Eine Expedition durch das Sultanat Oman, fünf Tage durch die Rub al Khali – und zwei persönliche Perspektiven auf dasselbe Abenteuer. Julia Tischler-Metzner von Tischler Reisen, deren Familienunternehmen in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, und ihr Kollege Philip, der in Oman außergewöhnliche Expeditionsformate entwickelt, berichten von einer Reise, die ihre Vorstellung von Luxus neu definierte.
„In unserer Branche wird seit Jahren gefragt: Was ist Luxus? Diskutiert wird viel, beantwortet wenig. Premiumhotels und exklusive Erlebnisse können berühren – doch sie verändern selten unser Inneres. Man bleibt Beobachter, oft auf Distanz zu sich selbst.
Die Einladung zu einer Expedition durch die Rub al Khali war deshalb mehr als ein Reiseangebot: fünf Tage von Muscat nach Salalah, 1.700 Kilometer, mehr als 850 davon im Gelände – als Selbstfahrer durch das ,Leere Viertel‘.
Ich habe mich gefreut. Und gezögert. Schlafsack statt Daunendecke, Waschlappen statt Badewanne, ein Loch im Sand als Toilette – das klang nicht nach Luxus. Und doch bin ich aufgebrochen. Mit Philip, mit Abdullah, einem erfahrenen Tourleader, mit einer omanischen Crew und einer kleinen Gruppe Reiseexperten. Wir starteten als Kollegen und kamen als Freunde in Salalah an.
Zwischen endlosen Dünen verschob sich meine Definition von Luxus. Luxus war nicht mehr das Mehr, sondern das Weniger. Und genau dort begann etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt. Denn wie beschreibt man ein Gefühl ohne Namen? Wer zahlt 12.000 Euro für eine Expedition, ohne zu wissen, was ihn erwartet – und verzichtet freiwillig auf Komfort?
Heute weiß ich: Eine einfache Campingdusche kann luxuriöser sein als jede Poolvilla. Und keine Mahlzeit schmeckt besser als die, die unser Koch Abood über dem Lagerfeuer zubereitet. Wenn ich gefragt werde, wie die Reise war, sage ich oft: ,Gut.‘ Doch das wird ihr nicht gerecht. Sie war still – und gerade darin lag ihre Kraft.
Vielleicht ist es dieses Gefühl von Ruhe und Weite, das wir unterschätzen. Wir sind nicht für Lärm und Bildschirme gemacht, sondern für Wind, Sand und sternenklare Nächte.“
Was für Julia als berufliche Fragestellung begann, wurde zur persönlichen Erkenntnis. Nun schildert Philip seine Perspektive: „Der erste Tag bedeutete Kontrollverlust. Kein Empfang, keine Mails, keine Struktur – ich spürte Panik. Am zweiten Tag blieb nur das Loslassen. Die Verbindung zur Außenwelt war gekappt, geblieben war die zu mir selbst. Der dritte Tag brachte Stille – um mich herum und in mir. Goldene Dünen im Wind, ein grenzenloser Himmel – meine Gedanken wurden ruhiger. Ich war glücklich. Am vierten Tag wollte ich bleiben. Doch Expeditionen enden, und Salalah rückte näher. Der fünfte Tag hieß Rückkehr. Mit den ersten Lichtern kam das Summen der Zivilisation – und die alte Geschwindigkeit kehrte zurück. Was blieb, war keine radikale Veränderung. Sondern eine Erinnerung. Ein Vorgeschmack auf Freiheit. Und die Erkenntnis: wahrer Luxus liegt in der Reduktion.“
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