Kritische Infrastruktur funktioniert nicht isoliert: Die Sektoren Energie, Wasser, Informationstechnik und Telekommunikation, Transport und Verkehr sowie Gesundheitswesen sind voneinander abhängig. Daher können Ausfälle in einem Sektor auch zu Ausfällen in anderen Sektoren führen. „Wer auf Stromleitungen zielt, zielt auf die Bürgerinnen und Bürger, auf öffentliche Infrastruktur, Krankenhäuser, auf Telekommunikation, kleine und große Unternehmen und lokale Energieversorger“, kommentierte Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, im September 2026 nach Angriffen auf die Energieversorgung in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.
Folgeausfälle können schwerwiegender sein als der ursprüngliche Ausfall. Wer Resilienz plant, muss auch solche Kaskadeneffekte berücksichtigen.
EIN AUSFALL, VIELE AUSWIRKUNGEN
Ein Stromausfall beispielsweise hat im Krankenhaus einerseits direkte Auswirkungen: Gebäudeanlagen wie Aufzüge können stillstehen, ebenso medizinische Geräte. Auch IT- und Telekommunikationssysteme können ausfallen und dadurch Verwaltungsvorgänge und medizinische Prozesse beeinträchtigen.
Auch außerhalb des Krankenhauses kann ein Stromausfall Folgen haben: Ein Problem im Stromnetz im Gebiet des Wasserwerks beeinträchtigt dort die Trinkwasserversorgung, die Körperhygiene, die Reinigung von Instrumenten und die Laboruntersuchungen. Sind Tankstellen von einem Stromausfall betroffen, kann es zu einem Mangel an Kraftstoffen kommen, sodass Krankentransporte ausfallen.
Auch im Ernährungssektor kann ein Stromausfall sowohl die Produktion als auch die Lagerung und den Transport beeinträchtigen.
Redundanz, also mehrfach verfügbare Ressourcen, kann Kaskadeneffekte abfedern. Im Krankenhaus sind dies vor allem eine Notstromversorgung, eine unabhängige Wasserversorgung, eine analoge Rückfallebene für ausgefallene IT-Systeme, beispielsweise Papierformulare für die Patientendokumentation, sowie alternative Kommunikationsmethoden wie Satellitentelefone oder Gebäudefunk.
Damit diese Maßnahmen tatsächlich greifen, sollte der Betreiber das Personal durch Informationsmaterial, Schulungen und Übungen mit den Abläufen vertraut machen, die im Alarmfall vorgesehen sind.
Eine vollständige Unabhängigkeit von externen Versorgungsinfrastrukturen – etwa durch eine dauerhafte eigenständige Energie- und Wasserversorgung – ist zumindest längerfristig kaum realistisch, weil der Aufwand und damit die Kosten zu hoch wären.
Aber das ist auch gar nicht nötig. Denn das im März 2026 in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz verpflichtet Betreiber einer kritischen Anlage zwar, „technische, sicherheitsbezogene und organisatorische Maßnahmen“ zur Gewährleistung ihrer Resilienz zu treffen. Dabei soll aber den Aufwand und das Risiko gegeneinander abgewogen und dabei auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden.