Hilfe für die Ozeane

Intensiver Fischfang gefährdet nicht nur die Artenvielfalt, sondern wirkt sich auch auf unser Klima aus. Warum ist das so? Und welcher Fisch kann heute noch bedenkenlos gegessen werden?

Illustration: Vanessa Chromik
Illustration: Vanessa Chromik
Interview: Alina Jensen Redaktion

Herr Froese, warum schadet intensiver Fischfang auch unserem Klima?
Ein Grund dafür ist die Methode, mit der überwiegend gefangen wird: die Fischerei mit Grundschleppnetzen. Die meisten Grundschleppnetze bestehen aus einem trichterförmigen Netz, das von einem oder mehreren Schiffen gezogen wird. Dabei werden Scherbretter, so groß wie Scheunentore, über den Boden gezogen, um das Netz offenzuhalten. Zwischen ihnen ist eine Kette gespannt, die über den Meeresboden geschleift wird und die Fische in Bodennähe hochscheucht. Die werden dann im großen Netz dahinter gefangen. Um die schweren Geräte über den Boden zu ziehen, wird sehr viel Schiffsdiesel verbraucht. Eine Studie von 2018 schätzt den weltweiten Verbrauch auf 40 Milliarden Liter Diesel mit einem CO2 -Ausstoß von 179 Millionen Tonnen.

Welche Folgen hat die Grundschleppnetzfischerei für den Meeresboden?
Der Ozean absorbiert etwa ein Viertel unserer weltweiten CO2-Emissionen und mildert so die Folgen des Klimawandels ab. Am Meeresboden wird das CO2 abgelagert, das von oben als Fäkalien oder absterbendes Material heruntersinkt. Er funktioniert dabei wie eine gut organisierte Mülldeponie. Wenn ein Grundschleppnetz über den Meeresboden gezogen wird, dann wird das CO2 wieder aufgewirbelt und es kann weniger zusätzliches CO2 aufgenommen werden. Außerdem werden so viele Pflanzen und Lebewesen zerstört. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Produktivität des Meeresbodens ungefähr um 50 Prozent sinkt, wenn da ein Grundschleppnetz drüber gegangen ist.

Wie wirkt sich der Fischfang noch auf das Klima aus?
Ein weiteres Problem ist die Überfischung. Wenn Fische sterben, sinken sie zu Boden und auch ihr Kot sammelt sich dort an. All das entzieht dem Meer CO2, das die Fische durch ihre Nahrung aufgenommen haben. Wenn wir dem Meer Fische entnehmen, dann wird ihr CO2-Gehalt an Land freigesetzt. Ungefähr 20 Prozent eines Fischbestands kann man pro Jahr nachhaltig fangen, das wächst wieder nach. Tatsächlich werden aktuell 40 bis 60 Prozent entnommen. So schrumpfen die Bestände und damit auch die Fähigkeit des Ökosystems, CO2 aufzunehmen und abzulagern.

Was wäre ein Lösungsansatz?
Es gibt auch nachhaltige, schonende Fangmethoden, wie zum Beispiel Reusen, Fallen oder Ringwaden. Die sind zunächst etwas weniger effizient, aber zum Aufbau gesunder Bestände müssen vorübergehend weniger Fische gefangen werden. Dazu müsste die Politik andere Fangmengen beschließen. In drei bis fünf Jahren würden gesunde Bestände dann wieder höhere Fänge erlauben. Nachhaltige Fischerei ist eine der Maßnahmen, die dem Ozean am schnellsten helfen kann. Eine gesunde westliche Ostsee mit höherem Fischbestand könnte dann zwei- bis dreimal mehr CO2 aufnehmen, als sie das gegenwärtig tut.

Welcher Fisch kann problemlos gegessen werden?
Es gibt viele Fischarten im Angebot und je nachdem, wo zum Beispiel ein Hering herkommt, ist es okay oder nicht, ihn zu essen. Es gibt ein paar Bestände, die noch in Ordnung sind. Etwa Scholle und Flunder aus der Ostsee, die Makrele aus der Nordsee oder der Wildlachs aus Alaska. Wenn wir die Fischbestände richtig bewirtschaften, könnten wir in der Zukunft sogar noch mehr Fisch essen, als wir das jetzt tun.

Rainer Froese

ist Meeresbiologe und arbeitet am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel

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