Tierschutzfalle Urlaubsreise

 Endlich Urlaub, es sich gut gehen lassen und etwas erleben: Was uns Menschen als Erholung und Abwechslung vom Alltag dient, bedeutet für viele Tiere in Touristenhochburgen oft das Gegenteil. Sie fristen ein eintöniges Dasein voller Schmerz, Gewalt, Entbehrung und Zwang.

Mit Schlägen und gefesselten Beinen werden Kamele im Tourismus gefügig gemacht. Können sie nicht mehr arbeiten, werden sie getötet.
Mit Schlägen und gefesselten Beinen werden Kamele im Tourismus gefügig gemacht. Können sie nicht mehr arbeiten, werden sie getötet.
PETA Deutschland e.V. Beitrag

In vielen Urlaubsländern lassen skrupellose Geschäftemacher mit Tierattraktionen weiterhin die Kasse klingeln. Vielerorts wird Tierschutzstandards nur wenig Beachtung geschenkt und stilles Leid lässt sich leicht vertuschen. Reiseveranstalter und geschickte Händler vor Ort preisen Kamelritte zu den Pyramiden an, „Eseltaxis“ auf steilen Wegen oder Kutschfahrten in der Sonne. Aktivitäten, die längst aus der Zeit gefallen sind, erzeugen leider immer noch Aufmerksamkeit für die Insta-Story oder den Schnappschuss, den man nach der Rückkehr der Familie zeigt. Welche Torturen hinter solchen Angeboten stecken, wissen viele nicht.
 

VOR ALLER AUGEN WERDEN TIERE ALS BEFÖRDERUNGSMITTEL MISSBRAUCHT


Seit Jahren dokumentiert die Tierschutzorganisation PETA das Leid von Eseln und Maultieren auf der griechischen Urlaubsinsel Santorini und zeigt Verantwortliche an. Bei sengender Hitze müssen die Tiere die etwa 600 Stufen zwischen dem Hafen und der Altstadt von Firà hinauf- und herunterlaufen. Dabei werden sie über ihre Leistungsgrenzen hinaus beladen: tags mit schweren Inselbesuchern und nachts mit Müllsäcken. Sind die Esel zu schwach, um weiterzugehen, werden sie mit Peitschen und Holzstöcken geschlagen. Medizinische Versorgung bleibt den Tieren meist ebenso verwehrt wie ausreichend Trinkwasser und Schatten. Können die Esel die unfreiwillige Arbeit nicht mehr verrichten, werden sie häufig ausgesetzt und sich selbst überlassen. Die griechischen Behörden stempeln die Missstände als „Einzelfälle“ ab; Strafanzeigen laufen ins Leere. Fehlende Kontrollen und unzureichende Umsetzungen von Tierschutzregelungen führen dazu, dass die Esel und Maultiere auf Santorini weiterhin leiden.
 

DER UMGANG MIT KAMELEN, ESELN, PFERDEN UND MAULTIEREN IM TOURISMUS


Auch an Ägyptens Tourismushotspots Gizeh und Luxor sowie in der jordanischen Felsenstadt Petra werden Huftiere als Transportmittel und Fotorequisiten missbraucht. In glühender Hitze, meist ohne Wasser und Schatten, tragen sie die Besucher zu den Pyramiden, den Königsgräbern und durch das weitläufige und steile Gelände der Ruinenstadt. 

Bunt geschmückt und verwundet: Sogenannte Eseltaxis auf Santorini werden kaum medizinisch versorgt.
Bunt geschmückt und verwundet: Sogenannte Eseltaxis auf Santorini werden kaum medizinisch versorgt.

Geht ihnen die Kraft aus, müssen auch sie Schläge erdulden. Selbst offene Wunden bleiben unversorgt. Abseits der Pyramiden fand ein investigatives PETA-Team tote Pferde- oder Kamelkörper, die hinter einer Mauer im Müll entsorgt wurden. Wenige Schritte von den verwesenden Körpern entfernt aßen unterernährte Pferde von den Müllbergen.

Trotz eindringlicher Bemühungen von Tierschützern, die Situation für die Tiere in den Ländern zu verbessern, hat sich auf Santorini, in Ägypten und Petra bislang nur wenig verändert. Nur Gesetzesänderungen zum Schutz der Tiere, Verbote von ausbeuterischen Ritten und konsequente Kontrollen können das Tierleid in Urlaubsgebieten unterbinden.

Um Tierleid im Urlaub vorzubeugen, rät Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere im Tourismus bei PETA, Angebote für Attraktionen mit Tieren konsequent abzulehnen und auf Tierschutzgründe zu verweisen. „Nutzen Sie tierfreie Alternativen“, ergänzt die Expertin. „Auf Santorini steht für den Aufstieg zur Altstadt eine Seilbahn zur Verfügung. Auch eine Unterschrift kann helfen. Mit unserer Petition fordern wir ein Verbot von ‚Eseltaxis‘ auf Santorini.“

PETA.de/aktiv/Santorini-Esel-Petition
 

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