Bezahlen per Smartphone

November 2015 | Capital | International Business

Bezahlen per Smartphone

E-Payment liegt international im Trend. Auch in Deutschland ist bargeld­loses Bezahlen auf dem Vormarsch. Die neueste Entwicklung: Das Handy als digitales Portemonnaie.

Illustration: Marianna Weber, Judith Reetz
Anette Stein / Redaktion

Immer mehr Kunden nutzen elektronische Bezahlsys­teme. Wer gern per Computer oder Smartphone einkauft, kennt in der Regel Dienste wie Paypal, Click&Buy oder sofort­überweisung.de. Paypal ist das am häufigsten gewählte Verfahren, rund 15 Mil­lionen deutsche Internet-Shopper sind hier registriert. Im Oktober dieses Jahres startete mit Paydirekt die deutsche Antwort der heimischen Kreditwirtschaft auf den US-­amerikanischen Anbieter Paypal. Für dieses System kann sich der Nutzer über seinen Onlinezugang bei der Bank freischalten lassen. Eine vergleichbare Alternative ist Masterpass von Mastercard, nutzbar für Kunden mit einer Kreditkarte und auch international verfügbar.

 

Möchte ein Kunde sein Handy als Zahlungsinstrument in realen Geschäften nutzen, kann er dies beispielsweise über das kontaktlose Bezahlen in Form von Near-Field-Communication-Technologie (NFC) vornehmen. Voraussetzung dabei ist zum einen, dass der Händler über entsprechende Kassenterminals verfügt. Beim Bezahlvorgang werden die Zahlungsinformationen per Nahfunk an die Kasse geschickt. Dazu muss der Käufer seine NFC-fähige Maestro (Mastercard) oder Pay-Debitkarte (Visa) oder sein NFC- fähiges Smartphone in unmittelbare Nähe des Lesegeräts halten und die Zahlen – ab einer Summe von 25 Euro – zum Bespiel per Code freigeben. Für das Bezahlen über das Handy benötigt er außerdem eine mobile Geldbörse (Wallet) mit integrierter virtueller Maestro- oder V-Pay-Debitkarte. In Deutschland stellen in erster Linie Mobilfunkanbieter – Telekom, Vodafone, O2 oder Base – Wallets zur Verfügung. Allerdings lassen sich diese nicht von jedem Smartphone und Betriebssystem nutzen. Die großen Player wie Apple, Samsung oder Google engagieren sich ebenfalls auf dem wachsenden Mobile-Payment-Markt, bieten ihre Systeme bisher aber nicht in Deutschland an. Wann sie diese hier einführen werden, ist noch ungewiss. 

 

NFC gilt seit einigen Jahren als die Schlüsseltechnologie für die Entwicklung „Bezahlen per Handy“. Bisher ist der große Durchbruch in Deutschland aber noch ausgeblieben. Seit Juni dieses Jahres können Kunden von ALDI-Nord über NFC mobil bezahlen, möglich ist dies bereits auch bei Tankstellen (Aral, Shell, Star), Douglas, Starbucks, Galeria Kaufhof, Karstadt oder Thalia. Laut Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom gibt es insgesamt in Deutschland derzeit ca. 60.000 NFC-
Akzeptanzstellen. Dies entspricht etwa acht Prozent aller Kassenterminals.

 

Unabhängig von NFC lassen sich hierzulande per Anbieter- Apps beispielsweise Fahrkarten für den öffentlichen Personennahverkehr oder Flug- und Bahntickets kaufen. Auch bei Rewe, Netto und in ausgewählten Edeka­märkten ist das kontaktlose Bezahlen über spezielle Apps und eigene kontaktlose Verfahren – Barcode, ID oder Bluetooth – möglich. 

 

Die Vielzahl der Systeme fordert Kunden einiges ab. Wer mit dem Handy bezahlen möchte, muss sich gut informieren und sorgfältig vorbereiten. Zude m stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Die NFC-Technologie gilt sicherer als Apps: Angriffe auf NFC-Chips sind sehr aufwändig und Hacker müssten nah am Chip sein, was aufgrund der kurzen Distanz zwischen Smartphone und Lesegerät eher unwahrscheinlich ist.