Vom Bad zum Good Guy?

Kunststoffe haben ein schlechtes Image und sind dennoch aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Zeit die Transformation der Branche weiter zu beschleunigen, findet man bei EY-Parthenon.

Florian Huber, Partner EY-Parthenon
Florian Huber, Partner EY-Parthenon
EY-Parthenon Beitrag

Die Branche stünde nicht da, wo sie stehen könnte, konstatiert Florian Huber, Partner von EY-Parthenon, am Rande der K 2022, der wichtigsten Messe der Kunststoff- und Plastikindustrie in Düsseldorf. Über 3.000 Aussteller präsentierten ihre Lösungen dort einem internationalen Fachpublikum. Im Fokus: Technologische Neuentwicklungen, die vom Rohstofferzeuger über den Maschinenbauer bis hin zum Verarbeiter von Kunststoffen dabei helfen sollen, dass der so wichtige Werkstoff ressourcenschonender wird und seinen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Und genau hier sieht Huber noch großen Nachholbedarf: „Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist der Anteil an Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen immer noch deutlich zu hoch.“ 2021 wurden von den weltweit insgesamt 390,7 Millionen Tonnen Kunststoff 352,3 Millionen Tonnen aus fossilen Rohstoffen produziert. Lediglich 32,5 Millionen Tonnen wurden aus recyceltem Kunststoff und 5,9 Millionen Tonnen aus biobasiertem Kunststoff hergestellt, rechnet der Unternehmensberater vor.

Das heißt, es werden immer noch große Mengen von Plastik als „Müll“ und nicht als Rohstoff behandelt. Gerade hier ist der Stakeholder-Druck auch besonders spürbar, da eben Bilder von verschmutzen Meeren oder Stränden oder Flüssen für viel Gesprächsstoff sorgen. Daneben belastet „fossiler“ Kunststoff aber auch die Klimabilanzen der Wertstoffkette und erhöht deren Kapital aber auch die operativen Kosten.

Dadurch wachse der Transformationsdruck auf die Kunststoff- und Plastikbranche seit Jahren, sagt Huber, der durch gezielte Maßnahmen des Gesetzgebers – die EU hat gerade ein umfassendes Maßnahmenpaket mit etlichen Verboten und Recycling-Anreizen verabschiedet – unterstützt und gefördert wird. Besonders groß ist deshalb auch der Hebel für die Branche mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft, glauben die Experten von EY-Parthenon. Die EU gäbe klare Regeln vor und peile Recyclinganteile jenseits der 50 Prozent an. Gleichzeitig steige die Nachfrage weltweit kontinuierlich, weshalb auf Dauer 90 bis 95 Prozent aller Kunststoffe recycling-fähig sein müssen. Für die produzierenden Unternehmen könne das nur einen klaren Fokus auf die Kreislaufwirtschaft, die Cirular Economy, bedeuten, glaubt Huber: „Unternehmen sollten bis an die technisch machbaren Grenzen gehen, um Ressourcen nachhaltig zu schonen und den Anteil an rezyklierten Kunststoffen am Markt deutlich zu erhöhen.“

Auch deshalb sind sich die Experten von EY-Parthenon sicher, könne die Plastik- und Kunststoffindustrie in Punkto Nachhaltigkeit viel erreichen, wenn sie sich in der Produktion auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft konzentriert. Der andere wichtige Hebel: Innovationen. „Produzierende Unternehmen stehen aktuell vor der Herausforderung, den wachsenden Bedarf an Kunststoffen möglichst ressourcenschonend abzudecken", sagt Huber. Deshalb seien nachwachsende Rohstoffe wie Zuckerrohr oder auch synthetischer Kunststoff (gemeint sind in diesem Zusammenhang z.B. Kunststoffe wie PBS, die synthetisch hergestellt werden aber trotzdem positive Umwelteigenschaften haben) langfristige Erfolgsfaktoren für die Branche.

Kritik geht hingegen in Richtung offizieller Seite. Es brauche einheitliche globale Regeln, etwa Grenzausgleichsmechanismen wie den Carbon Border Adjustment Mechanism, kurz CBAM, um die Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen und zu verhindern, dass Probleme (wieder) in andere Weltregionen exportiert werden.

Das alles zeige, dass es noch ein weiter Weg sei – auch wenn die eingeschlagene Richtung schon einmal stimme, betont Huber: „Unternehmen werden die Umstellung auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft und die Umsetzung von Innovationen nur schaffen, wenn sie sich von Grund auf transformieren.“ Hier ist für die Zukunft also insbesondere Pioniergeist gefragt – und eventuell ganz neue Zusammenschlüsse mit Forschung und Wissenschaft.

www.ey.com/de_de/consulting/carbon

 

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