Atemlosigkeit beim Bummeln, Kraftlosigkeit den Tag über oder Schmerzen im Brustbein, wenn man mal kräftiger in die Pedale tritt. Wer solche Symptome feststellt, sollte nicht zögern, den Hausarzt oder den Kardiologen aufsuchen, oder sich sofort ins Krankenhaus begeben. Denn das könnte eine koronare Herzkrankheit (KHK) sein, ein möglicher Vorbote eines Herzinfarkts. Wir beantworten einige Fragen zum Thema.
Was ist eine koronare Herzkrankheit?
Bei der KHK sind die Gefäße, die den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgen, verkalkt. Das behindert die Blut- und Sauerstoffversorgung des Herzens – das immerhin täglich rund sieben Kubikmeter Blut durch den Körper pumpt. So verengte Gefäße können Brustenge – Angina pectoris – auslösen oder zum Herzinfarkt führen, Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen bewirken und im schlimmsten Fall tödlich sein. Allein in Deutschland sind nach Angaben der AOK etwa 4,7 Millionen Menschen von einer KHK betroffen, rund 120.000 Menschen sterben daran jedes Jahr.
Woran erkenne ich eine koronare Herzerkrankung?
Die Symptome sind nicht immer einfach zu deuten: Oft sind dies Kurzatmigkeit, Müdigkeit und Schwächegefühl, aber auch Herzrhythmusstörungen oder ein unregelmäßiger Herzschlag. Seltener treten Schwitzen ohne Grund, Übelkeit und Erbrechen oder Schwindel auf.
Frauen, die generell seltener an KHK erkranken, können andere Symptome wahrnehmen: Druck oder Engegefühle. Unwohlsein im Oberbauch oder Oberkörper, Schmerzen möglicherweise im Rücken, Nacken, Kiefer oder Oberbauch sind Symptome, extreme Müdigkeit ohne körperliche Aktivität.
Was mache ich, wenn ich solche Symptome feststelle?
Bei akuten Beschwerden wie plötzlichen Schmerzen in der Brust, Atemnot oder Engegefühl rufen Sie sofort die 112, denn dann kann es sich um einen Herzinfarkt handeln. Ansonsten sollten Sie auf jeden Fall Ihre Hausarztpraxis oder eine kardiologische Fachpraxis aufsuchen. Dort kann geklärt werden, ob eine KHK vorliegt.
Was machen der Hausarzt oder Kardiologe?
Sie nehmen zuerst Ihren physischen und psychischen Befund auf. Ein Ruhe- und Belastungs-EKG zeigt die Herzstromkurven im Ruhezustand und unter körperlicher Anstrengung auf. Schon dadurch lassen sich schnell Unregelmäßigkeiten erkennen. Eine Herzultraschall zeigt die Pumpkraft und die Herzstrukturen an. Weitere bildgebende Untersuchungen sind die Stress-Echokardiografie, ein Herz-MRT oder die koronare Computertomografie (CT).
Wie wird eine KHK behandelt?
Je nach Befund kann im Krankenhaus ein Herzkatheter eingeführt werden. Das ist ein sehr dünner Kunststoffschlauch, der über die Leiste oder das Handgelenk durch die Blutgefäße bis zum Herzen geschoben und dabei über ein Röntgengerät kontrolliert wird. Das verstopfte Gefäß kann dann direkt behandelt werden: Mit einer sogenannten Ballondilatation wird die Engstelle mit Druck gedehnt. Anschließend kann in dem Gefäß ein Stent eingesetzt werden. Das feine Metallgitterröhrchen sorgt dafür, dass sich die Stelle nicht noch einmal schließt. Ist eine Herzkatheteruntersuchung nicht möglich, kann unter Umständen der Infarkt durch ein gerinnungshemmendes Medikament behandelt werden, das die Blutgerinnsel auflösen soll. Wenn die Verengungen der Gefäße häufiger auftreten oder chronisch geworden sind, ist möglicherweise eine Operation nötig, durch die eine Umleitung zum Herzgewebe gelegt wird – ein sogenannter Bypass.
Wie sicher sind Stents und wie lange halten sie?
Stents sind sehr sichere Gefäßstützen, die sich nicht auflösen und daher dauerhaft im Körper bleiben können. Jedes Jahr werden allein in Deutschland hunderttausende Stents gesetzt. Nach wenigen Wochen schon ist das feine Röhrchen vollständig in die Gefäßwand eingewachsen. Mögliche Risiken wie neue Blutgerinnsel im Stent oder durch Narbengewebe können durch Medikamente und moderne Beschichtungen verringert werden.
Muss ich Medikamente nehmen und wie verhalte ich mich langfristig?
Nach einer KHK müssen Sie meist mehrere Medikamente einnehmen. Weil eine Verklumpung von Blutplättchen, ein Gerinnsel, oft zu einem neuen Verschluss führt, müssen Sie nach einer KHK-Behandlung meist für einige Monate sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer nehmen. Außerdem müssen Sie gering dosierte Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung nehmen – auch hier wird der Zeitraum vom Arzt überwacht. Erhöhte Cholesterinwerte sind ebenfalls ein Risikofaktor, den Sie durch eine Ernährungsumstellung – die berühmte Mittelmeerdiät – senken können. Mit sogenannten Statinen verhindern Sie künftige Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen. Außerdem sollten Sie Ihren Lebensstil anpassen: Hören Sie auf zu rauchen, achten Sie auf eine gesunde Ernährung und bewegen Sie sich öfter. Heute können Menschen sogar nach einem Herzinfarkt genauso lange leben wie Menschen ohne Herzerkrankung.
Was löst eigentlich eine KHK aus?
Es gibt neben Alter und Geschlecht eine Reihe von Risikofaktoren, die eine KHK auslösen. Gefährlich wird’s, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Auslöser sind oft Rauchen, ein hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung. Auch psychische Belastungen und Stress, eine familiäre Vorbelastung oder genetische Faktoren spielen eine Rolle.
Wie sieht es mit der Vorsorge aus? Helfen Apps und Smartwatches?
„Moderne Smartwatches können helfen, den Herzrhythmus kontinuierlich aufzuzeichnen und dabei einen unregelmäßigen Herzschlag, der auf Vorhofflimmern hindeutet, festzustellen. Es braucht in der Regel allerdings einen Mediziner, um aus den Messungen die richtigen Schlüsse für die weitere Diagnostik und Therapie zu ziehen“, so Prof. Dr. Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. Was bestimmte Apps betrifft, so übernehmen die Krankenkassen laut offiziellem DiGA-Verzeichnis bislang nur zwei Apps: die Oviva-Direkt-Bluthochdruck-App sowie ProHerz.
Weitere Infos: herzmedizin.de ist eine von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und dem Bund Niedergelassener Kardiologen (BNK) betriebene, zentrale Wissensplattform.