Wenn Maschinen wie Menschen arbeiten

 Roboter sind aus der Fertigung nicht wegzudenken. Nun arbeiten die ersten Humanoiden am Band.

Illustrationen: Nadine Schmidt
Illustrationen: Nadine Schmidt
Axel Novak Redaktion

In den Hallen der Automobilwerke könnte es bald vor Robotern wimmeln, die aussehen und handeln wie Menschen. Mercedes-Benz testet in seiner Produktion in Ungarn und in Berlin-Marienfelde Modelle vom Typ „Apollo“, das sind rund 1,70 Meter große humanoide Roboter. Und bei BMW stapeln und positionieren mattschwartz lackierte Maschinen in Menschengestalt Blechteile: „Ich bin stolz darauf, heute mitteilen zu können, dass unsere F.02-Roboter zur Produktion von 30.000 Fahrzeugen bei BMW beigetragen haben“, schrieb Brett Adcock, der Chef des Roboterherstellers Figure, kürzlich auf LinkedIn.

Die Autoindustrie betrachtet humanoide Robotik als besonders vielversprechend. Analysten der Beratungsfirma IDTechEx gehen davon aus, dass sie in den kommenden zehn Jahren zum mit Abstand größten Anwendungsfeld für solche Roboter wird. Weltweit könnten bis zu 1,6 Millionen Systeme entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette zum Einsatz kommen.
 

OHNE KI IST DER HUMANOIDE ROBOTER NUTZLOS


Die industriellen Anwendungen zeigen, warum Robotik und KI untrennbar zusammengehören: Roboter allein könnten die Bewegungen ausführen, aber nur KI befähigt sie, zu lernen, sich anzupassen und Entscheidungen in Echtzeit zu treffen. „Physical AI“ verknüpft die digitale Intelligenz mit der physischen Welt, sodass die Maschinen auf Sensorik reagieren, Prozesse steuern und Aufgaben autonom lösen können. Ohne diese Verbindung bliebe ein humanoider Roboter ein teurer, unbeweglicher Apparat. Mit KI dagegen kann er zum lernenden Kollegen werden.

Auch die Logistik- und Lagerbranche könnte auf humanoide Robotik setzen. Angesichts des akuten Arbeitskräftemangels und der steigenden Komplexität moderner Lieferketten gelten solche Systeme als vielversprechende Lösung. Sie können Arbeitskosten senken, Betriebsunterbrechungen reduzieren und geraten beim Heben schwerer Lasten nicht so schnell an Grenzen. Die Vorteile der Menschengestalt sind greifbar: Humanoide Roboter passen perfekt in eine von Menschen für Menschen errichtete Welt. Sie überwinden Hindernisse, bedienen Türen oder Werkzeuge und integrieren sich flexibel in bestehende Arbeitsabläufe – anders als Roboter auf Rädern oder starre Industrieroboter. Die Stärke humanoider Systeme liegt in ihrem Potenzial, eine Vielzahl von Aufgaben in komplexen, unstrukturierten Umgebungen zu übernehmen.
 

POTENZIAL FÜR MITTELSTÄNDLER IST ENORM


Die Dynamik des Marktes ist gewaltig. Laut einer Studie der Beratung Nexery könnten bis 2030 weltweit rund 20 Millionen humanoide Roboter im Einsatz sein, vor allem in industriellen Anwendungen. Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre, so die Prognose, könnten humanoide Roboter bereits bis zu 40 Prozent der Tätigkeiten in standardisierten Produktionsumgebungen übernehmen. Der Markt könnte bis 2035 rund 30 Milliarden US-Dollar erreichen. 

Ob auch Deutschland von dem gewaltigen Marktpotenzial profitieren kann, ist noch unklar. Globale Marktanalysen zeigen: 45 Prozent der humanoiden Robotikunternehmen stammen aus China, 27 Prozent aus den USA – bisher taucht Deutschland kaum auf.

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