Die E-Gebrauchtwagen kommen

Die Regierung fährt den Umweltbonus für neue E-Fahrzeuge allmählich zurück. Lohnt sich jetzt ein Auto aus zweiter Hand?

Illustration: Mal Made
Illustration: Mal Made
Lena Bulczak Redaktion

Elektroautos sind eine echte Alternative zum Verbrenner. Das zeigt sich inzwischen sogar auf dem Gebrauchtwagenmarkt, der langsam Fahrt aufnimmt. Auf Internetplattformen wie mobile.de ist die Zahl der elektrischen Gebrauchtwagen ab dem Baujahr 2019 sprunghaft angestiegen. Kein Wunder, denn mit Modellen wie dem VW ID.3, dem Opel Corsa-e, dem E-Fiat 500 und dem Tesla Model 3 sind in dieser Zeit sehr viele alltagstaugliche Elektroautos mit passablen Reichweiten auf den Markt gekommen.

Gleichzeitig fährt die Regierung Schritt für Schritt den Umweltbonus für Neukauf und Leasing von Elektroautos herunter. Unternehmen und Selbstständige bekommen ihn schon seit Anfang September nicht mehr und auch für Privatkäufe und Leasing-Verträge mit mindestens 24 Monaten Laufzeit reduziert sich der Zuschuss ab Januar 2024 auf 4.500 Euro und es gibt ihn auch nur, wenn der Nettolistenpreis des Neuwagens unter 45.000 Euro liegt. Ab 2025 wird er ganz eingestellt. 

Hinzu kommt, dass das Bundesverfassungsgericht die Aufstockung des Klima- und Transformationsfonds (KTF) mit nicht genutzten Krediten aus der Corona-Pandemie für unzulässig erklärt hat. Die infolgedessen verhängte Haushaltssperre könnte auch Einfluss auf den Umweltbonus in 2024 haben. Wer ganz sicher gehen will, dass er den Zuschuss  bekommt, müsste sein Auto also noch in diesem Jahr zulassen, was angesichts der Lieferzeiten bei Neuwagen schwierig werden dürfte.

Mit etwas Glück gibt es aber auch beim Gebrauchtwagenkauf oder Leasing einen Umweltbonus. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass für den Wagen noch keine Förderung beantragt wurde. Weiterhin muss das E-Auto über einen gewerblichen Fahrzeughandel bezogen werden, darf nicht länger als ein Jahr zugelassen sein und höchstens 15.000 Kilometer auf dem Tacho haben. Kurzentschlossene könnten dann sogar in diesem Jahr noch die Prämie von 6.750 Euro einstreichen.

Muss es also wirklich ein neues Auto sein? Die Anschaffung eines Gebrauchten ist nicht nur günstiger, sondern auch noch nachhaltiger. Laut ADAC und TÜV Nord spricht nichts dagegen, sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umzuschauen. Die Gebrauchtpreise liegen oft schon auf dem Niveau von Verbrennern und die Unterhaltskosten sind meist geringer. Ein Elektroauto hat viel weniger Verschleißteile als ein Auto mit Verbrennungsmotor. So muss man sich zum Beispiel keine Gedanken darüber machen, ob demnächst die Kupplung zu reparieren oder der Auspuff zu ersetzen wäre.

Unabdingbar ist es allerdings beim Herzstück der E-Autos, der Batterie, genau hinzuschauen. Sie ist das teuerste Bauteil. Deswegen sollte ihr Gesundheitszustand, der sogenannte State of Health (SoH), vom Verkäufer möglichst genau in Prüfprotokollen nachgewiesen werden. Auch ADAC und TÜV Nord helfen hier weiter und bieten einen Batteriecheck an. 

Dabei hängt der Verschleiß weniger vom Alter ab als vielmehr von der guten Pflege: So stellten beispielweise Prüfer des TÜV Nord kürzlich in einem Test sieben bis zehn Jahre alter Elektroautos SoH-Werte von mehr als 90 Prozent fest. Damit schnitten die Gebrauchten besser ab als einige nur wenige Monate alte E-Fahrzeuge, deren Akkus nachlässig behandelt wurden. 
 

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