Neue Therapien

Anstatt mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, sorgen Technologien wie KI und mRNA dafür, Krebstherapien immer zielgerichteter zu gestalten

Illustration: Dominika Kowalska
Illustration: Dominika Kowalska
Julia Thiem Redaktion

CureVac will Impfstoff gegen Krebs vorantreiben“, konnte man Anfang Juni in den Medien lesen. Dafür hat das Tübinger Biotech-Unternehmen 32 Millionen Euro auf den Tisch gelegt, um „Frame Cancer Therapeutics“ zu übernehmen. Das 2018 in Amsterdam gegründete Start-up hat sich darauf spezialisiert, Angriffspunkte für die personalisierte Krebstherapie zu finden.

Diese Übernahme steht stellvertretend für den Wandel in der Krebstherapie, der sich gerade vollzieht – weg von den schweren Geschützen mit vielen Nebenwirkungen, hin zu einer zielgerichteten Therapie. Vor allem neue Technologien wie Künstliche Intelligenz werden mittlerweile als Waffen im Kampf gegen den Krebs eingesetzt. Hierauf hat sich das erst im November letzten Jahres gegründete Start-up LABMaiTE, eine Ausgründung der Universität Freiburg, spezialisiert. Aktuell befindet sich die Idee noch in einer Machbarkeitsphase.

Vereinfacht ausgedrückt wollen die Gründer biologische Experimente im Labor mithilfe ihrer patentierten Lösung perfektionieren. Gegenüber der Badischen Zeitung sagt Mit-Gründer Jonas Bermeitinger: „Je mehr menschlicher Input, je mehr Handanlegen nötig ist, desto größer sind die Abweichungen.“ Deshalb seien selbst in gut ausgestatteten Laboren, die hochautomatisiert arbeiten, biologische Experimente nicht exakt reproduzierbar. LABMaiTE hat die Vision, dank der KI In-vitro-Kulturen von Zellen so optimiert mit Nährstoffen und medizinischen Wirkstoffen zu versorgen, dass „dieses Produkt ein Quantensprung in der Entwicklung personalisierter Zelltherapien“ sein wird, ist Bermeitinger überzeugt.

Zielgerichtete Therapien sind aber nur ein Weg, den die Krebsforschung eingeschlagen hat. Ein anderer – den auch CureVac nun forcieren will – ist durch die Coronapandemie gerade in den Fokus gerückt: Impfungen. Die mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV2 standen auch deshalb so schnell zur Verfügung, weil die Wissenschaft die Technologie bereits seit Jahren erforscht. Mit dem Ziel, eine Krebstherapie zu entwickeln, sind auch die beiden Biontech-Gründer 2008 angetreten. So viel vorab: mRNA-Impfstoffe stehen als Krebstherapie noch ganz am Anfang und ihre Wirksamkeit muss erst in großen klinischen Studien unter Beweis gestellt werden. Dennoch sind Tumorimmunologen und Onkologen verhalten optimistisch. So sagte Niels Halama vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg kürzlich in einem Interview mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft: „Es liegen erste Ergebnisse vor, die darauf hindeuten, dass die Impfung gegen Krebs wirksam sein kann. Deshalb sind wir sehr zuversichtlich.“

Diese Zuversicht beruht sicherlich darauf, dass sich Medizinerinnen und Mediziner insgesamt darin einig sind, dass das Immunsystem der wohl wichtigste Verbündete im Kampf gegen Krebs ist. Eigentlich müsste das Immunsystem Tumorzellen auch als „fremd“ erkennen und diese abtöten. Leider haben Krebszellen Mittel und Wege, das Immunsystem zu überlisten. Mit der mRNA-Technologie werden den Krebspatienten „Protein-Baupläne“ injiziert, mit denen das Immunsystem dann wieder scharf geschaltet werden kann.

 

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