Adipositas ist eine der drängendsten gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen. Samt der mit ihr einhergehenden Folgeerkrankungen betrifft sie längst nicht mehr nur das Gesundheitssystem, sondern gefährdet die soziale Gerechtigkeit, schränkt die gesellschaftliche Teilhabe ein und belastet durch die Krankheitslast den Arbeitsmarkt. Lange Zeit fehlte die Anerkennung als chronische Erkrankung. Heute erleben wir dank innovativer Therapieoptionen wie den GLP-1-Rezeptor-Agonisten eine historische Trendwende in der Adipositasmedizin. Als Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) setzen wir uns für eine strukturierte Erstattung medikamentöser Therapien nach klar definierten Kriterien ein. Gleichzeitig warnen wir vor strukturellen Defiziten im Gesundheitssystem. Was wir dringend brauchen, sind verbindliche, evidenzbasierte Versorgungspfade und eine flächendeckende, leitliniengerechte Versorgung. Die Therapie muss modular und multiprofessionell aufgestellt sein.
Doch medizinischer Fortschritt allein reicht nicht aus. Nachhaltiger Erfolg im Kampf gegen die Erkrankung gelingt nur, wenn Prävention und Therapie Hand in Hand gehen. Hier ist die Politik dringend gefordert, verhältnispräventive Maßnahmen konsequent umzusetzen. Eine Vielzahl an evidenzbasierten Vorschlägen liegt auf dem Tisch, von der steuerlichen
Entlastung gesunder Lebensmittel bzw. Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke, über Regulierungen für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung, einer gesunden Schulverpflegung bis zum Ausbau von Bewegungsangeboten. Wir müssen endlich den Kreislauf chronischer Erkrankungen wirksam und frühzeitig durchbrechen. Nur so schaffen wir ein gerechtes Gesundheitssystem und echte gesellschaftliche Teilhabe.
adipositas-gesellschaft.de
Sebastian Kruse, Politischer Geschäftsführer DAG. Foto: Rüdiger Glatz