Beton ist überall, er steckt in Häusern, Straßen, Tunneln, Brücken, Häfen, Kraftwerken, Windrädern, Kellern, Decken, Stützwänden und Fundamenten. Kaum ein anderer Baustoff ist so sehr mit Alltag und Infrastruktur verwoben. Weltweit werden jedes Jahr rund 4,65 Milliarden Tonnen Beton verbaut; das sind in Materialvolumen etwa 15 Milliarden Kubikmeter. In Deutschland liegt der jährliche Verbrauch bei rund 27,5 Millionen Tonnen.
Schon die Römer nutzten Vorformen, aber erst im 19. Jahrhundert wurde daraus der Baustoff der Industrialisierung. Mit dem Portlandzement, später mit dem Stahlbeton, wurde Beton zum technischen Wunderstoff: formbar, tragfähig, robust gegen Druck, vergleichsweise günstig und in großen Mengen verfügbar. Sein Aufstieg hing eng mit der Urbanisierung zusammen. Wo Städte wuchsen, Verkehrswege dichter wurden und immer mehr Menschen Wohnraum, Brücken, Wasserleitungen und Industrieanlagen brauchten, wurde Beton zum Standard.
Was Beton so unverzichtbar macht, sind seine Eigenschaften: Er lässt sich in fast jede Form gießen, er trägt enorme Lasten, er altert langsam und er ist weltweit mit vergleichsweise einfachen Rohstoffen herstellbar. Und dann ist da noch die Ästhetik. Beton gilt längst nicht nur als funktional, sondern auch als schön. Sichtbeton steht für Klarheit, Reduktion und Ehrlichkeit des Materials. Was bei anderen Baustoffen verborgen bleibt, wird hier gezeigt: Oberfläche, Struktur, Schalungsabdruck, Fugen, Schichtungen. Gerade diese Unverhülltheit empfinden viele als modern und hochwertig. Beton kann monumental wirken, ruhig, streng, beinahe skulptural. Seine Schönheit liegt im Material selbst.
Zur Herstellung genügen Sand, Kies, Wasser und Zement. Doch genau hier liegt das Problem. Der besonders kritische Bestandteil ist der Zement, also der „Klebstoff“ im Beton. Für seine Herstellung werden Rohstoffe wie Kalkstein und Ton in Drehöfen auf sehr hohe Temperaturen erhitzt. Das kostet viel Energie. Hinzu kommt, dass beim chemischen Prozess selbst CO2 freigesetzt wird. Deshalb ist Beton nicht einfach nur ein Baustoff, sondern auch ein zentraler Hebel in der Klimadebatte.
Die Suche nach nachhaltigerem Beton läuft deshalb auf mehreren Ebenen. Ein Weg ist, weniger Klinker im Zement zu verwenden und ihn durch andere Zuschlagstoffe zu ersetzen. Ein zweiter ist das Recycling von Altbeton, damit aus Abrissmaterial wieder Rohstoff wird. Ein dritter betrifft neue Bindemittel, CO2-arme Rezepturen und Verfahren, bei denen Emissionen gebunden oder vermieden werden. Pilotprojekte spielen dabei eine wichtige Rolle, weil sie zeigen, was in der Praxis funktioniert und was nicht.
Eines davon verfolgt das Berliner Unternehmen Ecolocked. Es verarbeitet Biokohle zu einem CO2-negativen Betonzuschlag, mit dem sowohl Zement als auch Sand zu einem Teil ersetzt werden. Dadurch wird der CO2-Fußabdruck von Beton um bis zu 40 Prozent reduziert. Der Zuschlagstoff wird aus Nebenprodukten der Agrarindustrie hergestellt, aus Lebensmittelproduktion, Holzreststoffen und ähnlichem. Die daraus hergestellte Kohle speichert das CO2. Projekte wie dieses zeigen, dass auch beim Klassiker Beton die Transformation bereits im Gange ist.
Illustrationen: Malcolm Fisher, malmade.com