Die deutsche Wirtschaft und die Digitalisierung

Dezember 2016 | Handelsblatt | Das Neue Arbeiten

Die deutsche Wirtschaft und die Digitalisierung

In den Unternehmen pulsiert es.

Dr. Alexandra Schröder-Wrusch; Vorstand, ias AG; Vorstand, ias Stiftung | Dr. Peter Wrogemann; Vorstand, ias AG; Vorstand, ias Stiftung
IAS AG / Unternehmensbeitrag

In welchem Ausmaß die Digitalisierung unlängst die deutsche Wirtschaft erreicht hat, verdeutlichen die Ergebnisse einer Studie der ias-Gruppe zum digitalen Wandel. 91,8 Prozent der befragten Führungskräfte und Mitarbeiter geben an, die Digitalisierung nähme starken Einfluss auf den deutschen Mittelstand.Auf die Frage, wie es im eigenen Betrieb aussehe, antworten 86,8 Prozent, ihr Unternehmen sei bereits heute stark von der Digitalisierung betroffen. Und: 96,4 Prozent gehen auch in den nächsten zehn Jahren von einem starken Einfluss der Digitalisierung auf ihren Betrieb aus. Doch wie sieht dieser Einfluss aus? In der aktuellen Diskussion um die Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt treffen unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen aufeinander. Dies liegt zum einen daran, dass abhängig von der Branche und dem Unternehmensbereich jeder Mitarbeiter auf andere Weise und in anderem Umfang mit der Digitalisierung in Berührung kommt. Zum anderen gibt es zwar in einigen Aspekten bereits Erfahrungswerte, in anderen jedoch noch viele Unbekannte.   

Zwischen Entdeckergeist und digitaler Überforderung

Durch neue Anwendungsszenarien und digitale Errungenschaften ist das Thema nicht nur technisch anspruchsvoll. Disruptive Märkte stellen Unternehmer vor große Herausforderungen. Viele Menschen sind zudem in ihrem Privat- und Berufsleben hin- und hergerissen zwischen Faszination, Entdeckergeist und digitaler Überforderung. Hinzu kommt, dass gerade Unbekanntes und Unvorhersehbares häufig Ängste und Unbehagen in den Menschen auslöst.

Entsprechend lesen sich die Ergebnisse der ias-Umfrage: 60,7 Prozent der befragten Arbeitnehmer verbinden die Digitalisierung mit der Entstehung neuer Berufsbilder und jeder Vierte sorgt sich um den eigenen Arbeitsplatz. Eine weitere zentrale Herausforderung besteht zwischen den Flexibilitätsanforderungen der Organisationen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Hier werden neue Kompromisse erforderlich sein – insbesondere bei der Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung. 65,4 Prozent der Befragten erwarten neue Organisationsformen, 62,1 Prozent rechnen mit der Auflösung traditioneller Arbeitsorte und -zeiten.  

Nicht aus dem Elfenbeinturm heraus

„Unternehmen haben nur eine Möglichkeit, diesen Herausforderungen zu begegnen: Sie müssen die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Menschen, auf seine Gesundheit und auf seine Leistungsfähigkeit strategisch managen“, weiß Dr. Peter Wrogemann, Vorstand der ias Aktiengesellschaft. Ein wichtiger Aspekt sei die Einbeziehung der Arbeitnehmer in die Veränderungsprozesse. „Allerdings nicht aus dem Elfenbeinturm heraus“, erläutert Dr. Wrogemann. „Digitalisierung sollte (vor-)gelebt und es sollte Raum für offenen Austausch geschaffen werden. Mitarbeiter, die dies so in ihren Betrieben erleben, entwickeln zu den Phänomenen des digitalen Wandels erfahrungsgemäß eher positive Einstellungen und nehmen diese als Chance wahr.“

Bereits in der Umfrage zeigt sich: Die Mehrheit der Befragten (87,5 Prozent) ist der Meinung, dass die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens durch die Digitalisierung zunehmen wird. Dies jedoch ist nur die eine Seite der Medaille, denn mit nur 63,6 Prozent rechnen deutlich weniger Befragte mit positiven Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit. „Auch wenn 63,6 Prozent auf den ersten Blick als viel erscheinen, so hegt im Umkehrschluss mit gut 36 Prozent jeder Dritte Zweifel daran, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt ihm persönlich guttun wird. Ziel jeder Organisation sollte es sein, diese Lücke zu schließen“, rät Dr. Alexandra Schröder-Wrusch, Vorstand der ias Aktiengesellschaft.

Jeder Zweite sorgt sich um mentales Wohlbefinden

Alarmierend ist insbesondere die Erwartungshaltung hinsichtlich des psychischen Wohlbefindens: Jeder Zweite fürchtet eine Zunahme mentaler Belastungen. Unter den Führungskräften ist dieser Aspekt mit 55,1 Prozent sogar noch einmal höher bewertet als unter den anderen Mitarbeitern (45,1 Prozent). Aufgabe des Arbeitgebers sei es, so Dr. Schröder-Wrusch, die Beweggründe, wie beispielsweise Über- oder Unterforderung, herauszufiltern und konzeptionell anzugehen. Die Veränderungen, die der digitale Wandel mit sich bringt, wie z. B. eine Arbeitsplatzumgestaltung, sollten aus interdisziplinärer Sicht der Bereiche Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit, Arbeitspsychologie sowie aus Sicht des Leistungsfähigkeitsmanagements beleuchtet, unterstützt und gefördert werden.

Dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) im Kontext der Digitalisierung der Arbeitswelt messen bereits heute 92,1 Prozent der befragten Führungskräfte und Mitarbeiter eine wichtige Bedeutung bei. 61,8 Prozent erwarten aber auch, dass sich das BGM aufgrund der teilweise neuen Herausforderungen verändern wird. Wie sich diese Veränderungen gestalten, ist individuell in den Unternehmen unterschiedlich. Muss BGM komplett neu aufgestellt werden, nur hier und da angepasst werden – oder bleibt am Ende doch vieles beim Alten? Wie lässt sich ein Leistungsfähigkeitsmanagement sinnvoll integrieren?

Wie gelingt „Gesundheit 4.0“?

Dr. Peter Wrogemann zur Lage: „Bei allen Effekten, die der digitale Wandel, Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 mit sich bringen, stellen sich die zentralen Fragen: Wie gelingt es, eine gesunde und leistungsfähige Belegschaft sowie eine leistungsfähige Organisation zu schaffen? Wie gelingt Gesundheit 4.0? Wir sind überzeugt, dass Unternehmen dem digitalen Wandel durch ein Zusammenspiel verschiedener Aspekte begegnen sollten. Gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter sowie eine offene, innovative, anpassungsfähige, kundenorientierte Unternehmens- und BGM-Strategie, gepaart mit Neugier und Mut als Motor: Dies sind die Wegbereiter für eine gelungene Digitalisierung im Unternehmen.“


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