Präzision statt Pi mal Daumen

Moderne Landwirtschaft verbindet Erfahrung mit digitalen Entscheidungshilfen – so lassen sich Pflanzen gezielter schützen, Betriebsmittel sparen und Ressourcen schonen.

Moderne Landwirtschaft verbindet Erfahrung mit digitalen Entscheidungshilfen – so lassen sich Pflanzen gezielter schützen, Betriebsmittel sparen und Ressourcen schonen.
Moderne Landwirtschaft verbindet Erfahrung mit digitalen Entscheidungshilfen – so lassen sich Pflanzen gezielter schützen, Betriebsmittel sparen und Ressourcen schonen.
XARVIO Beitrag

Der Blick aufs Feld gehört bis heute zum Alltag eines Landwirts. Doch längst nicht mehr allein auf das, was sich mit bloßem Auge erkennen lässt. Wetterextreme, unterschiedliche Bodenverhältnisse und immer größere Betriebe machen den Acker zu einem Ort, an dem täglich unzählige Informationen zusammenlaufen. Die eigentliche Herausforderung besteht mittlerweile oft nicht mehr darin, Daten zu sammeln – sondern aus ihnen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Das erlebt Gregor Hufmann jeden Tag. Er bewirtschaftet einen rund 2.350 Hektar großen Ackerbaubetrieb im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Er kultiviert vorwiegend Raps, Mais, Dinkel, Wintergerste und Zuckerrüben.

„Wir machen fast alles vom Handy aus“, sagt der 40-Jährige. Satellitenbilder, Wetterdaten und digitale Karten begleiten viele Entscheidungen in seinem Betrieb. Für Hufmann geht es dabei nicht um Technik um der Technik willen – sie soll den Arbeitsalltag vereinfachen und Pflanzen gesund erhalten.

Dabei wird Hufmann von HEALTHY FIELDS unterstützt, einem Serviceangebot basierend auf der digitalen Agrarplattform xarvio von BASF. Die Anwendung verknüpft verschiedenste Informationen mit pflanzenbaulichen Modellen, erkennt Risiken und hilft dabei, Bestände sicher durch die Vegetationsperiode zu begleiten. Dank der Handlungsempfehlungen des Systems behält Hufmann den Überblick und hat die Hände frei für anderes – im wahrsten Sinne des Wortes: Während des Video-Calls mit ihm ist er mit dem Traktor auf dem Rübenfeld unterwegs.
 

GRÖSSE BRAUCHT TECHNOLOGIE


Der Digital-Ansatz hat auch mit dem rasanten Wandel der Landwirtschaft zu tun. In Deutschland gab es 2024 laut Destatis rund 255.000 landwirtschaftliche Betriebe – 2003 waren es noch 412.000. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Betriebsgröße nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums seit 2000 von etwa 37 auf 65 Hektar gestiegen. Wer mehrere Hundert oder gar Tausende Hektar unterhält, kann nicht mehr jede Fläche täglich persönlich kontrollieren – daher gehören digitale Werkzeuge inzwischen zum Arbeitsalltag vieler Betriebe.

„Das Ganze braucht einen iPhone-Charakter“, sagt Hufmann. Hochkomplexe Prozesse liefen im Hintergrund, entscheidend sei funktionierende Technik. Hier sieht Thomas Schilling die relevanteste Entwicklung. Der Global Head of Platform Engineering und Managing Director von xarvio Digital Farming Solutions beobachtet seit Jahren, wie sich die Anforderungen an Landwirte verändern. „Sie müssen heute deutlich mehr Informationen gleichzeitig verarbeiten als noch vor wenigen Jahren. Zudem sind die Anforderungen an die Dokumentation von staatlicher Seite, der Ernährungswirtschaft und von uns Konsumenten gestiegen“, sagt er. Erfahrung bleibe unverzichtbar, werde jedoch durch digitale Entscheidungsgrundlagen ergänzt.

Fast 2.400 Hektar: der Betrieb, den Gregor Hufmann bewirtschaftet
Fast 2.400 Hektar: der Betrieb, den Gregor Hufmann bewirtschaftet
 26_de-de-xfm-visual-status-mobile+desktop-1.jpg
Digital Native mit Ackerverbundenheit: Landwirt Manfred Hurtz
Digital Native mit Ackerverbundenheit: Landwirt Manfred Hurtz
 28_Onboard-Traktor-1.jpg
Der Kopf hinter xarvio: Dr. Thomas Schilling
Der Kopf hinter xarvio: Dr. Thomas Schilling

DAS NAVI FÜR DEN ACKER


Schilling vergleicht diesen Trend mit einem Navigationssystem: Wer sein Ziel kenne, finde es auch ohne Routenführung. Trotzdem ließen viele Autofahrer Google Maps mitlaufen, um durch aktuelle Verkehrsdaten schneller ans Ziel zu gelangen. So verstehe sich auch xarvio: nicht als Ersatz für den Landwirt, sondern als zusätzliche Informationsquelle.

Für Manfred Hurtz ist das der wichtigste Unterschied zu den ersten digitalen Anwendungen, die er vor mehr als 20 Jahren ausprobierte. Der 62-jährige Landwirt aus Nideggen in der Eifel, der vor allem auf Gerste, Mais, Raps und als Sonderkultur Weihnachtsbäume setzt, nutzt den xarvio FIELD MANAGER und begleitet ihn seit vielen Jahren als Praxispartner. Die digitale Plattform ermöglicht eine präzise Aussaat, bedarfsgerechte Düngung, intelligenten Pflanzenschutz und eine einfache Dokumentation. „Ich bekomme Hinweise, auf die ich selbst vielleicht erst später aufmerksam geworden wäre“, sagt Hurtz.
 

NACHHALTIGKEIT IM DETAIL


Das macht Präzisionslandwirtschaft aus. Denn ein Acker ist selten gleichmäßig, schon wenige Meter können über Wasserverfügbarkeit, Bodenqualität oder Nährstoffversorgung entscheiden. Digitale Karten machen diese Unterschiede sichtbar, Dünger oder Pflanzenschutzmittel lassen sich gezielter einsetzen. Das spart Ressourcen sowie Kosten und ermöglicht nachhaltigeres Wirtschaften.

xarvio verarbeitet alle verfügbaren Informationen und erstellt Handlungsempfehlungen – etwa für den optimalen Zeitpunkt einer Pflanzenschutzmaßnahme, teilflächenspezifische Applikationskarten oder die Entwicklung einzelner Bestände. Diese lassen sich an kompatible Landmaschinen übertragen. Der messbare Mehrwert von xarvio ist groß: In Feldversuchen zwischen 2020 und 2023 reduzierte allein die digitale Optimierung des Zeitpunkts von Fungizidmaßnahmen den Fungizideinsatz in Weizen und Gerste um durchschnittlich 20 Prozent – bei vergleichbarer Pflanzengesundheit und Erträgen.

Für Hufmann zeigt sich der Nutzen im Alltag. HEALTHY FIELDS wacht während der gesamten Vegetationsperiode über seine Bestände. Automatisch berechnete Wachstumsstadien, Biomassekarten oder Hinweise auf Krankheitsrisiken helfen ihm, den Überblick zu behalten und Maßnahmen gezielt vorzubereiten. Statt jede Fläche einzeln zu kontrollieren, kann er sich zunächst ein Bild verschaffen und dann nur dorthin fahren, wo Handlungsbedarf besteht.

Auf ähnliche Vorteile setzt mittlerweile die Mehrheit der Landwirte: Laut dem Digitalverband Bitkom verwenden neun von zehn Höfen digitale Technologien oder Verfahren – ohne den Landwirt aus dem Entscheidungsprozess zu verdrängen.
 

WISSEN SAMMELN STATT DATEN


Für Dr. Thomas Schilling liegt darin der eigentliche Beitrag digitaler Landwirtschaft. Angesichts zunehmender Wetterextreme, steigender Kosten und wachsender Anforderungen an eine nachhaltige Lebensmittelproduktion gehe es nicht darum, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern daraus verwertbares Wissen zu gewinnen. So können Betriebsmittel gezielt dort und dann eingesetzt werden, wo sie tatsächlich benötigt werden. Das schont Ressourcen, reduziert Umweltbelastungen und hilft zugleich, Erträge zu sichern sowie landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen und im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu machen. Nachhaltigkeit beginne deshalb häufig nicht mit Verzicht, sondern mit Präzision – ein wichtiger Beitrag für eine langfristig sichere Lebensmittelversorgung.

Gregor Hufmann ist überzeugt, dass digitale Tools künftig so selbstverständlich sein werden wie moderne Landmaschinen. Gleichzeitig wünscht er sich, dass ihre Bedienung noch einfacher wird: „Im Mittelpunkt sollte nicht die Software stehen, viel mehr die Arbeit auf dem Feld.“

Und Manfred Hurtz? Der freut sich in diesem Jahr auf vier Wochen Sommerurlaub. Die Auszeit hat allerdings nichts mit digitaler Unterstützung zu tun: Die Gerste wird wegen der Hitze schon Anfang August eingefahren sein, die Raps-Aussaat beginnt erst am Monatsende. An einem Grundsatz habe die Digitalisierung ohnehin nichts geändert: „Die Verantwortung trägt am Ende immer noch der Landwirt.“

xarvio.com
 

Nächster Artikel