Mobilität managen

März 2018 | Capital | International Business

Mobilität managen

Internationalisierung, Regulierung, Kostendruck – die Anforderungen an das Fuhrparkmanagement steigen.

Illustration: Friederike Olsson
Mirko Heinemann / Redaktion

Der Fuhrpark bildet in Unternehmen nach wie vor das Herzstück der Mobilität. Doch neue Regulierungen, wachsende Anforderungen an die Fahrzeuge sowie die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft sorgen dafür, dass die Komplexität von Mobilität steigt. Flottenbeauftragte, die sich bisher vor allem um Fahrzeuge gekümmert haben, werden in Zukunft auch andere Aspekte der Mobilität in den Fokus nehmen müssen. Fuhrparkmanager werden zu Mobilitätsmanagern.

Gefragt sind, über den reinen Fuhrpark hinaus, Lösungen für eine integrierte und intermodale Mobilität. Der typische Reisende – ob Vertriebsmitarbeiter oder Geschäftsführer – ist längst viel mehr als ein Dienstwagenfahrer. Er möchte mobil sein, ob er zu einem Termin an den Potsdamer Platz in Berlin reist, eine Zweigstelle in Spanien besucht oder Kooperationspartner in Osteuropa. Ihren Dienstwagen werden sie nicht in jedem Fall benötigen – er wird vielmehr zu einem Glied in einer zunehmend komplexen Mobilitätskette (siehe Interview rechts).

Angesichts der rapiden Veränderungen sollte es auf der Hand liegen, dass Unternehmen ihrem Fuhrparkmanagement erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Folgt man aber einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement (BVF) und der Marktforschungsgesellschaft Dataforce, besteht hier Nachholbedarf. Vor allem kleinere Unternehmen gehen unnötige Risiken ein und bringen sich um Chancen.

Eine „oftmals undurchsichtige Organisation“ haben die Studienautoren bei ihrer Befragung unter 1.500 mit den gewerblich genutzten Fahrzeugen ihres Unternehmens beschäftigten Frauen und Männer festgestellt. Das beginnt damit, dass in vielen Unternehmen die Aufgaben rund um den Fuhrpark nicht klar verteilt sind. Viele Personen und Abteilungen, die zum Teil nicht benannt werden konnten, übernehmen Teilaufgaben. Eine systematische Aus- und Weiterbildung als Vorbereitung auf die anspruchsvollen Aufgaben fehlt oder ist mangelhaft.

„Die Erkenntnis, dass Kosten- beziehungsweise Einsparpotenziale auch bei wenigen Fahrzeugen bestehen, ist in kleineren Fuhrparks noch nicht angekommen“, vermutet Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des BVF. Selbst bei kleineren Fuhrparks bis zu 50 Fahrzeugen kümmert sich  in nahezu 75 Prozent aller Fälle mehr als eine Person um den Fuhrpark. „Das lässt auf eine mangelhafte bis nicht unbedingt effiziente Organisation schließen, wenn man von Stellvertretungssituationen mal absieht“, so Prinzing. Bestätigt wird diese Einschätzung durch die Aussage von insgesamt nahezu 30 Prozent aller Befragten, dass sie keine Aussage treffen können, wieviel Zeit andere Personen, die mit Teilaufgaben betraut sind, damit verbringen. Prinzing: „Transparenz sieht anders aus!“

Interessant ist, dass neben dem aufwendigen Schadenmanagement, das mehr als ein Viertel der Arbeitszeit in Anspruch nimmt, auch über 20 Prozent der Arbeitszeit für die Beschaffung von Neufahrzeugen verwendet wird. Es müsse den Verantwortlichen in den Unternehmen klar werden, dass selbst bei einer geringen Anzahl an Fahrzeugen durch ein professionelles Fuhrparkmanagement nicht nur Kosten, sondern auch Halterrisiken, Emissionen und der Anteil demotivierter Mitarbeiter deutlich gesenkt werden könnten, so die Studienautoren. „Ein professionelles Fuhrparkmanagement braucht Management-Attention und kann nur mit gut geschulten sowie fachlich versierten Mitarbeitern umgesetzt werden.“