Herr Mölling, Audio spielt in vielen Marketingbudgets noch immer eine Nebenrolle. Warum?
Viele Unternehmen glauben, sie haben ihren Mediamix im Griff. Sie buchen digital, messen und optimieren und übersehen dabei einen Kanal, der täglich mehr Menschen erreicht als einzelne Plattformen. Mit wachsender Präzision und ohne Algorithmusrisiko. Das ist kein Detail, sondern der teuerste blinde Fleck im deutschen Marketing. Wer nur auf große Plattformen schaut, verkennt, wie stark Audio längst in digitale Strategien integriert ist.
Was hat sich in den letzten Jahren konkret verändert – was kann Audio heute, was früher nicht möglich war?
Radio war schon immer reichweitenstark. Neu ist die Präzision. Wir targeten nach Geografie, Interessen und Tageszeit, messen Werbewirkung bis auf Conversion-Ebene und buchen programmatisch wie Display oder Social. Dazu kommen Tausende Streams und mehr als 1.300 Podcasts – planbar aus einer Hand, ohne Cookie-Abhängigkeit. Reichweite und Targeting schließen sich nicht mehr aus. Wer Audio heute ignoriert, verzichtet auf einen der leistungsfähigsten Kanäle im Mediamix.
Sie sprechen das Thema Plattformabhängigkeit regelmäßig an. Warum ist das ein Risiko?
Wer sein Budget stark bei Google oder Meta bündelt, macht sich abhängig von Algorithmen, CPM-Logiken und Entscheidungen, die Reichweiten über Nacht verändern können. Das erleben Unternehmen gerade. Audiowerbung über deutsche Publisher ist das Gegenteil: transparent, planbar, unabhängig. Wer über Resilienz im Marketing spricht, muss auch über seinen Mediamix sprechen. Digitale Souveränität betrifft auch die Frage, wo und unter welchen Bedingungen Marken sichtbar sind.
Funktioniert Audio auch bei erklärungsbedürftigen Themen?
Absolut. Die ING setzte Audio in einer B2B-Kampagne für ihr Business-Tagesgeldkonto ein. In der Gruppe mit Spot-Erinnerung lag die ungestützte Markenbekanntheit 22 Prozentpunkte höher als ohne Kontakt. 52 Prozent zogen die ING konkret in Betracht gegenüber 39 Prozent ohne Audio. Die Kaufwahrscheinlichkeit stieg von 51 auf 69 Prozent. Das sind keine Imagewerte, sondern messbare Effekte auf die Kaufentscheidung. Audio funktioniert auch bei komplexen Botschaften, weil es Aufmerksamkeit in einem konzentrierten Nutzungsmoment erzeugt.
Die Kreation galt lange als Hürde. Hat sich das geändert?
Ja. Mit unserem KI Spot Creator entsteht ein sendereifer Spot in kurzer Zeit, automatisiert von Text über Sounddesign bis zur Sprecherintegration. 48 Stunden bis on air sind realistisch. Entscheidend ist die Allongen-Funktion: Statt eines Motivs entstehen automatisch Varianten – regional, zielgruppenspezifisch oder angebotsdynamisch. Was früher Wochen dauerte, ist heute skalierbar und datengetrieben. KI ersetzt keine Kreativität, sie erweitert sie und macht Audiowerbung auch für kleinere Budgets zugänglich.
Gibt es ein Praxisbeispiel?
SunExpress nutzte den KI Spot Creator für einen Black-Friday-Deal, kombiniert mit Geo- und Interessen-Targeting. Ergebnis: 3,22 Prozent Klickrate, rund 300 Prozent über Branchenschnitt. Schnell produzieren, präzise ausspielen, Kosten niedrig halten – das ist unternehmerisch sinnvoll und verschafft im Wettbewerb einen Vorsprung.
Wer Audio ignoriert – was verliert er wirklich?
Reichweite, die anderswo teurer eingekauft wird. Präzision im Budgeteinsatz. Und Markensicherheit, die große Plattformen nicht garantieren. Audio in journalistischen Qualitätsumfeldern bietet Transparenz, verlässliche Umfelder, nachvollziehbare Leistungswerte und damit messbare Wirkung.
rms.de
Stefan Mölling kämpft dafür, dass Audio die Anerkennung im Mediamix erhält, die seine Wirkung verdient.