Frau Dr. Koch, warum sprechen wir über das Arbeiten mit einer chronischen Erkrankung?
Wir sehen in den vergangenen Jahren große Fortschritte in der Forschung und Therapie verschiedener Erkrankungen. Aber im gesellschaftlichen Umgang hinken wir hinterher. Wir neigen dazu, unseren Blick auf Menschen zu verändern, sobald eine Diagnose bekannt wird. Gerade im Arbeitsleben wird das besonders sichtbar. Deshalb lohnt es sich, darüber zu sprechen, wie wir miteinander arbeiten und leben wollen.
Wie kann man Menschen für dieses Thema sensibilisieren?
Für #OffenGesagt arbeiten wir mit Creatorn zusammen, die sich dem Thema in ihrem ganz persönlichen Stil über ihre Kanäle auf LinkedIn, Instagram und TikTok widmen.
Einige haben selbst Erkrankungen wie z.B. Endometriose, Multiple Sklerose (MS) oder Morbus Crohn und erzählen offen von den oft unsichtbaren Symptomen und Herausforderungen, die sie im Alltag und Berufsleben begleiten.
Dadurch entsteht eine Perspektiv-Vielfalt, mit der wir Menschen und Lebenswelten erreichen, zu denen wir als Stiftung sonst keinen direkten Zugang hätten. Die Resonanz ist gut, und wir hoffen, mit dieser Kampagne mehr Offenheit für ein wichtiges Thema in die Gesellschaft tragen zu können.
Betrifft das denn so viele Menschen?
Mehr als jeder zweite erwachsene Mensch gibt an, mit einer chronischen Erkrankung zu leben, Tendenz steigend. Wir sprechen also nicht über ein Randgruppenthema.
Aber es betrifft letztlich uns alle, weil wir alle Teil der Arbeitswelt sind: Kolleg:innen, Führungskräfte oder Mitarbeitende. Und wir alle beeinflussen durch unser Verhalten, wie wir miteinander umgehen, und ob Menschen sich verstanden fühlen oder das Gefühl haben, sich ständig erklären zu müssen.