Mit dem Hund ins Gym

Eine neue Art Hundesport wird immer beliebter – nämlich die, wo die Hunde wirklich Sport machen. Das schützt Gelenke, Knochen und stärkt die Hund-Mensch-Bindung.

Illustration: Hanna Kaps
Illustration: Hanna Kaps
Julia Thiem Redaktion

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe für uns Menschen, in ein Fitnessstudio zu gehen – etwa um Muskeln aufzubauen, abzunehmen oder zur Prävention. Auch Reha-Sport vor oder nach einer OP kann Motivation sein. Und was uns guttut, ist auch für unsere Hunde eine Wohltat, sagt Carina Schwarz, Hundephysiotherapeutin aus Stuttgart. Während ihre Dienste bisher vor allem bei Handicap-Hunden, älteren Tieren oder nach Operationen gefragt waren, setzen mittlerweile immer mehr Menschen auf Prävention für ihren Vierbeiner. In der Praxis, in der Carina Schwarz arbeitet, gibt es deshalb ein echtes Hunde-Gym, wo sich Mensch-Hund-Teams in kleinen Gruppen regelmäßig zum „Sport“ treffen. Dafür wird ähnlich wie beim Zirkeltraining ein kleiner Trainingsparcours mit verschiedenen Stationen aufgebaut, wo die Teams unter Anleitung einer Physiotherapeutin Koordination und Balance üben sowie Muskulatur aufbauen können. „Ziel des Hunde-Gyms ist es natürlich in erster Linie, die Hunde körperlich möglichst lange fit zu halten, die richtige Muskulatur zu stärken und damit einen gesunden Bewegungsablauf zu fördern. Einen positiven Nebeneffekt gibt es allerdings auch: Den meisten Hunden macht es Spaß, und gleichzeitig wird die Mensch-Hund-Bindung gestärkt“, erklärt Schwarz. 

Wie auch bei Menschen, ist es ratsam, sich die Übungen zunächst von einem Experten oder einer Expertin zeigen zu lassen, betont Schwarz. Nur dann sei sichergestellt, dass sie auch korrekt ausgeführt würden. Anschließend dürfen Mensch und Hund alleine trainieren – vor allem, wenn es präventiv ist und es noch keine körperlichen Einschränkungen gibt. „Ein Baumstamm im Wald kann prima für die Balance genutzt werden, ein Drehen am Ende schult die Koordination.“ Die Hunde zum Strecken zu animieren, ist ebenfalls eine Übung, die sich prima in den Alltag integrieren lässt – etwa indem man Leckerlis in der Baumrinde versteckt. Netter Nebeneffekt auch hier: Die Nase arbeitet mit, was den Hund kognitiv auslastet. 

Auch ein kleiner Bachlauf, das flache Ufer eines Badesees oder etwas tieferer Sand sind gute „Trainingsbedingungen“, weiß Schwarz. Der Trainingserfolg läge hier allerdings im Detail: „Je nachdem, welche Muskelgruppen angesprochen oder Gelenke unterstützt werden sollen, sollte das Wasser entweder nur knie- oder doch schon hüfthoch sein.“ Auch deshalb lohne sich eine Anamnese in einer Praxis für Hundephysiotherapie – damit das Training anschließend möglichst zielgerichtet ist. Denn eine Einheit im nahegelegenen Bachlauf ist etwas ganz anderes als eine Einheit auf dem Unterwasserlaufband, über das viele Physio-Praxen verfügen. „Während die Hunde im Bach zusätzlich auf Unebenheiten oder Hindernisse auf dem Grund reagieren müssen, bietet das Unterwasserlaufband kontrollierte Bedingungen, damit sich die Hunde auf einen gesunden Bewegungsablauf konzentrieren können“, erklärt Schwarz die Unterschiede. 

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