Wie digitale Gesundheitslösungen PatientInnen und Arztpraxis erreichen

März 2021 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Wie digitale Gesundheitslösungen PatientInnen und Arztpraxis erreichen

Welchen Mehrwert bieten Apps auf Rezept für die Patientinnen und Patienten sowie für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte? Und was müssen Gründerinnen und Gründer im Bereich Digital Health bedenken?

Dr. Robert Schnitzler ist Geschäftsführer des Company-Builders RoX Health GmbH. Als Tochtergesellschaft von Roche unterstützt er Start-ups auf ihrem Weg in den deutschen Gesundheitsmarkt. 
Beitrag RoX Health GmbH / Beitrag

Zunächst einmal, Herr Dr. Schnitzler: wo stehen wir eigentlich bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Das Konzept der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) in Deutschland ist einzigartig: in keinem anderen Land gibt es bisher die Möglichkeit, sich Apps auf Rezept von der gesetzlichen Krankenkasse erstatten zu lassen. Damit ist ein völlig neuer Baustein in die Regelversorgung des deutschen Gesundheitssystems gelangt – und eröffnet faszinierende Möglichkeiten für Gründerinnen und Gründer im Bereich Digital Health. Aber wir sehen auch: Digitale Gesundheitslösungen kommen noch nicht ausreichend bei den Patienten an. Daran müssen wir arbeiten.

 

Woran liegt das?

Es liegt sicher nicht an mangelnder Innovationskraft. Denn ich erlebe viel Ideenreichtum und Energie unter Gründerinnen und Gründern im Gesundheitsbereich. Zunächst müssen wir Transparenz schaffen und Vertrauen in digitale Gesundheitslösungen aufbauen. Dabei spielen Datenschutz und Datensicherheit eine zentrale Rolle. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt: Wir müssen den Mehrwert für die Patientin und den Patienten sowie die behandelnde Ärztin bzw. Arzt herausstellen. Es muss klar sein: Wenn ich eine Gesundheitsapp verwende, die bestimmte Standards erfüllt, ziehe ich daraus einen individuellen Nutzen, der meiner Gesundheit zugute kommt. So kann ich z.B. über eine Smartphone-App erfasste longitudinale Daten mit meiner Ärztin oder meinem Arzt teilen. Diese/r erhält dadurch einen besseren Überblick über meinen Krankheitsverlauf und kann so auf Grundlage der erhobenen Daten eine bessere Diagnose- oder Therapieentscheidung treffen.

 

Worum geht es bei digitalen Gesundheitsanwendungen?

Wir wollen mithilfe intelligen-ter Technologien und datengestützter Tools Krankheiten früher erkennen, monitorieren und therapiebegleitend einsetzen. Eine DiGA soll dem Patienten und der Patientin dabei helfen, den Krankheitszustand engmaschig zu
beobachten, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und mit der Ärztin bzw. dem Arzt zu besprechen. Das geschieht z.B. durch das Aufzeichnen relevanter Bewegungsdaten oder die regelmäßige Durchführung kognitiver Tests auf dem Smartphone.

 

Was ist eine wichtige Voraussetzung, damit eine DiGA erfolgreich am Markt ist?

 Zunächst muss das Verständnis da sein, wie das deutsche Gesundheitssystem funktioniert und welche Anforderungen an eine DiGA gestellt werden, z.B. der Nachweis eines medizinischen  Nutzens. Anschließend braucht es Kraft und Ausdauer, um das Produkt dann tatsächlich zur Patientin bzw. zum Patienten zu bringen. Vielen Start-ups fehlt schlichtweg der Anschluss an die Versorgungsrealität, d.h. an Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte.

 

Und was ist Ihre Rolle als RoX dabei?

Bei RoX verstehen wir uns als Company Builder, eine Art Lotse für GründerInnen im Bereich Digital Health. Mit unserer Expertise begleiten und unterstützen wir Gründerteams beim Auf- und Ausbau ihres Geschäftsmodells, bei der Zertifizierung als digitale Gesundheitsanwendung, im Erstattungsprozess und letztlich auch bei der Skalierung und Vermarktung ihrer Produkte. Zunehmend beraten wir auch, wie von Anfang an eine Skalierung in den internationalen Markt mitgedacht wird. Wir verstehen uns als Teil eines offenen Innovationsprozesses und explorieren das jeweilige Krankheits- oder Themengebiet möglichst breit. Derzeit fokussieren wir uns auf onkologische sowie neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer. Dabei unterstützen wir bevorzugt Lösungen, die sich später über interoperable Schnittstellen in eine offene Datenplattform bzw. -architektur einbinden lassen. Damit wollen wir der Vision eines personalisierten, digitaleren und vernetzteren Gesundheitssystems näher kommen.

 

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