Deutschlands Rechenzentrenbetreiber investierten allein im vergangenen Jahr 12 Milliarden Euro in IT-Hardware und 3,5 Milliarden Euro in Gebäude – so viel wie noch nie, berichtet der Branchenverband Bitkom. Doch der Boom kommt ins Stocken. Für den weiteren Ausbau fehlt es an Energie und Personal, ein weiterer Hemmschuh ist die Regulierung. In einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft ist es schlicht eine Notwendigkeit, den Anschluss nicht zu verlieren.
Besonders offensichtlich ist das Problem mit der Stromversorgung, das von zwei Seiten greift. Zum einen sind die Strompreise in Deutschland auch für energieintensive Großverbraucher vergleichsweise hoch. „Wettbewerbsfähige Strompreise sind ein zentraler Standortfaktor – gerade mit Blick auf KI und neue industrielle Anwendungen“, sagt Alexander Weiss, Leiter der Energieberatung von McKinsey Deutschland. Zum anderen kann, zumindest regional, nicht so viel Strom geliefert werden wie benötigt. Zwar nimmt die Effizienz der IT-Systeme stark zu, ihr Energiebedarf wächst aber noch viel schneller.
Ein Ausbau der Infrastruktur ist dringend nötig, geht aber unter anderem wegen fehlender Flächen und langen Genehmigungsverfahren nicht schnell genug. Eine Zwischenlösung bieten sogenannte Power Purchase Agreements – langfristige Stromabnahmeverträge mit Erzeugern erneuerbarer Energien. Eine weitere Option ist die dynamische Anpassung des Stromverbrauchs in Zeiten, in denen ein Überschuss herrscht.
FEHLENDE FACHKRÄFTE
Weniger augenfällig als der Energiehunger ist der Personalbedarf. Schließlich braucht es nicht viele Menschen, um ein Rechenzentrum zu betreiben – diese müssen aber hochqualifiziert sein. Insbesondere außerhalb von Ballungszentren ist es schwierig, sie zu finden. Hinzu kommt, dass geschultes Fachpersonal auch für den Ausbau der Infrastruktur benötigt wird. Mit mehr Fernwartung und Automatisierung lässt sich nur begrenzt gegensteuern. Hilfreich sind mehr Aus- und Weiterbildung, Umschulungen, flexible Arbeitszeitmodelle und Kooperationen mit Dienstleistern. Kurzfristig werden diese Maßnahmen das Problem aber nicht lösen.
Bleibt die Regulierung als dritte Herausforderung. Das Energieeffizienzgesetz etwa erlegt Rechenzentrenbetreibern neue Pflichten auf – darunter eine Grünstrom-Pflicht und eine steigende Pflicht zur Abwärmenutzung. Was prinzipiell sinnvoll ist, kann zum Standortnachteil werden: Die deutsche Regulatorik ist strenger als die europäische.
Immerhin hat die Politik die Bedeutung der Branche erkannt. Im März 2026 beschloss die Bundesregierung eine Rechenzentrumsstrategie, die Deutschland bis 2030 zu „einem der attraktivsten Standorte für Rechenzentren“ machen soll. Geplant sind unter anderem schnellere Genehmigungsverfahren und die Förderung innovativer Rechenzentrumstechnologien. Ob die Strategie hält, was sie verspricht, bleibt abzuwarten: „Wir messen den Erfolg nicht an Ankündigungen, sondern an dem, was in zwölf Monaten im Bundesgesetzblatt steht“, sagt Peter Pohlschröder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der German Datacenter Association.