»E-Auto als zusätzlichen Stromspeicher nutzen«

E-Autos als Teil der Energieinfrastruktur: Wer umweltbewusst fährt und systemdienlich lädt, wird belohnt.
Marcus Fendt, Geschäftsführer von The Mobility House
Marcus Fendt, Geschäftsführer von The Mobility House
POWER2DRIVE EUROPE Beitrag


Herr Fendt – Geld verdienen mit dem eigenen E-Auto, das klingt verlockend. Wie geht das?
Das Stichwort heißt Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote). Sie schreibt seit 2015 Mineralölunternehmen Ziele zur Einsparung von CO2-Emissionen vor. Seit diesem Jahr können auch private Elektroautofahrer mit diesen Quoten handeln. Konkret: Mit Ihrem E-Auto sparen Sie Emissionen. Diese Einsparungen können Sie an Mineralölunternehmen verkaufen, die dadurch wiederum ihre CO2-Ziele erreichen können. Sie bekommen dafür eine jährliche Prämie von zurzeit 320 Euro. Abgewickelt wird das zum Beispiel ganz einfach über unser entsprechendes Serviceangebot. Das gilt übrigens für alle Besitzer von E-Autos – also auch Firmen oder Unternehmen des ÖPNV. Damit ist die Quote ein Beitrag zum Klimaschutz und zugleich ein attraktives Modell, mit dem privaten E-Auto oder der Fahrzeugflotte Geld zu verdienen.

Welche Trends sehen Sie noch bei der Elektromobilität?
Viel wird sich in Zukunft um die Batterien in E-Autos drehen. Sie haben weit mehr Kapazität als z.B. die derzeit florierenden Stromspeicher im Eigenheim – warum das E-Auto nicht als Stromspeicher nutzen, während es in der Einfahrt steht? Wir werden auch bald sehen, dass die wachsende E-Auto-Flotte als flexibler Schwarm-Stromspeicher dient, um in Peak-Zeiten von erneuerbarer Energieproduktion Strom zu speichern und ihn während der Standzeit an der Ladestation wieder ins allgemeine Netz einzuspeisen, wenn er gebraucht wird – Stichwort Vehicle-to-Grid (V2G). Natürlich nicht kostenlos – damit können Besitzer von E-Autos ebenfalls Geld verdienen! Das haben wir in vielen Realprojekten mit Partnern aus der Automobilbranche nachgewiesen . Voraussetzung ist allerdings, dass die Ladeinfrastruktur und die E-Autos das sogenannte bidirektionale Laden erlauben – vereinfacht gesagt, dass E-Autos Strom auch wieder abgeben können. Die technischen Anforderungen regelt eine Norm, die noch dieses Jahr implementiert wird.

 

Power2Drive Europe

Vom 11. bis 13. Mai findet in München die Power2Drive Europe statt, die große Messe für alles rund um die E-Mobilität und Ladeinfrastruktur. Welche Themen können wir da erwarten?
Ich sehe vor allem das Thema der Skalierung weit oben. Die Frage ist doch: Wie schaffen wir es, so viele E-Autos wie möglich nicht nur in den Markt zu bringen, sondern sie auch intelligent ins Netz und in ein erneuerbares Energiesystem zu integrieren? Für mich ist die Power2Drive Europe tatsächlich die Leitmesse, die alle Themen zur Ladeinfrastruktur, der intelligenten Steuerung der Elektromobilität und erneuerbaren Energieproduktion und -speicherung zusammenbringt. Es geht ja darum, die Solaranlage auf dem Dach, den Batteriespeicher im Keller oder der Garage und die Ladeinfrastruktur intelligent miteinander zu vernetzen. Wir freuen uns sehr, unsere Produkte und Lösungen in München vorstellen zu können und unsere Kunden und Partner wiederzusehen.

 

Power2Drive Europe

Die Power2Drive Europe ist die internationale Fachmesse für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität. Unter dem Motto „Charging the future of mobility!“ ist sie der ideale Branchentreff für Hersteller, Lieferanten, Installateure, Flotten- und Energiemanager, Händler und Start-ups. Im Fokus der Fachmesse stehen Ladesysteme, Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienstleistungen sowie innovative Lösungen und Technologien für eine nachhaltige Mobilität. Die Power2Drive Europe findet vom 11.–13. Mai 2022 auf der Messe München statt.

www.PowerToDrive.de

 

Nächster Artikel
Technologie
Oktober 2021
Illustration: Wyn Tiedmers
Redaktion

Lithium aus Deutschland

Elektroautos boomen, doch die enorme Rohstoffnachfrage sorgt für Konflikte und Umweltprobleme. Eine mögliche Alternative: heimisches Lithium, extrahiert aus Geothermie-Anlagen.