Frau von Fallois, was macht die Situation von Frauen mit HIV besonders?
HIV wird hierzulande noch vorrangig mit Männern verknüpft, auch in medizinischen Einrichtungen. Deshalb kann es lange dauern, bis HIV bei Frauen überhaupt erkannt wird - trotz Symptomen. Viele Frauen haben dann bereits eine medizinische Odyssee hinter sich, mit Folgen für ihre Gesundheit. Die meisten Diagnosen sind Zufallsbefunde oder werden bei Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft gestellt. Denn dann wird standardisiert ein HIV-Test angeboten.
Ein positiver Test kann sehr aufwühlen. Wo finden Frauen psychosoziale Begleitung?
Allererst in Beratungsstellen, die es in einigen größeren Städten gibt. Sie haben zumeist auch Angebote für Frauen, zum Beispiel Sprechstunden zu „Schwanger mit HIV“ oder Selbsthilfeprogramme. Einige Projekte fördert die Deutsche AIDS-Stiftung. Manchmal müssen im ersten Schritt digitale Angebote helfen. Denn für stark eingebundene Mütter oder für Frauen, die in ländlichen Regionen leben, ist es mitunter sehr herausfordernd, sich vor Ort zu vernetzen. Das gilt auch für Frauen mit Migrationshintergrund. Sie müssen oftmals sprachliche und kulturelle Barrieren überwinden.
Wie unterstützt die Deutsche AIDS-Stiftung?
Unsere Stiftung hilft finanziell, mit Hilfe unserer Spenderinnen und Spender. Wir sichern Beratungsangebote und wir motivieren zu neuen Projekten für Frauen mit HIV. Dazu haben wir jüngst mit dem Partner ViiV Healthcare einen Förderfonds für Frauen-Projekte aufgelegt. Es kamen Anträge aus vielen Regionen Deutschlands. Darüber freuen wir uns sehr. Zugleich ist uns wichtig, in die Zukunft zu schauen. Wir fragen uns: Wie sieht künftig die Versorgung von Menschen mit HIV aus, von Frauen und Männern? Dazu gibt es von uns ein aktuelles Gutachten.