Herr Jeraj, Sie sind seit Kurzem CTO und CSO von Manage Now. In dieser Rolle beschäftigen Sie sich täglich mit Cyberangriffen, geopolitischen Risiken und neuer Regulierung. Wie stark ist Cybersecurity heute ein wirtschaftlicher Faktor für Unternehmen?
Cybersecurity ist längst mehr als IT-Thema – sie ist ein zentraler Aspekt des Geschäftsrisikos. Angriffe sind organisiert, international vernetzt und zunehmend automatisiert. Gleichzeitig wachsen durch Cloud-Architekturen, mobiles Arbeiten und miteinander verknüpfte Produktionssysteme die digitalen Angriffsflächen. Eine erfolgreiche Attacke kann IT-Systeme lahmlegen, Lieferketten unterbrechen und erhebliche Reputationsschäden verursachen. Für viele Firmen stehen dabei unmittelbare wirtschaftliche Folgen im Raum, beispielsweise Produktionsausfälle oder Vertrauensverlust bei Kunden und Partnern. Gleichzeitig verschärfen sich gesetzliche Vorgaben – Sicherheit wird dadurch zur Managementaufgabe und zur Voraussetzung für stabile Geschäftsprozesse sowie digitale Innovation.
Manage Now ist eine junge Marke, baut aber auf jahrzehntelanger Erfahrung aus dem Umfeld von TDS und Fujitsu auf. Wodurch unterscheiden Sie sich von klassischen IT-Dienstleistern?
Der Unterschied liegt vor allem in der Verbindung aus fundiertem Betriebswissen und einem transformatorischen Serviceansatz. Viele Technologie-Dienstleister arbeiten mit einzelnen Infrastrukturen oder Services. Wir dagegen verstehen uns als End-to-End-Partner für die digitale Transformation – von Beratung und Implementierung bis zum stabilen Aufrechterhalten komplexer IT-Umgebungen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Geschäftsprozessen, Menschen und Technologie. Ein weiterer Schwerpunkt sind datensouveräne IT-Services aus Deutschland, etwa durch eigene Rechenzentrums-Infrastruktur mit hohen Sicherheitsstandards. Für Unternehmen in regulierten Branchen wird es immer wichtiger, Services zu nutzen, die technologisch leistungsfähig sind und rechtlich verlässlich genutzt werden können.
Sie verantworten Technologie und Vertrieb – welche strategischen Prioritäten setzen Sie für Manage Now?
In meiner Rolle geht es darum, Technologie, Marktanforderungen und Unternehmensstrategie zusammenzuführen. Zum Jahresbeginn haben wir unser Portfolio geschärft, in klaren Produktlinien neu ausgerichtet und stärker auf Markt und Kunden zugeschnitten – etwa in Bereichen wie Sovereign Cloud, Managed Security und Data & AI. Damit ist unsere Transformation abgeschlossen, der Fokus liegt jetzt klar auf Wachstum. Entscheidend ist dabei die Kundenorientierung: Wir wollen konkreten Mehrwert schaffen. Deshalb entwickeln wir unser Angebot weiter – beispielsweise durch Automatisierung und moderne Cloud-Architekturen. Unser Ziel sind innovative, sichere und wirtschaftliche IT-Services, mit denen wir Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation begleiten.
Manage Now spricht von „souveräner integrierter IT“ – was bedeutet digitale Souveränität für Unternehmen konkret?
Organisationen müssen die Kontrolle über ihre Informationen, IT-Architekturen und geschäftskritischen Prozesse behalten. Dazu gehört die Hoheit über Daten: Wo liegen sie, wer greift darauf zu, unter welchem Rechtsrahmen werden sie verarbeitet? Darüber hinaus bedeutet digitale Souveränität, Abhängigkeiten von einzelnen Plattformen zu vermeiden. Hybride und Multi-Cloud-Konstrukte spielen deshalb eine zentrale Rolle. Manage Now betreibt beispielsweise ein eigenes Rechenzentrum in Deutschland und ermöglicht es, Cloud-Services, Managed Services und eigene Infrastruktur flexibel zu kombinieren. Klar ist aber auch: Vollständige Unabhängigkeit wird es in der Praxis kaum geben. Entscheidend ist vielmehr, dass Unternehmen ihre Plattformen variabel steuern und Workloads zwischen unterschiedlichen Umgebungen verschieben können. Dadurch entstehen zusätzliche Handlungsspielräume, unter anderem bei Regulierungen, Performance oder Kosten.
Hybride IT-Strukturen sind ein häufig gewähltes Modell – wo entstehen dabei die größten Risiken?
Schwierig zu bewältigen ist die wachsende Komplexität. Wenn On-Premises-Systeme, Private Clouds und Hyperscaler kombiniert werden, fehlt oft die Transparenz über Datenflüsse, Zugriffsrechte und Sicherheitszustände. Besonders kritisch ist das Identityund Access-Management: Unterschiedliche Systeme führen häufig zu überprivilegierten Accounts – ein typischer Einstiegspunkt für Angriffe. Zudem unterschätzen viele Unternehmen ihre Verantwortung im Cloud-Modell. Fehlkonfigurationen zählen zu den gängigsten Sicherheitslücken. Im Mittelpunkt sollte eine übergreifende Steuerung hybrider IT-Umgebungen stehen – mit zentralem Monitoring, einheitlichem Identity-Management und eindeutigen Governance-Strukturen. Nehmen Sie als Praxisbeispiel das Bildungsportal Rheinland-Pfalz, das wir gemeinsam mit dem Pädagogischen Landesinstitut aufgebaut haben. Diese Plattform vernetzt rund 1.500 Schulen und mehr als 400.000 Lernende, Lehrkräfte sowie Verwaltungsmitarbeitende über ein zentrales Identitätsmanagement mit Single Sign-On. Die Anwendung integriert zahlreiche digitale Dienste in einer skalierbaren Infrastruktur.
Wenn Sie fünf Jahre vorausblicken: Wie wird sich der Markt für Managed Services entwickeln?
Der Markt wird weiter wachsen, weil IT-Landschaften komplexer werden und Firmen ihre Infrastruktur gleichzeitig stabil, sicher und flexibel betreiben müssen. Ich sehe drei Trends: Erstens nimmt die Automatisierung in der IT-Anwendung deutlich zu, auch durch KI-gestützte Analysen. Zweitens wächst Security enger mit Managed Services zusammen – Kunden erwarten integrierte Lösungen aus Betrieb, Cloud, Infrastruktur und Sicherheit. Drittens gewinnt digitale Souveränität an Bedeutung. Firmen suchen Partner, die Bereitstellung und Weiterentwicklung ihrer IT zusammenführen. Für Dienstleister birgt das einen Rollenwandel: weg vom reinen Betreiber, hin zum Integrator komplexer Landschaften. Entscheidend wird künftig weniger der eingesetzte Tool-Stack sein, sondern Architekturkompetenz, Governance und verlässlicher Betrieb – und die Fähigkeit, komplexe hybride Plattformen stabil zu orchestrieren.
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