbieter. Wer in Deutschland Werbegeld verdient, sollte sich auch an deutsche Standards halten – in Transparenz, Datenschutz und Steuerpflicht. Medienpolitik darf sich hier nicht länger wegducken. Unser Ziel ist ein Markt, in dem Qualität und Verantwortung zählen, nicht nur Reichweite und Datenmacht. Wenn das gelingt, profitieren alle: sowohl die gesamte Medienlandschaft als auch die Hörerinnen und Hörer.

rms.de
 

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