#OffenGesagt – Kompetenz vor Diagnose

Ein Beitrag von Gemeinnützige Hertie-Stiftung

Dr. Eva Koch leitet die Multiple-Sklerose-Projekte in der Hertie-Stiftung. Mit #OffenGesagt setzt sich die Stiftung für mehr Offenheit im Arbeitsleben ein.
Dr. Eva Koch leitet die Multiple-Sklerose-Projekte in der Hertie-Stiftung. Mit #OffenGesagt setzt sich die Stiftung für mehr Offenheit im Arbeitsleben ein.
Gemeinnützige Hertie-Stiftung Beitrag

In Forschung und Therapie chronischer Erkrankungen hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. Im gesellschaftlichen Umgang dagegen sind wir oft weniger weit. Noch immer verändert eine Diagnose den Blick auf einen Menschen – besonders im Berufsleben. Aus einer erfahrenen Kollegin, einem kompetenten Mitarbeiter oder einer geschätzten Führungskraft wird dann schnell „die Person mit der Erkrankung“. Oder, wenn Symptome unsichtbar bleiben, genau das Gegenteil: Dann wird unterschätzt, welche Belastung jemand tatsächlich bewältigt. Beides erleben viele Betroffene. Darüber sollten wir sprechen.

Mehr als jeder zweite Erwachsene gibt an, mit einer chronischen Erkrankung zu leben. Es geht also nicht um Einzelfälle, sondern um die Realität in der Arbeitswelt. Zu der wir alle gehören – als Kolleginnen und Kollegen, Führungskräfte, Arbeitgeber. Wir alle prägen durch unser Verhalten mit, ob Menschen sich verstanden fühlen oder das Gefühl haben, sich erklären zu müssen.

Mit der Kampagne #OffenGesagt möchten wir gemeinsam mit unterschiedlichen Stimmen aus der Gesellschaft Aufmerksamkeit schaffen. Im Kern geht es nicht um Mitleid, sondern um Haltung: Wie sprechen wir über chronische Erkrankungen im Job? Wie vermeiden wir vorschnelle Urteile? Wie schaffen wir ein Arbeitsumfeld, in dem die Kompetenz vor der Diagnose steht? 

Eine Kultur der Offenheit ist aus meiner Sicht eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen ihre Fähigkeiten im Arbeitsleben einbringen können; unabhängig davon, ob sie mit einer chronischen Erkrankung leben oder nicht.

Wir sehen von anderen Menschen immer nur einen kleinen Ausschnitt und wissen nicht, wie viel Kraft es gekostet hat, an einem Meeting teilzunehmen, eine Frist einzuhalten oder den Arbeitsalltag zu bewältigen. Ich wünsche mir, dass wir etwas aufmerksamer füreinander werden. Unterstützung beginnt nicht erst mit einer Offenlegung, sondern vielmehr mit dem Zuhören, Vertrauenschaffen oder der einfachen Frage: Was brauchst du, damit es für dich geht?

ghst.de/arbeiten-mit-einer-chronischen-erkrankung
 

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Illustrationen: Ivonne Schreiber, masslos.org
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