Dekarbonisierung – Kern einer erfolgreichen Strategie für die grüne Transformation

Ein Beitrag von COMMERZBANK

Christine Rademacher ist seit 2017 Divisional Head Financial Engineering sowie Mitglied im Board Lending bei der Commerzbank AG. Die gebürtige Hannoveranerin startete ihre Karriere als Kreditanalystin und Firmenkundenbetreuerin. Seit 2004 ist sie Expertin für strukturierte Finanzierungen. Zusätzlich verantwortet sie die Bereiche Mezzanine, gewerbliche Immobilien, öffentliche Fördermittel wie auch ESG & Sustainable Finance für die DACH-Region, Frankreich, Niederlande und Tschechien.
Christine Rademacher ist seit 2017 Divisional Head Financial Engineering sowie Mitglied im Board Lending bei der Commerzbank AG. Die gebürtige Hannoveranerin startete ihre Karriere als Kreditanalystin und Firmenkundenbetreuerin.
Commerzbank Beitrag

Die Unumkehrbarkeit des Klimawandels, die ehrgeizigen EU-Klimaziele und Konsumenten, die sich immer mehr für Nachhaltigkeit aussprechen, sind die entscheidenden Treiber für diese Entwicklung. Das heißt für Unternehmen, ihren Wirtschaftsaktivitäten so viel CO2 wie möglich zu entziehen. Dekarbonisierung ist das Stichwort. Eine immense Herausforderung für die deutsche Wirtschaft. Die entscheidende Frage lautet: Wie sollen Unternehmen diesen Prozess umsetzen und finanzieren?

Net-Zero1 werden lautet das große Ziel. Aber wo genau sollen Unternehmer ansetzen?
Der nachstehende Wegweiser für ein strukturiertes Vorgehen in vier Schritten hilft Unternehmen, die auf sie zurollende Welle der Dekarbonisierung in den Griff zu bekommen.
 

SCHRITT 1: DEKARBONISIERUNG ZUR CHEFSACHE ERKLÄREN


Nachhaltigkeit ist ein strategisches Top-Thema und damit Chefsache. Denn jetzt werden die Weichen für die grüne Transformation gestellt, die das Geschäftsmodell auf lange Sicht prägen. Um volle Wirkung zu entfalten, muss die CO2-Reduktion in allen Bereichen und auf allen Ebenen eines Unternehmens gemeinsam angegangen werden.

Außerdem kann nur an der Unternehmensspitze entschieden werden, ob und gegebenenfalls welche strategischen Zukäufe für grüne Produktionskapazitäten nötig sind.
 

SCHRITT 2: EINE AUF TRANSFORMATIONSFINANZIERUNG SPEZIALISIERTE BANK EINSCHALTEN


Je früher Unternehmen und Bank gemeinsam Kennzahlen und Ziele für die grüne Transformation festlegen, desto eher besteht Klarheit über den Investitionsbedarf. Dabei sind die Erwartungen des Banken- und Kapitalmarktes mit zu berücksichtigen. Erst wenn Dekarbonisierungs- und Finanzierungsstrategie Hand in Hand gehen, wird Net-Zero zum Erfolgsmodell. Wie in anderen CO2-intensiven Sektoren ist der Investitionsbedarf zum Beispiel in der Papier- und Verpackungsindustrie enorm. Das liegt an dem hohen Energieverbrauch und der Notwendigkeit, die Produktionsverfahren anzupassen, um CO2-frei produzieren zu können.

Eine solche Transformation kann ein Unternehmen schnell an die Grenzen seiner Verschuldungsfähigkeit bringen. Nur eine Bank, die alle Kapitalmarkt- und Förderinstrumente in die Finanzierungsstrategie integriert, kann einem Unternehmen entscheidende Vorteile sichern. Neben EU-Taxonomie-konformen, grünen und ESG-linked-Finanzierungsinstrumenten bieten sich Bundes- und KfW-Förderung an.

Eine gefestigte und vertrauensvolle Beziehung zwischen Bank und Kunde ist an der Stelle insbesondere für Mittelständler entscheidend. Nicht alle sind am Kapitalmarkt aktiv. Deshalb sind hier bilaterale Kredite besonders gefragt.

DEKARBONISIERUNGSPFAD UND -HEBEL IN DER PRAXIS,* Offsetting: nur für nicht vermeidbare Restemission geeignet Quellen: Engie Impact/Commerzbank/European Sustainability Reporting Standards ESRS E1
DEKARBONISIERUNGSPFAD UND -HEBEL IN DER PRAXIS,* Offsetting: nur für nicht vermeidbare Restemission geeignet Quellen: Engie Impact/Commerzbank/European Sustainability Reporting Standards ESRS E1

SCHRITT 3: TRANSPARENZ ÜBER DEN CO2-STATUS-QUO SCHAFFEN


Ausgangspunkt einer jeden Dekarbonisierungsstrategie ist der CO2-Fußabdruck des Unternehmens.
Das Standardformat, um zunächst den Status quo abzubilden, ist die CO2-Bilanz nach Green House Gas Protocol. Sie gibt Aufschluss über die direkten (Scope 1) und indirekten (Scope 2 und Scope 3) Emissionen eines Unternehmens.

Damit können für alle Produktionsstandorte und Unternehmensbereiche die einzelnen Teilemissionsmengen berechnet sowie Verantwortlichkeiten von Führungskräften dafür festgelegt werden. Das ist Voraussetzung für Schritt 4.
 

SCHRITT 4: KONKRETE MASSNAHMEN ANSTOSSEN – DANN STAKEHOLDER INFORMIEREN


Dekarbonisierungs- und Finanzierungsstrategien stehen. Der CO2-Ausstoß ist bekannt. Jetzt kann die Umsetzung beginnen.

Zunächst stehen Energieeffizienzmaßnahmen im Fokus. Ebenso wichtig ist es, die Energieversorgung auf grün umzustellen und Energie aus nachhaltigen Quellen selbst zu produzieren. Der aufwendigste Teil ist die Anpassung der Produktionsanlagen an grüne Primärenergie. Nicht zu vermeidende Emissionen können durch ein sogenanntes Offsetting2 ausgeglichen werden. Auch sollten Dekarbonisierungsmaßnahmen in der Lieferkette eingefordert werden.

Um die Transformation insbesondere in den industriellen Sektoren zu unterstützen, sind sogenannte Carbon Contracts for Difference (CCfD) geplant. Die Bundesregierung arbeitet an entsprechenden Gesetzesvorhaben. Gerade in der Anlaufphase sollen sie das Unternehmensrisiko von Investitionen in treibhausgasarme Produktionsverfahren mindern.

Last but not least sind die Stakeholder zu informieren. Nachhaltigkeit ist Überzeugungsarbeit. Regelmäßige Berichtsformate sind deshalb unerlässlich, um die Glaubwürdigkeit der eigenen Dekarbonisierungsstrategie herauszustellen.
 

FAZIT

Dekarbonisierungsstrategien entwickeln sich immer weiter. Zur Wahrheit gehört, dass insbesondere energieintensive Branchen bei der Umsetzung an technische Grenzen stoßen werden. Entscheidend ist aber, schon heute anzufangen und das eigene Unternehmen nach Möglichkeiten zu durchforsten, um CO2 einzusparen. Das Machbare sollte umgesetzt und in der Kapitalstruktur berücksichtigt werden. Das honorieren Investoren, Banken, Geschäftspartner und Kunden. Es gibt keine Zeit zu verlieren. Es ist Zeit, etwas zu bewegen!

www.commerzbank.de
 

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