Sommerhaut: Wenn weniger mehr ist

 Wir kleiden uns im Sommer anders, wir essen anders. Nur die Haut pflegen wir das ganze Jahr gleich. Dabei braucht sie jetzt etwas anderes.

Illustrationen: Elena Resko
Illustrationen: Elena Resko
Julia Stelzner Redaktion

Die Stirn glänzt schon vor dem Mittagessen, gleichzeitig spannen die Wangen, und abends prickelt alles von Sonne und Hitze nach. Da greift man schnell zur reichhaltigen Creme. Verständlich. Und trotzdem falsch. Für die Haut ist Sommer Schwerstarbeit: UV-Strahlung, Hitze, Schweiß, Salz- oder Chlorwasser, dazu die trockene Luft aus der Klimaanlage. Nebenbei soll sie den Körper kühlen, Wasser halten und die Sonne abwehren. Kein Organ steckt in diesen Wochen mehr ein. Und kaum eines wird so gern gecremt. „Die Haut kann vieles selbst“, sagt die Berliner Dermatologin Yael Adler. Man muss sie nur lassen. Und an den richtigen Stellen unterstützen.
 

DIE BESTE FALTENCREME: SONNENCREME


Bei Hautalterung denken die meisten an Seren und Ampullen. Hautärzt:innen denken an die Sonne. Denn UV-Strahlung zersetzt Kollagen, bringt die Pigmente durcheinander, beschädigt sogar das Erbgut der Zellen. „Jede Bräunung ist eine Verzweiflungstat der Haut“, sagt Adler. Was wir für einen tollen Teint halten, ist biologisch ein Hilferuf. Sonnenschutz gehört deshalb nicht nur in den Urlaubskoffer, sondern jeden Morgen aufs Gesicht.
 

BEIM SONNENSCHUTZ SPAREN FAST ALLE


Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Sonnencreme, sondern zu wenig davon. Wer sparsam aufträgt, landet oft nur bei einem Bruchteil des Schutzes, der auf der Flasche steht. Fürs Gesicht taugt die Zwei-Finger-Regel: je ein Strang auf Zeige- und Mittelfinger, das reicht. Und einmal morgens genügt nicht. In der Sonne muss man alle zwei Stunden nachlegen.
 

FETTIG UND TROCKEN? BEIDES!


Ein Rätsel, das viele kennen: Die Haut glänzt, fühlt sich aber trocken an. Der Grund ist simpel. Bei Hitze produziert sie mehr

Talg und verliert zugleich mehr Wasser nach außen, Fachleute nennen das transepidermalen Wasserverlust. Gefragt sind jetzt keine schweren Cremes, sondern leichte Feuchtigkeitsspender, zum Beispiel mit Glycerin und Hyaluronsäure.
 

WENIGER WIRKSTOFFE, MEHR BARRIERE


Jahrelang ging es in der Pflege um möglichst viele Aktivstoffe. Heute schaut die Dermatologie woanders hin: auf die Hautbarriere, jene dünne Schicht aus Hornzellen, hauteigenen Fetten und einem empfindlichen Mikrobiom. Sie hält Schädliches draußen und Feuchtigkeit drinnen. Gerät sie aus dem Takt, hilft kein Serum der Welt. Panthenol, Niacinamid oder Ceramide bauen die Barriere mit auf. Parfüm und komplexe Routinen tun das Gegenteil.
 

SONNENSCHUTZ BEGINNT IN DER KÜCHE


Kein Salat der Welt ersetzt die Sonnencreme, so viel ist klar. Trotzdem isst die Haut mit. Obst, Gemüse, Nüsse und gute Öle liefern Antioxidantien wie Vitamin C, E und Carotinoide, die dem Körper helfen, die freien Radikale abzufangen, die etwa bei UV-Strahlung entstehen. Wunder darf man keine erwarten. Ein kleiner Beitrag zum Sonnenschutz aber liegt durchaus im Einkaufskorb.
 

AUF DIE REZEPTUR KOMMT ES AN


Ob eine Pflege taugt, entscheidet selten der eine Wirkstoff, mit dem geworben wird. Es ist das Zusammenspiel. Kosmetik „Made in Germany“ hat international einen guten Ruf, weniger wegen des Ortes als wegen der strengen Standards dahinter. Für den gesamten EU-Markt gilt ohnehin die Kosmetikverordnung, eines der schärfsten Regelwerke der Welt. Am Ende ist die gute Nachricht eine bequeme. Die Haut braucht nur ein paar Produkte, die ihr nicht in die Quere kommen. Und ab und zu die Ruhe, ihren Job allein zu machen.

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