Wie steht es in diesem Sommer 2026 um die deutschen Wälder?
Wie sehr der Wald leidet, sieht man oft erst im Nachhinein. Studien belegen seit 2018: Längere Trockenphasen haben unseren Wäldern massiv zugesetzt, die Biomasse nimmt ab, es gibt deutlich mehr Totholz. Gerade im Sommer ist die Waldbrandgefahr extrem hoch. Das heißt ganz klar: kein Feuer, nicht rauchen, keine Fahrzeuge auf trockenem Untergrund. Von dem Wald, den es in Deutschland ursprünglich gab, ist heute nur noch ein Drittel übrig. Dabei sind Wälder unsere wirksamsten Verbündeten gegen die Klimakrise. Deshalb müssen wir auch im Ausland dafür sorgen, dass bestehende Wälder besser geschützt und zerstörte Flächen so weit wie möglich wiederhergestellt werden.
Was können wir konkret tun, um sie zu schützen?
Die 1,8 Millionen privaten Waldbesitzer können den anstehenden Waldumbau gestalten und die Wälder biodiverser machen. Für alle anderen gilt: weniger Fleisch essen, mehr recyceln, weniger Papier und Holz verbrauchen. Es sei denn, es sind langlebige Güter, die CO2 dauerhaft binden. Auch Spenden an Organisationen, die Wälder schützen und wiederherstellen, helfen, ebenso mehr finanzielle Unterstützung durch die Politik.
Warum ist Artenvielfalt dabei so entscheidend?
Obwohl es in Deutschland über 50 Baumarten gibt, gehören mehr als 70 Prozent aller Bäume zu nur vier Baumarten davon. Das macht die Wälder anfällig. Mehr einheimische Arten bedeuten komplexere Systeme für Tausende Insekten und Pflanzen. Extremereignisse oder Schädlinge treffen nie alle Arten gleichzeitig. In einer Fichten-Monokultur breitet sich der Borkenkäfer rasend aus; im Mischwald stoppt er, sobald er auf eine Eiche trifft. Biodiversität ist unser bester natürlicher Schutzschild.
Welche Rolle spielen dabei Schutzgebiete und Freiwillige?
Naturnahe Flächen, die einem echten Primärwald möglichst nahekommen, sind wertvoll. Wir brauchen in Deutschland Orte, an denen die Natur unberührt bleibt. Vieles gelingt über reine Naturverjüngung, und der Waldumbau ist zuerst Aufgabe der Waldbesitzer, die in 30 Jahren große Fortschritte gemacht haben. Doch auf großen Kahlflächen, die Borkenkäfer oder Stürme hinterlassen haben, ist der Einsatz von Freiwilligen enorm wertvoll. Das hilft gerade Kleinwaldbesitzern, für die sich die Bewirtschaftung oft nicht rentiert.
Bleibt Hoffnung, dass wir die Kurve kriegen?
Ja. In Brasilien wurde die Abholzung zeitweise um 83 Prozent gesenkt – durch clevere Politik und konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze. Das zeigt: Waldzerstörung ist keine natürliche Folge des Kapitalismus, sondern eine Frage des politischen und sozialen Willens. Nehmen wir den Waldschutz ernst, können wir die weltweite Zerstörung stoppen. Auch bei uns gilt: Wenn sich Waldbesitzer, Politik und Freiwillige auf allen Ebenen engagieren, können wieder neue, vielfältige Wälder entstehen.