Wenn der Körper auf Alarm schaltet

Jeder dritte Erwachsene leidet unter Bluthochdruck. Stress ist einer der Haupt-Risikofaktoren.

Illustrationen: Josephine Warfelmann, linktr.ee/Freuleinwunder
Illustrationen: Josephine Warfelmann, linktr.ee/Freuleinwunder
Olaf Strohm Redaktion

Wenn das Thermometer bereits morgens 30 Grad anzeigt, kann die Aussicht auf einen vollgepackten Arbeitstag die Stimmung drücken. Im Büro wird es dann meist nicht besser. Die Hitze, der Schweiß, der Stress – wenn alles zusammenkommt, beginnt das Herz schneller zu schlagen, der Blutdruck steigt. Was wie ein vorübergehendes Unwohlsein wirkt, ist ein biologischer Reflex: Der Körper schaltet auf Alarmbereitschaft, damit er leistungsfähig bleibt. Doch wenn Stress häufiger oder länger anhält, kann aus dem kurzfristigen Anstieg ein chronisches Problem werden: Bluthochdruck. 

Dass dauerhafter Stress eine Erkrankung an Bluthochdruck begünstigen kann, ist ein bekannter Mechanismus. Das bestätigen Studien der Deutschen Herzstiftung und des Max-Planck-Instituts. Schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Deutsche leiden unter Bluthochdruck, in der Fachsprache arterielle Hypertonie. Damit ist es die Volkskrankheit Nummer eins in Deutschland. Etwa jeder dritte Erwachsene ist betroffen, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter stark steigt. Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Hochdruckliga warnen davor, dass Hochdruck häufig unentdeckt bleibt. Unbehandelt schädigt er dauerhaft die Blutgefäße und ist der wichtigste Risikofaktor für lebensbedrohliche Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Nicht jeder Stress macht krank, aber chronische Überlastung kann den Blutdruck auf Dauer mitprägen. Die Deutsche Hochdruckliga betont, dass Stress nicht nur kurzfristig den Blutdruck steigen lässt, sondern bei anhaltender Belastung auch zur langfristigen Gefäßbelastung beitragen kann. Zugleich weist sie darauf hin, dass Stressbewältigung ein wichtiger Baustein der Resilienz ist.

Laut einer 2025 im British Medical Journal veröffentlichten Metaanalyse von über 50 klinischen Studien können alle gängigen Entspannungsverfahren den Blutdruck senken, solange sie regelmäßig angewendet werden. Am stärksten wirken Achtsamkeitstraining, Psychotherapie sowie fernöstliche Bewegungstechniken wie Yoga und Tai-Chi. Sie können den systolischen Blutdruck kurzfristig stark senken. 

Im Sommer verschärfen Hitze und Flüssigkeitsmangel die Belastung des Kreislaufs. Experten empfehlen, körperliche Aktivitäten in die kühleren Tageszeiten zu verlegen, ausreichend zu trinken und schwere Belastungen in der Hitze zu vermeiden. Regelmäßig und viel Wasser trinken, leichte Kleidung tragen, leichte Mahlzeiten bevorzugen, Alkohol begrenzen. Bewusste Pausen einlegen, etwa mit ruhigem Atmen oder kurzem Rückzug in den Schatten. Ein praktischer Dreiklang für heiße Tage könnte lauten: trinken, runterfahren, Tempo drosseln.

Besonders wichtig ist: Wer bereits Bluthochdruck hat oder Blutdruckmedikamente nimmt, sollte bei Hitze und Stress auf Warnzeichen wie Schwindel, Schwäche oder Herzklopfen achten. Der beste Schutz ist oft simpel: den Körper nicht gleichzeitig mit Hitzestress und Daueranspannung überfordern.
 

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