Frau Frohnert, Sie koordinieren das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ – was ist das?
Das Netzwerk ist Teil des Programms „Erfolgsfaktor Familie“, das 2007 vom Bundesfamilienministerium zusammen mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks sowie der Deutschen Industrie- und Handelskammer initiiert wurde. Das Ziel ist eine familienbewusste Arbeitswelt. Wir helfen unseren mehr als 9.000 Mitgliedsunternehmen, vom DAX-Konzern bis zum Kleinstbetrieb, eine entsprechende Personalarbeit aufzubauen – mit Workshops, Checklisten und fachlichen Impulsen, bei denen die Firmen voneinander lernen.
Was steht im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?
Wir fokussieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die familiäre Sorge. Mütter, Väter und Menschen, die Angehörige pflegen, brauchen gute Arbeitsrahmenbedingungen, um erwerbstätig zu sein und ihrer Sorgearbeit nachzukommen.
Welche Bedürfnisse hat diese Zielgruppe?
Die Prognos-Studie „Familienfreundliche Arbeitgeber“ zeigt unter anderem: Mütter wünschen sich keine Benachteiligung bei der beruflichen Entwicklung. Väter möchten von Firmen ermutigt werden, Elternzeit und Vereinbarkeitsmöglichkeiten zu nutzen. Pflegende brauchen flexible Arbeitszeiten, um sie an den Pflegebedarf anzupassen.
Wie wichtig ist Firmen hierzulande Familienfreundlichkeit?
Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft sehen 86 Prozent die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als elementar für die Fachkräftesicherung an, ihre Bedeutung wird noch wachsen. Die große Mehrheit der Firmen will dazu unter anderem die Bedürfnisse von Vätern stärker berücksichtigen und Vereinbarkeit ins Zentrum der Führungskräfteentwicklung rücken.
Welche Beispiele gibt es für die erfolgreiche Umsetzung der Vereinbarkeit?
Unsere Mitglieder haben so viele tolle Ideen! Da ist etwa ein Altenpflegeunternehmen, das eine Tagesmutter engagiert, die im Betrieb bis zu fünf Kinder betreut – die Firma bekommt dadurch viel mehr Bewerbungen von Alleinerziehenden. Eine Gleisbaufirma entwickelt eine App zur schnelleren Erledigung der Dokumentationspflichten auf der Baustelle – familienbewusst, weil so weniger Überstunden entstehen. In einem Produktionsbetrieb mit Dreischichtsystem tragen die Beschäftigten in ein Buch ein, welche Schichten sie gern übernehmen würden – so können sie ihre Arbeit mit der Familienzeit koordinieren.
Wie können Unternehmen das Ziel einer familienbewussten Personalarbeit angehen?
Ich ermutige Unternehmer:innen vier Bausteine zu nutzen. Erstens: Hören Sie zu, was die Mitarbeitenden brauchen. Zweitens: Kommunizieren Sie transparent, welche Maßnahmen im Betrieb funktionieren und welche nicht. Drittens: Seien Sie als Führungskraft jederzeit offen für Anliegen der Belegschaft – und leben Sie selbst die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor. Viertens: Halten Sie Vereinbarungen schriftlich fest, damit alle auf deren Verbindlichkeit vertrauen können.
www.erfolgsfaktor-familie.de