ICCA am zukünftigen Universitätsklinikum Augsburg

Interdisziplinär, multiprofessionell und gemeinsam mit dem Patienten im Kampf gegen Krebs – Interview mit PD Dr. B. Hackanson, stellvertretender Direktor des Interdisziplinären Cancer Centers Augsburg
Links: Interdisziplinäre Beratung im ICCA; Rechts: Priv. Doz. Dr. med. B. Hackanson
Links: Interdisziplinäre Beratung im ICCA; Rechts: Priv. Doz. Dr. med. B. Hackanson
Tumor Centrum Augsburg Beitrag

Ein Kernelement des Interdisziplinären Cancer Centers Augsburg (ICCA) ist die Zentrale Anlaufstelle. Dorthin können sowohl Einweiser unkompliziert und bequem Patienten zuweisen, als auch Patienten und Angehörige alle ihre Anliegen rund um das Thema Tumorerkrankungen adressieren. Von der Zentralen Anlaufstelle aus werden dann über das Netzwerk der klinikumsinternen und externen Partner in den Praxen alle erforderlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen in die Wege geleitet.

Hierbei sticht das ICCA in puncto Patientenorientierung mit seiner interdisziplinären Beratungssprechstunde hervor: „Bereits beim ersten ambulanten Termin wird der Patient von allen Ärzten der jeweils an der spezifischen Krebsbehandlung beteiligten Fachrichtungen beraten und kann sich somit sicher sein, dass alle infrage kommenden Behandlungsansätze für seine spezielle Erkrankung geprüft wurden“, so Hackanson. Abhängig von der Krebserkrankung wird der Patient also z.B. bei Lungenkrebs von einem Expertenteam aus Thoraxchirurgen, Lungenfachärzten, Strahlentherapeuten und Onkologen oder beim Dickdarmkrebs von Viszeralchirurgen, Gastroenterologen, Strahlentherapeuten und Onkologen in einem gemeinsamen Gespräch „am runden Tisch“ beraten.

Doch damit nicht genug, im ICCA werden bereits in der Frühphase der Erkrankung auch die psychosozialen Begleitumstände jedes Patienten erfasst, um durch Psychoonkologie, Sportmedizin, Sozialdienst aber auch mit dem neuen Konzept „KiYo“ („Kids und Youngsters krebskranker Eltern“) jedem Patienten und dessen Familie die bestmögliche unterstützende Therapie anbieten zu können. Wie PD Dr. Hackanson weiter berichtet, kann durch die feinabgestimmte Organisation des zentralen Eingangsportals die Erstvorstellung in der Regel innerhalb von 48 bis 72 Stunden realisiert werden.

Auf besonderes Interesse im ICCA stößt auch die „Spezialsprechstunde Oligometastatische Erkrankung“, ein in dieser Form nur an ganz wenigen deutschen Zentren vorhandenes Angebot: „Häufig gelten Tumor-erkrankungen im metastasierten Stadium als unheilbar; in dieser Spezialsprechstunde evaluieren wir gezielt interdisziplinär, ob mit einer Kombination aus Operation, Strahlentherapie und interventioneller Radiologie nicht doch die Möglichkeit auf das Erreichen einer Tumorfreiheit besteht oder ob man für den Patienten nicht zumindest mehr Lebenszeit und vor allem mehr Lebensqualität herausholen kann,“ führt Hackanson aus.

So ist auch die Frage nach dem Vorteil dieses starken Fokus auf interdisziplinäre Therapieansätze für PD Dr. Hackanson offensichtlich: „Die moderne Tumortherapie entwickelt sich durch technisch immer versiertere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten und durch neueste zielgerichtete Systemtherapien rasant weiter. Sich der Herausforderung Krebs nur von einer Seite und mit einer sehr spezifischen Brille zu nähern, ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr glauben wir, dass man die gesamte zur Verfügung stehende Expertise, die ein großes Cancer Center wie unseres bietet, optimal bündeln muss, um dann genau abwägen zu können, was medizinisch möglich und sinnvoll ist, um Krebspatienten bestmöglich zu versorgen.“

Dieser Philosophie entspricht auch eine weitere Spezialsprechstunde des ICCA: „AYA – Jugendliche und junge Erwachsene mit Krebs“, in welcher Patienten im Übergangsalter zwischen 15-25 Jahren gemeinsam von Kinderärzten und entsprechenden Fachärzten der Erwachsenenonkologie betreut und beraten werden.

Auch für die Herausforderung Universitätsmedizin – ab Ende 2018 wird das Augsburger Zentralklinikum das neuste deutsche Universitätsklinikum – sieht sich das ICCA bestens gewappnet: „Wir sind natürlich bereits heute über klinische Studien in diverse Netzwerke in Deutschland eingebunden und können unseren Patienten somit auch die möglichen „Therapien von morgen“ anbieten.

Dennoch glauben wir, dass wir mit dem Aufbau einer Grundlagenforschungsstruktur einen zusätzlichen Mehrwert für unsere Patienten schaffen und auch einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Tumortherapien leisten werden.“


www.icca.de

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