Trotz Milliardeninvestitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bleibt Deutschland bei der Umsetzung vieler Projekte hinter seinen Möglichkeiten. Woran liegt das? Thomas Maas, CEO von freelancermap, sieht die Ursache in der Art, wie Arbeit hierzulande organisiert wird. Im Gespräch erklärt er, warum projektbasiertes Arbeiten der Schlüssel zu mehr Innovationskraft ist und welche Rolle Freelancer dabei spielen.
Herr Maas, Sie sagen, Deutschlands Digitalisierung scheitert an der Arbeitslogik. Was meinen Sie damit?
Wir haben in Deutschland eine Verwaltungs- und Unternehmenslandschaft, die stark auf Dauerhaftigkeit und Zuständigkeiten ausgelegt ist. Verantwortung wird an Abteilungen oder Ressorts gebunden, nicht an Projekte. Digitale Vorhaben sind aber meist zeitlich begrenzt, interdisziplinär und auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet. Diese beiden Logiken passen nicht zusammen. Das führt dazu, dass viele Projekte nicht zu Ende gedacht werden.
Wie zeigt sich das in der Praxis?
Ein gutes Beispiel ist das Onlinezugangsgesetz. Technisch war vieles machbar, aber organisatorisch fehlte die Flexibilität. Wenn jede Entscheidung durch mehrere Hierarchieebenen muss, verliert man Geschwindigkeit und Innovationskraft. Freelancer erleben das täglich. Sie werden für konkrete Aufgaben geholt, stoßen aber oft auf Strukturen, die projektorientiertes Arbeiten erschweren.
Was müsste sich ändern, damit Projekte erfolgreicher umgesetzt werden können?
Wir brauchen eine Kultur, in der Verantwortung an Ergebnisse gekoppelt ist. Das bedeutet: klare Projektziele, flexible Teams und Entscheidungsfreiheit für diejenigen, die an der Umsetzung arbeiten. In der Privatwirtschaft sehen wir das bereits häufiger, im öffentlichen Sektor ist der Weg noch weit. Hier könnte man viel von der Arbeitsweise von Freelancern lernen.
Welche Rolle spielen Freelancer in dieser neuen Arbeitslogik?
Freelancer bringen das mit, was viele Organisationen brauchen: Sie arbeiten projektbezogen, bringen konkretes Fachwissen mit, denken in Lösungen und sind es gewohnt, Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen. Das macht sie zu einem zentralen Bestandteil moderner Wertschöpfung, gerade in Zeiten, in denen Fachkräfte knapp sind.
Wie steht es aktuell um die rechtlichen Rahmenbedingungen für Freelancer?
Leider sind sie immer noch zu unklar. Die Angst vor Scheinselbstständigkeit führt beispielsweise dazu, dass Projekte gar nicht erst vergeben werden. Laut unserem Freelancer-Kompass 2026 berichtet etwa jeder Vierte, dass Aufträge aus diesem Grund scheitern. Das ist ein massiver Standortnachteil für Deutschland. Wir brauchen endlich Rechtssicherheit, damit projektbasiertes Arbeiten nicht zum Risiko wird.
Was fordern Sie konkret von der Politik?
Eine klare gesetzliche Definition von Selbstständigkeit, die der Realität moderner Arbeit entspricht. Und ein Bewusstsein dafür, dass Flexibilität kein Missbrauch ist, sondern eine Voraussetzung für Innovation. Wenn wir Digitalisierung ernst meinen, müssen wir auch die Strukturen schaffen, in denen sie funktioniert.
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