Neues Leben für die Platte

Welche aktuellen Themen bewegen die Baubranche?

Illustration: Till Lukat
Illustration: Till Lukat
Klaus Lüber Redaktion

Klimafreundliches Bauen

Als Reaktion auf die negativen Nachrichten aus der Bauwirtschaft erhöht der Bund die Fördermittel. Unterstützt werden soll dabei klimafreundliches Bauen. Wer ein neues Haus energieeffizient baut, zum Beispiel durch besondere Maßnahmen zur Dämmung, kann dafür zinsgünstige Darlehen bei der staatlichen KfW-Bank beantragen. Kredite von bis zu 150.000 Euro je Wohnung sind möglich. Das entsprechende Programm wird offenbar rege genutzt und soll daher um gut 400 Millionen Euro aufgestockt werden — darüber hat die Bundesregierung den Haushaltsausschuss des Bundestags informiert. Ohne die Aufstockung der Mittel hätte bereits in wenigen Wochen ein Förderstopp gedroht.


Warnung vor Kipppunkt

Ziel der Ampelregierung war es eigentlich, für rund 400.000 neue Wohnungen jährlich zu sorgen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl allerding bei vergleichsweise dürftigen 280.000. Für 2023 schätzen Branchenvertreter mit einem weiteren Rückgang auf 240.000 bis 250.000. Dabei sinkt nicht nur die Zahl der fertiggestellten Wohnungen. Auch die Zahl der Baugenehmigungen nimmt ab. Schließlich werden schon genehmigte Projekte, wie das ifo-Institut kurz vor Beginn des Wohnungsbautages in Berlin meldete, häufiger storniert. Der Zuzug von mehr als einer Million Flüchtlinge im vergangenen Jahr hat die Lage weiter verschärft. Vor diesem Hintergrund schlägt Christian Staub vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes Alarm: Man brauche dringend eine „Erhöhung der Förderkulisse“. Allein für den sozialen Wohnungsbau sollte der Bund weitere 50 Milliarden Euro in die Hand nehmen.


Flächenverbrauch begrenzen

Neue Wohnhäuser, Parks und Straßen: Täglich werden in Deutschland im Durchschnitt 55 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu erschlossen. Das teilte das Statistische Bundesamt nach Auswertung der Zahlen für die Jahre 2018 bis 2021 mit. Damit summierte sich der tägliche Flächenverbrauch auf eine Größe, die ungefähr 77 Fußballfeldern entspricht. Bis zum Jahr 2030 will die Regierung diesen Verbrauch auf weniger als 30 Hektar pro Tag begrenzen. Das betrifft auch neue Haus- und Vorgärten, Friedhöfe, Campingplätze und Spielplätze. Fläche ist eine endliche Ressource. Bereits im Januar 2017 legte der Bund im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie fest, den Flächenverbrauch zu begrenzen. Bis 2050 strebt die Regierung eine Flächenkreislaufwirtschaft an. Dann sollen netto keine neuen Flächen mehr für Siedlungs- und Verkehrszwecke erschlossen werden.


Neues Leben für die Platte

DDR-Plattenbauten galten erst als praktisch, dann als hässlich — und jetzt als Abrisskandidaten. Dabei können die Baustoffe der „Platten“ gewinnbringend recycelt werden. Aus abgetragenen Plattenbauten entstehen auf diese Weise neue Gebäude. Oder sie werden modifiziert, indem man Mehrgeschosser auf zwei bis drei Etagen schrumpft, Dachterassen hinzufügt und Wohnungen zusammenlegt. Statt die alten Platten abzureißen, werden sie so erhalten. Obwohl bei Beton mit einer durchschnittlichen Nutzungszeit von 50 Jahren gerechnet wird, ist er bei ordnungsgemäßer Nutzung wesentlich langlebiger. Experten gehen sogar von einer Nutzungsdauer von 120 Jahren aus. Zwei bis drei Mal könnten Betonplatten so wiederverwertet werden.
 

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