Weniger Gewicht, mehr Klimaschutz

Leichte Materialien sparen Energie und Rohstoffe. Bestehen sie aus recyceltem Kunststoff, wird aus altem Abfall ein neues Produkt. Das schont das Klima und hält Rohstoffe im Kreislauf.

Illustrationen: Ingeborg Schindler ingeborgschindler.com
Illustrationen: Ingeborg Schindler ingeborgschindler.com
Lea Wrobel & Julia Stelzner Redaktion

Ob Getränkekiste, Versandbox oder Kofferraumboden: Weniger Gewicht spart Energie. Fahrzeuge verbrauchen weniger Kraftstoff oder Strom, und Waren lassen sich effizienter transportieren. Leichtbaumaterialien leisten deshalb einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Noch klimafreundlicher werden sie, wenn sie aus Recyclingkunststoff bestehen. Dann müssen weniger neue Rohstoffe eingesetzt werden, und gebrauchter Kunststoff wird zu neuen Erzeugnissen verarbeitet.

Leichtbau bedeutet dabei nicht einfach, möglichst viel Material einzusparen. Ziel ist vielmehr, Bauteile so zu konstruieren, dass sie bei geringerem Gewicht dieselbe Stabilität und Funktion erfüllen. Möglich wird das durch moderne Werkstoffe, intelligente Konstruktionen oder sogenannte Sandwichmaterialien, bei denen ein leichter Kern zwischen zwei stabilen Deckschichten liegt. Das spart Rohstoffe und verbessert gleichzeitig die Energieeffizienz über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts.
 

LEICHTBAU SPART ENERGIE UND ROHSTOFFE


Kunststoffe eignen sich besonders gut für den Leichtbau. Sie bestehen aus Polymeren – langen Molekülketten –, die heute überwiegend aus Erdöl und Erdgas hergestellt werden, zunehmend aber auch aus biobasierten Rohstoffen entstehen können. Je nach Zusammensetzung sind sie flexibel, besonders robust oder sehr leicht. Genau diese Eigenschaften machen Kunststoffe in vielen Bereichen unverzichtbar. Ihr schlechter Ruf rührt vor allem daher, dass zu viele Produkte nach kurzer Nutzung zu Abfall werden. Werden Kunststoffe dagegen lange genutzt und anschließend recycelt, können sie helfen, Ressourcen zu schonen und Treibhausgasemissionen zu senken. Leichtbau ist keine neue Idee. Bereits seit den 1960er- und 1970er-Jahren setzen Fahrzeughersteller Aluminium und Kunststoffe ein, um das Gewicht ihrer Modelle zu reduzieren. Heute geht es nicht mehr nur darum, Kraftstoff zu sparen. Gerade bei Elektrofahrzeugen verbessert jedes eingesparte Kilogramm die Energieeffizienz. Dadurch steigt die Reichweite oder es können kleinere Batterien mit geringerem Rohstoffbedarf eingesetzt werden. Auch in Nutzfahrzeugen, der Logistik oder im Maschinenbau helfen leichte Bauteile dabei, Energie einzusparen.
 

AUS KUNSTSTOFFABFALL WERDEN NEUE PRODUKTE

 

Illustrationen: Ingeborg Schindler ingeborgschindler.com
Illustrationen: Ingeborg Schindler ingeborgschindler.com

Bevor aus gebrauchten Kunststoffen neue Produkte entstehen können, werden sie sortiert, gereinigt und zerkleinert.

Anschließend schmilzt man sie zu sogenanntem Rezyklat ein, einem Kunststoffgranulat, aus dem sich neue Bauteile herstellen lassen. Aus Rezyklat entstehen beispielsweise leichte Platten für Fahrzeugteile, Mehrwegverpackungen oder Transportbehälter. Sie ersetzen häufig Holz, Sperrholz oder massive Kunststoffplatten. Je nach Kunststoffart und Anwendung lassen sich durch den Einsatz von Recyclingkunststoffen gegenüber neu produziertem Kunststoff etwa 1,5 bis über 3 Tonnen CO2-Äquivalente pro Tonne Material einsparen. 

Der Großteil der Recyclingkunststoffe entsteht heute durch mechanisches Recycling. Dabei werden sortenreine Kunststoffabfälle aufbereitet, eingeschmolzen und zu neuem Granulat verarbeitet. Schwieriger ist die Wiederverwertung bei verschmutzten oder gemischten Kunststoffabfällen. Hier können chemische Recyclingverfahren eine Ergänzung sein. Dabei werden Kunststoffe in ihre chemischen Grundbausteine zerlegt, aus denen neue Kunststoffe hergestellt werden können. Wegen des höheren Energiebedarfs gelten diese Verfahren derzeit jedoch nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche Möglichkeit für schwer recycelbare Materialien.
 

AUFWENDIGES RECYCLING STATT BLOSSE VERBRENNUNG


Deutschland erzeugte 2023 rund 5,91 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Laut dem Stoffstrombild Kunststoffe 2023 wurden knapp 38 Prozent mechanisch recycelt und zu neuem Kunststoff verarbeitet. Rund 61 Prozent wurden dagegen in Müllverbrennungsanlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Für die Kreislaufwirtschaft gehen diese Kunststoffe damit als Rohstoff verloren. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Recyclingkunststoffen. Unternehmen wollen ihre CO2-Bilanz verbessern, unabhängiger von internationalen Rohstoffmärkten werden und neue EU-Vorgaben erfüllen.

Wie gut Recycling in der Praxis funktioniert, zeigen zahlreiche Unternehmen bereits heute. Hersteller von Mehrweg-Transportbehältern und Paletten wie Craemer oder Schoeller Allibert setzen seit Jahren Recyclingkunststoffe ein. Auch Automobilhersteller erhöhen den Anteil wiederverwerteter Kunststoffe in Fahrzeugen – etwa für Unterbodenverkleidungen, Radhausschalen oder Kofferraumböden. Solche Anwendungen zeigen, dass Recyclingmaterial längst nicht mehr nur für einfache Produkte genutzt wird, sondern zunehmend anspruchsvolle technische Anforderungen erfüllt.

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft beginnt deshalb bereits bei der Entwicklung neuer Produkte.

Fachleute sprechen von „Design for Recycling“: Produkte werden so gestaltet, dass sie möglichst aus wenigen Materialien bestehen, sich leicht zerlegen und am Ende ihrer Nutzung hochwertig recyceln lassen. Je einfacher ein Produkt aufgebaut ist, desto besser kann der enthaltene Kunststoff als Rohstoff erhalten bleiben.

Eine bessere Trennung von Kunststoffabfällen und neue Recyclingverfahren können den Anteil wiederverwerteter Kunststoffe in den kommenden Jahren erhöhen. Gleichzeitig arbeiten Forschung und Industrie daran, Produkte von Anfang an recyclingfreundlicher zu gestalten. Dazu gehören Verpackungen aus möglichst wenigen Materialien oder leichte Bauteile für Elektroautos, die sich nach ihrer Nutzung einfacher zerlegen und recyceln lassen. So könnten künftig deutlich mehr Kunststoffabfälle zu neuen Produkten werden, statt nach einmaliger Nutzung in der Verbrennung zu landen.
 

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